70 Jahre Kurt Felix

27. März 2011 13:09; Akt: 28.03.2011 08:42 Print

Die Perle aus dem Leutschenbach

Mit «Teleboy» und «Verstehen Sie Spass?» schrieb er Fernsehgeschichte. Am Sonntag wurde Kultfigur Kurt Felix 70 Jahre alt.

Bildstrecke im Grossformat »
Kurt Felix ist am 16. Mai 2012 mit 71 Jahren verstorben. Name: Kurt Felix Geburtsdatum: 27. März 1941 Geburtsort: Wil/SG 1960 begann Felix als Lehrer zu arbeiten und betätigte sich nebenberuflich als Radio- und Fernsehreporter. Zudem schrieb er Theaterstücke und Kindermusicals. 1973 wechselte Felix in die Abteilung «Unterhaltung» von SF DRS und schuf die legendäre Sendereihe «Teleboy», eine unterhaltende Spielshow mit versteckter Kamera. Diese Samstagabend-Show erzielte die höchsten Einschaltquoten in der Geschichte des Schweizer Fernsehens, und machte aus Kurt Felix eine Fernsehlegende. 1980 wechselte Felix ins deutsche Fernsehen und lancierte die Unterhaltungssendung «Verstehen Sie Spass?», die er auch selber moderierte. Im selben Jahr heiratete er seine heutige Frau, die Schlagersängerin Paola, mit der er ab 1983 «Verstehen Sie Spass?» zum erfolgreichsten Programm der ARD machte (bis zu 23 Millionen Zuschauer). Felix kreierte und moderierte in den 80er-Jahren auch die Schweizer Lotterie-Show «Supertreffer», zusammen mit seinem Assistenten «Sheriff» (r.). 1997, Abend der Schweizer TV-Legenden in Engelberg: (V.l.n.r.) Hans O. Staub, Heiner Gautschi und Kurt Felix, der gerade eine Lachsalve bei der Moderatorin Eva Mezger auslöst. An seinem 50. Geburtstag gab Kurt Felix seinen Rücktritt aus dem TV-Biz bekannt. Danach arbeitete er als Berater für verschiedene TV-Anstalten, schreibt als Kolumnist für den Ringier-Verlag und fungiert auch als Mitautor des Buches «50 Jahre Schweizer Fernsehen». Kurt und Paola leben abwechslungsweise in der Schweiz und Italien. Im Februar 2003 wurde bei demn 62-Jährigen Krebs diagnostiziert. Mittels zweier komplizierter Operationen und Chemotherapie kämpfte Kurt Felix gegen die Krankheit. Hier zeigte er sich nach seiner Krebsbehandlung.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Böse sein konnte ihm nie jemand, wenn er mit schelmischem Grinsen seine Streiche auflöste und fragte, «Verstehen Sie Spass?». Dem Komiker Hape Kerkeling bereitete Kurt Felix einen «Albtraum», als er dessen Publikum immer an der falschen Stelle lachen liess. Reinhold Messner geriet in Rage («Ich werde mich beim Bürgermeister beschweren!»), als hoch oben in der Matterhorn-Wand plötzlich ein Kiosk mit Souvenirs und Klatschpresse stand. Und Gotthilf Fischer verneigte sich ehrfürchtig («Das passiert in der Welt nur einmal»), als die britische Queen - oder vielmehr ihr Double - seinen Chören einen Überraschungsbesuch abstattete.

Felix legte über Jahre Hunderte prominente und nicht-prominente Opfer mit seinen Gags herein, liess genervte Autofahrer an dauerroten Ampeln versauern und fragte Passanten mit einem Mode-Schnittmuster nach dem Weg. Damit wurde der Spassvogel mit seiner Frau Paola, die in den 80er Jahren gemeinsam mit ihm durch die ARD-Sendung führte, zum beliebtesten Moderatorenpaar in Deutschland. Zweifellos auch deshalb, weil Felix stets darauf achtete, mit seinen Streichen niemandem bewusst zu schaden.

Am Sonntag 27. März feiert der Ostschweizer seinen 70. Geburtstag. Aus dem Rampenlicht vor der Kamera hat er sich bereits 1991zurückgezogen. Feiern möchte er nun ganz gemütlich im kleinen Kreis. «Meine Familie wird zum Fondue-Essen kommen. Alle tunken ihre Gabel in die gleiche Appenzeller-Käse-Suppe. Das gibt ein Gefühl von Zusammengehörigkeit», verriet er der «Schweizer Illustrierten».

Thymom-Krebs kehrte zurück

Kurt Felix erholt sich gerade von einer gesundheitlich schweren Zeit. Er ist an Thymom-Krebs erkrankt. Nachdem er sich deswegen bereits 2003 einer Operation und Chemotherapien unterzogen hatte, erfuhr er im vergangenen April, dass der Krebs zurückgekehrt war. Eine weitere OP und Strahlentherapie folgten. «Mein Glaube an die Schulmedizin und meine Ärzte ist stark. Krebs braucht nicht tödlich zu sein. Ich habe gelernt, mit ihm zu leben», schreibt Felix auf seiner Website.

Sein Berufswunsch stand schon als Kind fest: Bereits mit zwölf Jahren, als das Schweizer Fernsehen 1953 den Versuchsbetrieb aufnahm, habe er gewusst: «In diesen Kasten möchte ich auch mal rein.» Seine Karriere startete er über einen kleinen Umweg: Felix arbeitete zunächst als Lehrer. Das aber nur deshalb, «weil meine zukünftige Tätigkeit in den Medien von einer profunden Allgemeinbildung abhängig war», wie er sagt. Schon parallel zum Unterrichten wurde er als Radio- und Fernsehreporter aktiv. 1965 gab Felix den Lehrerberuf schliesslich ganz auf, um zum Schweizer Fernsehen zu wechseln. Dort arbeitete er als Moderator, Autor, Programmgestalter und Regisseur. Mit grossem Erfolg entwickelte Felix neue Sendeformate - die Show «Teleboy» etwa, in der er zwischen 1974 und 1981 bereits Streiche mit der versteckten Kamera spielte. «Teleboy» wurde zur erfolgreichsten Unterhaltungssendung in der Geschichte des Schweizer Fernsehens.

Ende 1980 setzte Felix seine Laufbahn in Deutschland fort und entwickelte zunächst für den Süddeutschen Rundfunk, ab 1983 dann für die ARD die grosse Samstagabend-Show «Verstehen Sie Spass?». Als Co-Moderatorin trat ihm seine Frau, die Schlagersängerin Paola Del Medico («Blue Bayou») zur Seite, die er 1980 geheiratet hatte.

23 Millionen Zuschauer

«Wir waren weltweit die erste Sendung, die aus der 'Versteckten Kamera' eine abendfüllende Show machte, und wir waren weltweit die Ersten, die mit konstanter Boshaftigkeit prominente Leute verladen haben, sagte Felix vor einigen Monaten in einem SWR-Interview. Unter seiner Moderation stieg »Verstehen Sie Spass?« zu den erfolgreichsten Unterhaltungssendungen des deutschen Fernsehens auf. Bis zu 23 Millionen Zuschauer schalteten ein.

Nachdem Paola und Kurt Felix mehr als 250 Filme mit der versteckten Kamera gedreht und rund 100 Prominente hereingelegt hatten, gaben sie 1990 schliesslich die Moderation ab. Die Arbeit hinter der Kamera - Drehbücher zu schreiben, Gags auszudenken, Filme zu realisieren - habe ihn tiefer beglückt als der blosse Beifall, begründete er diesen Schritt. »Gerade deshalb konnte ich an meinem 50. Geburtstag ohne Entzugserscheinungen als Protagonist vor der Kamera abtreten.«

Felix blieb hinter der Kamera aktiv, übernahm Beratertätigkeiten für verschiedene Fernsehsender, auch für »Verstehen Sie Spass?«. Er schrieb als Kolumnist für die »Schweizer Illustrierte« und entwickelte neue Shows für das Schweizer Fernsehen.

Grosse Liebe Paola

Seine privates Glück hat er in seiner Paola gefunden, die er als Juror eines Talentwettbewerbes kennenlernte und mit der er heute in St. Gallen lebt. »Wir sind seelenverwandt, glücklich miteinander verheiratet, ohne Zoff in idealster Zweisamkeit«, schwärmt er. Als er vor einem Jahr wieder ins Krankenhaus musste, wich die 50-Jährige nicht von seiner Seite und zog zu ihm ins Zimmer. Felix' Stolz ist auch sein Sohn Daniel aus erster Ehe. »Wir sind eins zu eins«, betont er. Daniel arbeitet als Sendeleiter beim Schweizer Fernsehen - und sie teilen auch dasselbe Hobby: Eisenbahnfilme. Mit Blick auf die Zukunft sagte Felix jetzt der »Bunten«: »Das Leben ist nicht unendlich. Darum erfüllen wir uns Träume, statt diese aufzuschieben.« Eine Radtour durch die Toskana gehöre ebenso dazu wie seinen Kollegen Karl Dall »mal wieder in Kanada besuchen«.

(ap)