Um Gottes Willen

25. Oktober 2010 15:44; Akt: 25.10.2010 18:54 Print

Dessous-Bilder sorgen für Kirchenknatsch

von Yvonne Zurbrügg - Model Julia Saner posierte in BH und Höschen vor dem Taufstein der Kapelle Bubikon. Kirchgänger fühlen sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt.

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«Feel like a Princess» heisst die Weihnachtskollektion von «Beldona»: Für das Fotoshooting des Katalogs machte sich das Schweizer Dessouslabel auf die Suche nach einem Schloss. Die Bilder aus dem Ritterhaus Bubikon sorgen nun für rote Köpfe. Nicht weil Model Julia Saner und Miss Schweiz Kerstin Cook nichts weiter tragen als zarte Spitze – die Kirchenpflege der Gemeinde im Zürcher Oberland fürchtet um den sakralen Charakter des Orts.

«Für solche Aufnahmen ist das geschichtsträchtige Ritterhaus meines Erachtens nicht der richtige Rahmen. Wir sollten mit den Räumlichkeiten respektvoller umgehen», tadelt der Bubiker Kirchenpflegepräsident Thomas Illi im «Zücher Oberländer» von heute Montag. Dass Saner direkt vor dem alten Taufstein der Ritterhaus-Kapelle posieren musste, findet Illi «inakzeptabel»: «Es darf nicht sein, dass ein sakraler Raum, in dem regelmässig Gottesdienste stattfinden, für Fotoaufnahmen von Unterwäsche-Models genutzt wird. Das verletzt religiöse Gefühle.»

Wie die Kamera in die Kapelle kam

Beldona mietete das Ritterhaus im August und im Oktober für die Shootings mit Julia Saner und Kerstin Cook. Die Ritterhausgesellschaft hatte vorab einstimmig beschlossen, «Beldona» die Fotoerlaubnis zu erteilen, sagt Präsident Adolf Burkhard. Man verfüge über kein verbindliches Reglement was die Nutzung der Räumlichkeiten betreffe. Auf der Website empfiehlt sich die Kappelle für «Andachten und Gottesdienste, Hochzeiten, Konzerte, Vorträge und ernsthafte Darbietungen». Dass Dessous-Aufnahmen in der Kapelle gemacht wurden, findet Burkhard äusserst unglücklich: «Das hätte nicht passieren dürfen. Wir hatten klar abgemacht, dass in der Kapelle nicht fotografiert werden darf.»

Sabina Furler, Geschäftsführerin von «Beldona», gibt zu: «Kapelle und Lingerie, das ist eine unglückliche Kombination.» Die Mehrheit der Bilder sei im Ritterhaus und im Rittersaal geschossen worden. Die Location hätten sie komplett gemietet. Von einem Verbot innerhalb des Areals sei nie die Rede gewesen: «Wir sind nicht darauf hingewiesen worden, dass wir in der Kapelle nicht fotografieren dürfen.» Der Fotocrew sei die wunderbare Mauer in der Kapelle aufgefallen: «In unserem Katalog ist diese Mauer im Hintergrund zu sehen – die sakralen Elemente der Kapelle aber natürlich nicht. Es geht bei unserer Kollektion ja um die Schlossromantik und nicht um die Kirche.»

Den gesamten Hintergrund samt Taufstein zeigten nur die Making-Of-Bilder auf «tilllate.com». «Als wir die Bilder aus dieser Perspektive zuliessen, haben wir schlicht zu wenig überlegt. Wir haben diese Bilder inzwischen löschen lassen», sagt Furler. Kirchenpflegepräsident Illi zieht seine Schlüsse: «Würde man derartige Anlässe nicht erlauben, gäbe es auch keine Probleme.» In der nächsten Sitzung der Kichenpflege will er die Thematik zur Sprache bringen.