Tina Umbricht erklärt Insta-Pause

18. Oktober 2018 12:23; Akt: 18.10.2018 12:23 Print

«Ich leide seit Jahren an Depressionen»

von Schimun Krausz - Während sie bei DSDS mitmachte und knapp 19'000 Instagram-Fans um sich scharte, kämpfte Tina Umbricht stets mit Depressionen. Zum ersten Mal spricht die Aargauerin darüber.

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Eigentlich hätte Tina Umbricht ihren Followern, Freunden und Bekannten per Youtube-Video erklären wollen, warum sie seit knapp einem halben Jahr nichts oder fast nichts von sich hatte hören lassen. Die Technik streikte jedoch und so packte die 19-Jährige alles, was sie zu sagen hatte, in zehn Instagram-Posts. «Seit ich 14 bin, leide ich an Depressionen», begründet sie ihre Social-Media-Abstinenz und Zurückgezogenheit. Den mutmasslichen Auslöser nennt sie ebenfalls. «Als ich vier oder fünf Jahre alt war, wurde ich sexuell belästigt.» Den betreffenden Mann zeigte sie vor einigen Monaten an und beschäftigte sich deswegen wieder so intensiv mit dem Thema, dass sie noch tiefer in das Loch gefallen ist, in dem sie sich sowieso schon befand, wie sie im Gespräch mit 20 Minuten sagt. Dort rausgeholfen haben ihr Ablenkung und das Öffnen gegenüber den engsten Freunden, der Familie – und Kusi (21, Foto), der seit einem halben Jahr an ihrer Seite ist und mit dem sie kürzlich auch in den Ferien war. «Du bist der Mann, den ich für immer lieben werde», schreibt sie auf Insta. Uns sagt sie über ihren Freund: «Er ist die einzige Person, die mich wirklich trösten kann. Er hört mir immer zu und hilft mir.» Auch als Tina 2015 bei «Deutschland sucht den Superstar» begeisterte – sie schaffte es in den Recall –, lauerten die Depressionen im Hintergrund. Die Musik machte ihr aber Spass, auch wenn es mit eigenen Liedern nicht wirklich klappen wollte, wie sie auf Instagram schreibt. Ob und wann sie als öffentliche Person Tina Umbricht auf Social Media zurückkehren wird, weiss sie noch nicht und lässt es auch offen: «Es passiert dann, wenn ich wieder Lust darauf habe.» Ab Freitag ist Tina kein Teenie mehr: Sie feiert ihren 20. Geburtstag. Konkrete Partypläne gibt es keine – «aber vielleicht mache ich etwas mit meiner besten Kollegin und meinem Freund».

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«Es tut mir leid, dass ich einfach weg war», schreibt Tina Umbricht am Dienstagabend zu einem Instagram-Foto. Es folgen zehn weitere Posts, in denen die 19-jährige Aargauerin erklärt, warum sie in den letzten vier, fünf Monaten nichts von sich hat hören lassen und sich auch bei engen Bekannten nicht gemeldet hat.

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Alle anderen Posts auf ihrem von fast 19'000 Followern abonnierten Insta-Account hat sie gelöscht. Die öffentliche Person Tina Umbricht, die 2015 bei «Deutschland sucht den Superstar» im Recall war und ihre Community seither mit Gesangsvideos unterhielt, existiert nicht mehr. Zumindest im Moment. Der Grund: Tina leidet seit Jahren an Depressionen.

Sexuelle Belästigung als Auslöser

Vor einigen Monaten wurde es besonders schlimm, sagt sie im Gespräch mit 20 Minuten: «Ich habe jemandem von der sexuellen Belästigung in meiner Kindheit erzählt, und dann ist alles wieder hochgekommen.» Sie sei vier oder fünf Jahre alt und er ein Freund der Familie gewesen.

Vor kurzem habe sie ihn angezeigt, trotzdem habe es sie aufgefressen. «Ich verstrickte mich immer mehr in diesen Gedanken. Dazu kamen Probleme in der Schule», erzählt sie, «ich fiel immer tiefer in ein Loch und fand nichts, woran ich mich festhalten konnte. Wenn ich allein war, habe ich sogar über Suizid nachgedacht.»

Heilung durch neue Liebe

Tina beschloss, zu handeln. Sie meldete sich von Social Media ab, weil sie die Fassade einer heilen Welt nicht mehr aufrechterhalten wollte. Sie nahm sich Zeit für sich selbst. Und sie vertraute sich einigen ausgewählten Menschen an, darunter ihren besten Kolleginnen und ihrer Familie. Und vor allem ihrem neuen Freund.

«Wir kennen uns seit einem Jahr und sind seit einem halben zusammen», verrät sie über ihre Beziehung mit dem 21-jährigen Kusi, «er ist die einzige Person, die mich wirklich trösten kann. Er hört mir immer zu und hilft mir – egal, was ich für ein Problem habe.»

Auf Instagram beschreibt sie ihn gar als ihren Seelenverwandten – und merkt gleich an, wie kitschig das klingt. Im Gespräch aber ist herauszuhören, dass sie wirklich meint, was sie schreibt.

Social-Media-Rückkehr ungewiss

Professionelle Hilfe hat sich Tina noch keine gesucht. «Ich möchte es zuerst ohne probieren.» Es gehe ihr aber schon viel besser, sagt sie. Um nichts zu riskieren, hat sie sich bereits wieder von Insta abgemeldet. «Ich komme dann zurück auf Social Media, wenn ich wieder Lust dazu habe.»

Wichtiger sei, psychisch so gesund wie möglich zu werden und ihre Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau abzuschliessen – sie ist im zweiten Lehrjahr. Und danach? «Mal schauen, vielleicht die Schauspielschule?»

Zuerst steht am Freitag aber ihr 20. Geburtstag an. Etwas Spezielles geplant habe sie nicht. «Aber um 17 Uhr bin ich fertig mit Arbeiten. Dann mache ich vielleicht etwas mit meiner besten Kollegin und meinem Freund.»