Mirjam Jäger in Nordkorea

01. November 2019 12:09; Akt: 01.11.2019 20:37 Print

«Ich will nicht wegen des Tattoos verhaftet werden»

Kein Handy, keine Kreditkarte, kein Kontakt zu Sohn Louie: Für einen Dok-Film über Sport in Nordkorea begab sich Ex-Freestylerin Mirjam Jäger ins Abenteuer ihres Lebens.

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Eine Reise nach Nordkorea will von langer Hand geplant sein. Eigentlich. In Mirjam Jägers (36) Fall kam das Angebot jedoch äusserst spontan. Der TV-Sender Olympic Channel fragte die einstige Ski-Freestylerin telefonisch für einen Dokumentarfilm über Sport in Nordkorea an – nur wenige Tage vor dem Abflug im April. «Ich sagte trotzdem sofort zu», sagt die heutige Moderatorin im Gespräch mit 20 Minuten.

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Die knappen Vorbereitungen

«Als ich das Telefon weglegte, musste ich dann schon leer schlucken. Hab ich jetzt da wirklich gerade Ja gesagt?», schildert Jäger. «Aber so eine Chance bekomme ich nie wieder.»

Bis kurz vor Abflug in den diktatorisch regierten Staat sei ihre Teilnahme dann auf der Kippe gestanden – wegen ihrer Tattoos und pinkfarbenen Haare, die sie zum damaligen Zeitpunkt trug. «Wir haben hin- und hertelefoniert, um sicherzugehen, dass ich einreisen kann», so Jäger. «Ich will ja nicht wegen meines religiösen Kreuztattoos verhaftet werden.»

Der bedrohliche Hinflug

Schon der kurze Flug vom Zwischenstopp Peking aus nach Pyongyang habe sich als Challenge entpuppt. «Kurz nach dem Start fuhren die Bildschirme runter und uns wurde die Zündung einer Bombe gezeigt.» Eineinhalb Stunden lang hätten sie darauf Militärpropaganda vorgeführt bekommen. «Das fährt voll ein.»

Die zensierten Dreharbeiten

Während des gesamten Aufenthalts wurde die Filmcrew von zwei Guides begleitet. «Sie führten uns herum und bestimmten, was wir zu sehen bekommen. Und was nicht.» Alle drei Tage wurde zudem das Videomaterial kontrolliert. Mirjam Jäger: «Wir verliessen das Land mit ausschliesslich abgesegnetem Inhalt.»

Der aussergewöhnliche Aufenthalt

Das Hotel war komplett leer, als sie eincheckten. «Wir kamen alle auf separaten Etagen unter. Niemand wusste, warum.» Auch im Eisstadion, Zoo und in Restaurants hätten sie kaum jemanden angetroffen. «Das ist schon schräg. Und man weiss bis zum Ende nicht, ob das repräsentativ ist.»

Die Crew reiste zudem mit einer grossen Summe Bargeld. Grund: In Nordkorea gibt es weder Kreditkarten noch Bancomaten. Zudem kein Handynetz: Smartphones und Laptops hatten alle vorgängig in Peking deponiert. Für Mirjam Jäger bedeutete das, während über einer Woche keinen Kontakt zu Sohn Louie (2) und Partner Rafael Beutl (34) zu haben.

«Ein einziges Mal konnte ich vom Hotel aus zu Hause anrufen», sagt sie. «Aber ich habe Rafa nicht erreicht.» Sie weiss: Die Telefonate wären ohnehin abgehört worden.

Es sei «sehr speziell», so lange abgeschottet zu sein. Trotzdem konnte sie dem Umstand durchaus Positives abgewinnen: «Es hat auch gutgetan, mal nicht ständig aufs Smartphone schauen zu müssen.»

Der eigentliche Marathon

Hauptplot des Films ist die Teilnahme am Mangyongdae Prize International Marathon – dem einzigen Sportevent in Nordkorea, an dem auch ausländische Athletinnen und Athleten teilnehmen dürfen. Mimi Jäger lief die 10-Kilometer-Route mit – ein grosses Erlebnis, wie sie sagt. Das ganze Stadion habe gebebt, alle hätten ununterbrochen in die Hände geklatscht. «Und die Leute am Strassenrand haben uns die ganze Zeit zugewinkt. Noch nie haben sie so viele Ausländer aufs Mal gesehen.»

Das persönliche Fazit

Sie sei mit vielen Fragen eingereist. «Und bin mit noch mehr Fragen wieder heimgekehrt», sagt Jäger. Es sei frustrierend, so wenig über die Zustände dort zu wissen. «Eigentlich gehe ich den Dingen gern auf den Grund.»

Der Film «Running in North Korea» ist auf dem Olympic Channel oder auf Swisscom TV zu sehen. Den Trailer gibts hier:

(kfi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Teller Rand am 01.11.2019 17:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Studienreisli

    Huiii, das wäre doch mal was. All die Schweizer Jammeris in ein Flugzeug und ab nach Nordkorea. Bewusstseinserweiterne Studienreise zum Thema Freiheit und Armut.

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  • Robert Beck am 01.11.2019 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Hmm

    Natürlich gibt es dort ein Handynetz. Nur keine Verbindung nach draussen.

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  • heneli am 01.11.2019 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Karriere steht über allem

    Keine Ahnung wie man auf die Idee kommt in eine Diktatur zu reisen, egal ob man da für sich Propaganda machen kann.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Magnola porfido mit Hund Melissa am 02.11.2019 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Gruß aus Süditaliens Bari

    Stolz kannst du sein für das was du tust. es braucht auch Mut nach Korea einreisen , und eine Woche keinen Kontakt für Ihre Lieben . Brava e saluti da Bari italy

  • Silver Back am 02.11.2019 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In Nordkorea gibt es

    sogar ein ganz gutes Handynetz, aber aus nachvollziehbaren Gründen mit anderen Frequenzen und SIM Karten.

  • M. Graf am 02.11.2019 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Um jeden Preis wichtig machen

    Nordkorea kennt wohl jeder aus den Medien. Man weiss was dort geschieht und einem passieten kann. Die Dame will sich nun nur wichtig machen und ihre Story für teures Geld verkaufen. Sehr beschämend

  • Talk Talk Talk am 02.11.2019 08:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Land voller Promis, Infulänzer & Co.

    Mirjam Jäger? Ehhh kann mir jemand helfen? Und übrigens, seit wann ist man durch das tragen eines Tattoos gleich Prominent?

  • Swiss Runner am 01.11.2019 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Me too!

    Ich habe 2007 das Gleiche gemacht, bin den vollen Marathon gelaufen auf Einladung der nordkoreanischen Regierung. Es war bis heute das Abenteuer meines Lebens und es lief so ab wie im Artikel beschrieben. Von Peking aus begibt man sich in eine Zeitmaschine, die einen ca. 60 Jahre früher in Pyongyang wieder ausspuckt. Eindrücklich. Unheimlich. Schockierend.