Musikerin Moo Malika

17. Mai 2019 12:42; Akt: 22.05.2019 14:36 Print

«Ich sehe das Tourette als Geschenk»

von Michelle Muff - Die Bernerin lebt seit ihrer Kindheit mit dem Tourette-Syndrom. Beim Musikmachen stört es sie nicht mehr – im Gegenteil.

Über ihre Erkrankung hat Moo Malika sogar einen Song geschrieben. (Video: Michelle Muff)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Moo, wann hat sich das Tourette bei dir bemerkbar gemacht?
Als ich vier war. Nach drei Schritten musste ich mich immer zwanghaft drehen, gab komische Geräusche von mir und hatte oft Krampfanfälle.

Umfrage
Von wo kennst du Moo Malika?

Was habt ihr dann gemacht?
Ich wurde untersucht – die Ärzte vermuteten einen Hirntumor. Ich musste ins MRI. Die Diagnose: kein Tumor, aber das Tourette-Syndrom.

Wie bist du damit umgegangen?
Als Teenager hatte ich eine schlimme Phase, die auch die Krankheit veränderte. Ich geriet in ein schlechtes Umfeld und nahm eine Zeit lang Drogen. Dadurch verschwanden meine Tou­rette-typischen Ticks.

Wann kehrte die Krankheit zurück?
Als ich mit den Drogen aufhörte. Ich suchte erneut verschiedene Ärzte auf und bekam zum zweiten Mal eine Tourette-Diagnose.


Das Musikvideo zu «You!» (Quelle: Youtube/profimediaTV)

Wie äussern sich denn deine Ticks?
Manchmal erhalte ich zum Beispiel plötzlich den Impuls, etwas mit meinem Auge zu machen, was sich in Form von kurzzeitigem Schielen äussert. Ich habe auch noch andere Ticks, jedoch gelernt, damit umzugehen. Inzwischen merkt mein Gegenüber nicht einmal in einem Face-to-Face-Gespräch, wenn ich ticke.

Wie bekommst du das hin?
Ich habe gelernt, gelassener zu sein. Damit werden die Ticks seltener. Ich merke inzwischen auch, wenn sich ein Impuls anbahnt. Dann kann ich ihn kaschieren: Wenn ich schielen muss, kratze ich währenddessen im Auge. Bis Betroffene diese Tricks beherrschen, ist aber oft jahrelanges Training nötig.


Moo Malikas Song «Bigger Than». (Quelle: Youtube)

Beeinflusst es deine Musik?
Auf jeden Fall. In meinem Hirn läuft etwas anders. Dadurch bin ich viel verbundener mit der Musik. Deswegen sehe ich das Tourette irgendwie auch als Geschenk.

Gab es einen Auftritt, bei dem dich das Syndrom verunsicherte?
Ja, ich war mal zu einem einstündigen TV-Interview eingeladen. Es war live. Da dachte ich mir: «Shit.» Das war der Tag, an dem ich zum ersten Mal eine dieser Tabletten genommen habe, die mir der Arzt verschrieben hatte. Ich hatte dann keine Ticks, aber ich war nicht ich selbst. Man fühlt sich dann wie im Nebel.

Billie Eilish spricht ebenfalls offen über ihr Tourette. Was hältst du davon?
Seither finde ich sie sogar noch cooler. Es macht sie authentisch. Und es ist wichtig, dass die Leute realisieren, dass man auch mit oder eben gerade wegen dieser Diagnose durchstarten kann.