Die Welt trauert um Bruno Ganz

16. Februar 2019 13:05; Akt: 16.02.2019 14:37 Print

«Wir verlieren einen wundervollen Menschen»

«Er spielte die Rolle nicht, er lebte sie.» Zahlreich sind die Reaktionen auf den Tod von Bruno Ganz. Hier einige Beispiele.

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Er war einer der grössten Schweizer Schauspieler. Nun ist Bruno Ganz mit 77 Jahren seinem Krebsleiden erlegen. Der Schauspieler wuchs in Zürich auf und besuchte das Zürcher Bühnenstudio, heute bekannt als Hochschule der Künste. Ausserdem schloss er die Rekrutenschule als Sanitäter ab. Im Jahr 1960 hatte Ganz seinen ersten Auftritt in einem Film. Er spielte den Kammerdiener in dem Film «Der Herr mit der schwarzen Melone». Jahrelang stand Ganz auf diversen Theaterbühnen. Zuerst am Jungen Theater in Göttingen, von 1964 bis 1969 am Theater am Goetheplatz in Bremen, ehe er vom Zürcher Schauspielhaus verpflichtet wurde. 1970 stiess er zum Ensemble der Berliner Schaubühne. Durch etliche Filmrollen wurde er Mitte der 70er-Jahre einem grösseren Publikum bekannt. In «Nosferatu» spielte er neben dem deutschen Schauspieler Klaus Kinski. Als Engel Damiel agierte er im Film «Der Himmel über Berlin» neben dem US-Schauspieler Peter Falk, auch bekannt als Columbo. Dem Theater blieb er immer treu. 2000 an der Expo spielte er in Goethes «Faust». 2004 verkörperte Ganz den deutschen Diktator Adolf Hitler in «Der Untergang». 2008 übernahm er die Rolle des BKA-Präsidenten Horst Herold in «Der Baader Meinhof Komplex». Vier Jahre später hatte Ganz in einem Pariser Theater seinen letzten Bühnenauftritt. Den Filmen blieb er allerdings erhalten. 2015 als Alpöhi in «Heidi». Ganz war einer der wenigen Schweizer Schauspieler, die sich auch in Hollywood behaupten konnten. Dies zeigen diverse Blockbuster in seiner Filmografie. «Der Vorleser» mit Kate Winslet. 2011 in «Unknown Identity» mit Liam Neeson und Diane Kruger. 2013 in «Nachtzug nach Lissabon» mit Jeremy Irons. Im selben Jahr: «The Counselor» mit Michael Fassbender, Penélope Cruz, Cameron Diaz und Brad Pitt. 2018 spielte er eine grosse Rolle im internationalen Horrorfilm «The House That Jack Built» von Lars von Trier. Mit dabei: Matt Dillon. Sein letzter Film war im vergangenen Jahr «Der Trafikant» von Nikolaus Leytner. In seinem Leben wurde Ganz mit Preisen überhäuft. 1973 wurde er in Deutschland als Schauspieler des Jahres ausgezeichnet. 1998 erhielt er den Prix Walo. 2000 und 2004 gab es für Ganz den Europäischen Filmpreis. Zehn Jahre später erhielt er sogar den Preis für sein Lebenswerk bei den europäischen Oscars. Auch der Goldene Leopard von Locarno gehört zu seinen Schätzen. Für die Rolle in «Der Untergang» gab es einen Bambi. 2006 erhielt er das Bundesverdienstkreuz und das österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. 2014 wurde er bei der Goldenen Kamera erneut für sein Lebenswerk belohnt. 2016 gab es in Bayern nochmals eine Auszeichnung. 2017 wurde er auch in der Schweiz nochmals geehrt. Er staubte zwei Schweizer Filmpreise ab. Einmal als bester Darsteller und einen Ehrenpreis. Nun ist Ganz im Alter von 77 Jahren in seinem Zürcher Haus verstorben. Er erlag am Samstagmorgen einer Krebserkrankung. Doch eines ist sicher: Bruno Ganz bleibt unvergessen.

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Alain Berset – Bundesrat

Bundespräsident Alain Berset erklärte am Samstag, mit Ganz verliere Bühne und Film einen der ganz grossen Schweizer Darsteller. Berset liess sich wie folgt zitieren: «Selbst in den boshaften Rollen schimmert bei Bruno Ganz und seinen Charakteren immer Menschlichkeit durch. Das macht sein Wirken und Werk so bedeutsam, weil es differenziert und dadurch verstörend wirkt. Er spielte die Rolle nicht, er lebte sie.»

Max Simonischek – Schauspieler

«Wir verlieren einen wundervollen Menschen und einen der grössten Schauspieler Europas», sagt Schauspieler Max Simonischek. «Er war für viele junge Schauspieler ein grosses Vorbild. Wie kein anderer hat er den Spagat zwischen Theater und Film geschafft.»

Die Nachricht über seinen Tod hat in seiner Familie und seinem Freundeskreis schnell die Runde gemacht. «Ich habe gleich mit meinem Vater telefoniert. Er kannte ihn sehr gut. Die beiden standen oft gemeinsam auf der Bühne. Man kann sagen, dass sie das Theater in den 60er- und 70er-Jahren revolutioniert haben, vor allem während ihrer Zeit an der Schaubühne in Berlin.»

Zuletzt war Simonischek Bruno Ganz 2017 bei der Verleihung des Schweizer Filmpreises begegnet. «Wir waren beide nominiert, er hat den Preis schliesslich gewonnen», erinnert er sich.

Michael Müller – Berliner Bürgermeister

Bruno Ganz habe zu den Grossen seines Metiers gehört. Als Mitglied des Ensembles der Schaubühne habe Ganz in Berlin unter den grossen Regisseuren der Zeit gespielt, hiess es in einer Erklärung am Samstag in Berlin. «Wir werden Bruno Ganz vermissen und sind mit den Gedanken bei seinen Angehörigen und trauern um einen grossen Schauspieler.»

Dieter Kosslick – Berliner Filmfestspiele

Mit Blick auf blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein über Berlin sagte Kosslick am Samstag während der Berlinale in Anlehnung an den Kultfilm: «Ich habe das Gefühl, dass nichts im Weg sein soll, wenn er auf seinem Weg ist in den 'Himmel über Berlin'.»

Heiko Maas – Bundesaussenminister

Der SPD-Politiker Heiko Maas bezeichnet Bruno Ganz als einen «der bedeutendsten Schauspieler unserer Zeit». Über Twitter schreibt er: «Sein fulminantes Werk bleibt.»

Iris Berben – Schauspielerin

«Ich habe ganz viel von Bruno gelernt: über Haltung und wie man sich verhalten sollte. Ich schätzte seinen wunderbar leisen Humor und seine Zuverlässigkeit», so die Schauspielerin zu «Bild». «Mit Bruno Ganz ist ein ganz Grosser von uns gegangen. Ich bin traurig und vermisse ihn schon jetzt unendlich.»

Corinne Mauch – Zürcher Stadtpräsidentin

«Mit Bruno Ganz verliert die Kulturwelt einen ihrer Allergrössten. Seine Genialität auf der Bühne und im Film, sein Mut zu schwierigsten Rollen, seine Feinsinnigkeit und Intelligenz als Schauspieler und engagierter Mensch», sagt Corinne Mauch auf Anfrage des «Tages-Anzeiger». «Die Stadt Zürich war stolz auf diesen herausragenden Botschafter. Bruno Ganz wird uns fehlen.»

(fss/pam/bee)