Dzana hat 600'000 Follower

06. September 2019 04:46; Akt: 06.09.2019 04:58 Print

«Von den Notifications stürzt mein Handy ab»

von Angela Hess - Niemand in der Schweiz hat so viele Follower und ist so jung wie Dzana. Mit uns spricht die 16-Jährige über ihren Alltag zwischen Kita-Job und Instagram.

Schwimmt Dzana lieber im Meer oder im Pool? Sie verräts dir in unserem «Entweder oder»-Spiel. (Video: P. Stirnemann/M. Täuber)
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Über 600'000 Leute folgen @dzzyzzle auf Instagram. Hinter dem Profil steckt die 16-jährige Dzana: Sie ist die Jugendliche, die in der Schweiz am meisten Follower auf der Plattform hat. Dies bestätigte in dieser Woche eine Studie von Unicef.

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Retuschierst du deine Fotos, bevor du sie auf Social Media postest?

Als Influencerin spielt die gebürtige Bosnierin somit in der oberen Liga mit – nicht nur in der Schweiz, sondern auch international. Wie ist es, vom normalen Teenager zum gefragten Insta-Star zu werden? 20 Minuten hat Dzana zum Interview getroffen.

Dzana, hat sich dein Leben stark verändert, seit du auf Instagram so bekannt bist?
Es hat sich schon einiges geändert. Zum Beispiel ist mein Freundeskreis heute anders.

Hast du dadurch viele Freunde verloren?
Leider ja, aber wer nicht mit mir befreundet sein will, dem sage ich: Die Tür steht offen, geh. Die wenigen wahren Freunde in meinem Leben sind jedoch immer geblieben.

Wirst du auf der Strasse oft erkannt?
Ja, die Leute sagen dann: «Du bist doch Dzzyzzle!» In der Schweiz ist es aber weniger als in Deutschland. Ich freue mich jedenfalls immer, wenn Follower auf mich zukommen. Mit ihnen Fotos zu schiessen und mich mit ihnen zu unterhalten macht mir Spass.

Was machst du hauptberuflich?
Ich habe die Schule abgeschlossen und mache gerade ein Praktikum in einer Kita.

Gefällt dir die Arbeit?
Ich finde es wunderschön, die Fortschritte der Kinder zu sehen und die Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu erleben. Die Erfahrung, die ich im Praktikum sammle, hilft mir sicher auch, wenn ich später selbst einmal Kinder habe.

Ist Insta für dich nur ein Hobby oder wie ein zweiter Job? Du machst ja auch gesponserte Posts für Firmen.
Es ist in dieser Hinsicht schon ein Job. Man braucht viel Disziplin im Umgang mit Brands, das sind ja schliesslich meine Kunden. Wenn sie etwas nicht sofort gut finden, mache ich die Arbeit hin und wieder auch zwei- oder dreimal.

Wie koordinierst du deinen Alltag zwischen Kita-Praktikum und Insta?
Unter der Woche mache ich meistens keine Posts, ausser wenn es nicht anders geht. Am Wochenende nehmen wir uns Zeit, um die Bilder zu produzieren. Meine Mama ist meine Fotografin, sie macht die meisten meiner Fotos.

Hast du auch ein separates Handy für Instagram?
Nein, das finde ich unnötig. Die Notifications habe ich aber alle ausgeschaltet. Davon stürzt sonst mein Handy ab.

Willst du irgendwann hauptberuflich influencen?
Das weiss ich noch nicht. Ich warte ab, was die Zukunft bringt. Es kann ja auch sein, dass Instagram morgen gelöscht wird – was mache ich dann?

Du könntest zum Beispiel auf Tiktok umsteigen.
Auf Tiktok bin ich nicht so aktiv. Ich finde, auf dieser App wird man am meisten verurteilt. Es gibt so viel Hate!

Wie viel Zeit benötigst du am Tag, um deine DMs zu beantworten?
Ich arbeite ja normal, unter der Woche mache ich das darum etwa eine bis zwei Stunden pro Tag. Am Wochenende sind es vielleicht drei.

Antwortest du auf jede einzelne Nachricht?
Das kommt darauf an, wie viel Zeit ich gerade habe. Wenn ich antworte, dann stecke ich aber immer viel Mühe in meine Nachricht.

Bei manchen Posts schaltest du die Kommentarfunktion ab. Wieso?
Viele Leute sehen halt nur das Äussere. Und wenn sie das an mir nicht mögen, hinterlassen sie einen hasserfüllten Kommentar. Dafür habe ich kein Verständnis.

Glaubst du, dass solche Hate-Kommentare unsere psychische Gesundheit beeinflussen?
Ja, ich denke schon, dass das einen negativen Einfluss haben kann. Ich habe aber das Glück, viel mehr positive als negative Kommentare zu bekommen. Es wäre nicht gut für mich, ständig Hate zu lesen.

Auf Insta zeigst du dich meistens stark geschminkt. Trägst du dieses Styling auch im Alltag?
Nein, für die Arbeit schminke ich mich nicht. Schminken ist ein Hobby für mich, aber ich fühle mich auch ohne Make-up wohl. Im Alltag muss ich nicht so aussehen wie auf Insta.

Wie stehst du zu retuschierten Fotos?
Für mich persönlich muss es in einem gesunden Mass sein. Aber wenn jemand sein ganzes Gesicht retuschieren will, dann soll die Person das machen – man soll einfach dazu stehen.

Gibt es etwas, was deine Follower nicht von dir wissen?
Es gibt ganz viele Sachen, die meine Follower nicht wissen. Das, was man auf Insta sieht, ist immer authentisch, aber ich teile vielleicht 20 Prozent meines Lebens. Meine Privatsphäre ist mir wichtig, die 612’000 Leute müssen nicht alles wissen.

Kann man sich überhaupt vorstellen, wie viele Leute das sind – über 600’000?
Nein, überhaupt nicht. Ich war kürzlich auf einem Konzert und dort waren bei weitem nicht so viele Menschen. Und da habe ich mir schon gedacht, dass es unglaublich viele sind.

Womit verbringst du neben Job und Insta deine Zeit?
Ich singe gern und habe auch mal Gesangsunterricht genommen. Auf Insta habe ich auch schon Videos davon geteilt, aber für die Bühne wäre ich zu schüchtern.