Betteln via Facebook

24. August 2015 18:33; Akt: 24.08.2015 18:33 Print

Sorya hebt Crowdfunding in neue Dimension

von Lorena Sauter - Mittels Crowdfunding ergattern sich immer mehr Musiker finanzielle Unterstützung. Auch Guillermo Sorya, der sich neuerdings Oskaar nennt, will Geld – aber via Facebook.

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Ob The Bianca Story, Pablopolar oder Anna Rossinelli – zahlreiche Künstler setzen auf Crowdfunding. Kurz: Sie rufen im Internet zu finanzieller Unterstützung eines konkreten Projekts auf. Als Gegenleistung bekommen die Kapitalgeber je nach Betrag diverse Goodies – etwa eine Gratis-CD. Der Zürcher Musiker Oskaar (früher Guillermo Sorya) hebt den Spendenhype via Internet nun in eine neue Dimension: Der 32-Jährige bittet in einem Facebook-Post seine Freunde, ihn mit jeweils 150 Franken zu unterstützen.

«Ich bin auf der Suche nach etwas finanzieller Unterstützung, um mein neues CD-Projekt zu realisieren. Ich produziere gerade eine EP mit drei Songs, drei Remixes und drei Videoclips, was alles einen Haufen Geld kostet, das meiste konnte ich aufbringen, aber ich bin noch auf der Suche für ‹Song-Paten›, um die Mixing-/Mastering-Kosten zu bezahlen», schreibt Oskaar.

«Bisher war ich immer zu stolz dazu»

20 Minuten erreicht ihn in Los Angeles. Seit einigen Wochen realisiert er in den USA seine EP und Videoclips. «Bisher habe ich alles selber finanziert. Jetzt merke ich aber, dass die Umsetzung teurer zu stehen kommt, als gedacht», sagt der Musiker. Der Spendenaufruf sei ihm nicht leicht gefallen: «Bisher war ich immer zu stolz dazu.» Doch er meint: «Ich will nichts Halbpatziges machen. Und das kostet.» Im Zeitalter von Streaming und Gratis-Downloads hätten die Leute vergessen, dass die Musiker Geld nicht einfach streamen und downloaden könnten. «Crowdfunding finde ich eine gute Möglichkeit, damit sich Musikliebhaber dessen Wert bewusst werden.»

Facebook geht schneller als offizielles Crowdfunding

Anders als seine Kollegen ist Oskaar aber auf keiner offiziellen Crowdfunding-Seite registriert. Bloss ein Post soll die finanzielle Lücke schliessen. Warum? «Weil es persönlicher ist und schneller geht», erklärt er. Im Gegensatz zu offiziellen Crowdfunding Projekten ist Oskaars saloppe Spenden-Aktion weder an eine Frist noch an einen zu erreichenden Betrag gebunden, der zu leistende Geldzustupf liegt fix bei 150 Franken und schriftlich festgehalten ist nichts.

Oskaar findet das nicht problematisch. Nicht zuletzt, weil er ja ebenfalls Gegenleistungen wie gemeinsame Nachtessen oder Gratis-Konzerte bieten würde. Und: «Die 150 Franken waren eine grobe Rechnung meinerseits: 500 Franken pro Song. Beteiligen sich jeweils drei Leute an einem Lied, ergibt das je 150», rechtfertigt er die vergleichsweise hohe Summe.

«Es ist der Wahnsinn»

Ob der anerkannte Weg nun besser, glaubwürdiger und vertrauensvoller wäre oder nicht: Die Rückmeldungen geben dem Kreativ-Kopf recht. Innerhalb weniger Stunden hat Oskaar laut eigenen Aussagen schon ein Dutzend Zusagen inklusive IBAN-Anfrage bekommen. «Es ist der Wahnsinn. Ich freue mich riesig.» Es scheint, als ob nichts mehr schiefgehen könnte. Nächsten Freitag schon soll Oskaars Single «Never Met You» erscheinen.