Street Parade

06. Dezember 2011 17:09; Akt: 06.12.2011 17:09 Print

Dieser Mann holt Top-DJs gratis in die Schweiz

von Nives Arrigoni - Seit zehn Jahren ist Robin Brühlmann im Organisationskommitee der Street Parade ehrenamtlich mit an Bord. Sein Job: Die Top-Acts holen - ohne Budget.

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Robin verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Amsterdam. Dort kam er mit der elektronischen Musik zum ersten Mal in Berührung: «Ich ging mit meinen Freunden an Raves und fand Gefallen an der Musik. Es war einfach mal etwas anderes als stierer Pop und Rock.» Das Interesse an Musik war bei dem mittlerweile 30-jährigen schon immer sehr gross. Die Neugierde, wie die elektronische Musik entsteht, brachte ihn dazu, selbst DJ zu werden. «Ich war vom Handwerk (damals noch mit Vinyl) fasziniert und wollte es auch beherrschen. Später rutschte ich dann mehr ins Produzieren.» Aufgrund seiner Arbeit bei der Street Parade musste Robin damit aufhören: «Als Booker muss man neutral sein. Das fällt einem schwer, wenn man selbst DJ ist.»

Boy George wollte unbedingt

Jahr für Jahr überzeugt das Line Up der Street Parade mit internationalen Top DJs. Was oft in Vergessenheit gerät: Diese DJs spielen alle ohne einen Rappen Gage. Wie er das macht? Mit viel Überzeugungsarbeit und einem grossen Musikwissen. Der Zürcher beschäftigt sich intensiv mit elektronischer Musik und hat ein gutes Gespür für Künstler entwickelt. Mittlerweile sind auch viele Freundschaften mit den DJs entstanden, zum Beispiel mit Fedde Le Grand. «Die Leute verlassen sich auf mich und schenken mir volles Vertrauen. Die grösste Herausforderung sind neben der Überzeugungsarbeit, die terminlichen Differenzen.» Oft passiere es, dass sich kurz vor der Street Parade-Bestätigung eines Künstlers, ein Festival bei ihm meldet und Geld auf den Tisch legt. «Dann wird sich oft gegen die Street Parade entschieden. Aber es geht auch anders: Dieses Jahr meldete sich gar Boy George und fragte, ob er auftreten dürfe», erinnert sich Robin.

DJ über Bord!

Die Street Parade bescherte dem Booker bereits viele unvergessliche Momente. Doch ein weiteres Erlebnis ist ihm besonders gut in Erinnerung geblieben. Als sie einen DJ mit dem Boot zur Bühne beförderten, geschah ein kleines Missgeschick: «Dem DJ hat die Parade so unglaublich gut gefallen, dass er begann haufenweise Fotos zu schiessen. Er war völlig ausser sich vor Freude und dabei flog er beim Knipsen vornüber in den See. Zuerst waren wir alle still. Als er nach dem Auftauchen zu lachen begann, gab es aber kein Halten mehr.»

Tiësto an der nächsten Parade?

Zwischen all den grossen Acts die Robin schon für die Schweizer Parade begeistern konnte, hegt er natürlich auch seine persönlichen Act-Träume. «Wenn ein Millionär der Street Parade Geld für einen Act geben würde, gäbe ich es für Daftpunk aus. Sie passen einfach unglaublich gut zu dieser Veranstaltung.» Weiter erzählt er: «Tiësto fehlte bisher ebenfalls an der Street Parade. Ich bin immer wieder mit dem Management im Gespräch und hoffe sehr, dass es einmal klappt.»

Tod von DJ Energy

Die traurigste Anekdote, die Brühlmann zu erzählen weiss, ist derweil noch nicht lange her. Ein dunkler Schatten legte sich 2011 über die 20. Street Parade, als DJ Energy nach seinem Auftritt an der Parade im Alter von 37 Jahren gestorben ist. Sein Tod erschütterte die ganze Szene der elektronischen Musik und erst recht die Parade-Pioniere. Auch Robin trauert um den bekannten Trance-DJ: «Ich habe es wie die meisten aus den Medien erfahren. Ich war geschockt und sehr traurig. DJ Energy hat die elektronische Musik in den Anfängen sehr geprägt und war ein wichtiger Bestandteil der Schweizer Technoszene.»

Am grossen Tag

«Zum ersten Mal habe ich die Parade mit 15 Jahren besucht», erzählt Robin. Und ist dabei auch ein bisschen nostalgisch, denn seit geraumer Zeit konnte er die Street Parade nicht mehr als normaler Besucher erleben. Es gäbe immer viel zu tun am grossen Tag: «Ich bin vor Ort, um sogenannte 'Brände' zu löschen. Wenn ein DJ ein Problem hat, muss ich es lösen. Man rennt den ganzen Tag herum.» Robin erlebt das Spektakel auf seine eigene Art - und weiss, wofür er dieses Opfer bringt: «Die vielen glücklichen Gesichter und die positive Resonanz der DJs machen den ganzen Stress wieder wett.»

Ein Ende in Sicht?

«Zwei Wochen vor der Street Parade sag ich mir immer: 'Diesen Scheiss machst du nie mehr!' Aber schliesslich komm ich doch nicht davon los», gesteht der 30-jährige. Er hat sich vorgenommen, solange es die Street Parade gibt, die Verantwortung für das Booking zu übernehmen. «Ich werde dann aufhören, wenn ich die Szene nicht mehr spüre. Wenn das Feuer in mir erloschen ist, wird es Zeit sein, den Posten abzugeben.»