Schönheit ohne Quoten

27. September 2011 15:23; Akt: 27.09.2011 15:44 Print

Wird die Miss Schweiz ohne SF bedeutungslos?

Die Miss-Wahlen stehen beim Schweizer Fernsehen vor dem Aus. Wie geht es danach weiter mit der Marke Miss Schweiz? Ist ihr Niedergang damit besiegelt? Ein Pro und Kontra.

Bildstrecke im Grossformat »

Ist Alina die letzte Miss Schweiz, deren Krönung das Schweizer Fernsehen übertragen hat?

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die dürftige Quote von knapp 25 Prozent am Samstagabend könnte das Aus der Miss-Wahl beim SF bedeuten. TV-Insider gehen davon aus, dass es längst beschlossene Sache ist, dass das SF den Stecker zieht. Das Schweizer Fernsehen will diese Gerüchte gegenüber 20 Minuten Online noch nicht bestätigen. «Die Verantwortlichen von SRF, RSI und RTS werden das Thema in den nächsten Tagen zusammen besprechen und das weitere Vorgehen definieren», sagt SRF-Sprecher Marco Meroni zu 20 Minuten Online. Doch wie geht es weiter mit der Marke Miss Schweiz, falls das Schweizer Fernsehen die Wahl-Show absetzt? In der Redaktion von 20 Minuten Online sind die Meinungen gespalten.


People-Redaktorin Isabelle Riederer: «Das Schlachtschiff bleibt auf Kurs»

Die Miss Schweiz ist das schöne Flaggschiff unserer Nation, von null auf hundert, von der Provinz auf den Laufsteg. Hunderte Mädchen träumen davon Prinzessin zu sein, einmal im Jahr geht dieser Traum für eine in Erfüllung. Doch nun sollen der Miss Schweiz stürmische Zeiten bevorstehen. Nach der letzten Wahl stellt das Schweizer Fernsehen eine zukünftige Übertragung in Frage. Ein Desaster? Nicht unbedingt. Die Marke Miss Schweiz ist keine leichte Nussschale, eher ein schwerbeladenes Schlachtschiff, das so schnell nicht ins Schwanken kommt. Vielleicht wird der eine oder andere Sponsor mit seinem Scheckbuch das Weite suchen, doch dann stehen schon die nächsten bereit.

In der Schweizer Promilandschaft gehört die Miss auf jeden roten Teppich, keine Premiere ohne ihre Anwesenheit. TV-Übertragung hin oder her, die Präsenz der Miss Schweiz generiert Aufmerksamkeit. Andere Schweizer Promis aus der Cervelat-Abteilung erzielen eher den gegenteiligen Effekt. Das wissen auch die Organisatoren und zeigen sich vom drohenden Fernseh-Aus sichtlich unbeeindruckt. Ein absolutes TV-Aus wird es ohnehin nicht geben, irgendein Spartensender wird sich der Live-Übertragung gerne annehmen. Aber auch dort werden die Quoten nicht durch die Decke schiessen, was nicht an der Miss an sich liegt, sondern an der Show.

Die Show und die Miss Schweiz sind zwei verschiedene Paar Stöckelschuhe. Während die Live-Übertragungen in den letzten Jahren wegen peinlichen Pannen und provinziellen Klischees durch den Kellerboden fielen, steigerte die Miss von Jahr zu Jahr ihren Marktwert und verdiente sich eine goldene Nase. Die Miss Schweiz ist nach wie vor ein lukratives Geschäft, ob für die Organisatoren, für die Sponsoren oder die Gekrönte selbst – daran wird ein TV-Aus nichts ändern. Die Miss Schweiz interessiert, sie ist Identifikationsfigur und Werbegesicht, auch in stürmischen Zeiten wird sie ihren Kurs weiterfahren und einen sicheren Hafen anlaufen.


People-Redaktor Niklaus Riegg: «Es droht ein Teufelskreis»

Wer ist die aktuelle Miss Germany? Wie heisst die Miss UK? Und wer ist die offiziell schönste Frau Frankreichs? Sie wissen es nicht? Das geht vielen Deutschen, Briten und Franzosen genau gleich. In keinem Land hat die Miss so einen Status wie in der Schweiz. Hier ist sie ein A-Promi. Und das nicht nur im Amtsjahr – sondern auch als Ex-Miss. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Wahl vom Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wird. Dadurch kennen nicht nur bereits bei der Krönung Hunderttausende das Gesicht der neuen Miss: Das SF verleiht der Wahl auch etwas Ernsthaftes und Seriöses.

Wenn das öffentlich-rechtliche TV aussteigt, droht der Marke Miss Schweiz ein Abstieg auf das Niveau der europäischen Parallel-Organisationen. Denn die eigentliche Kernkompetenz und –aufgabe der hiesigen Schönheitskönigin unterscheidet sich ja nicht gross von der ihrer Kolleginnen: Autogrammstunden, Shoperöffnungen, Shootings.
Der grosse Unterschied: Die Sponsoren sind hierzulande weitaus potenter. Und diese profitieren auch von der Strahlkraft des Schweizer Fernsehens. Vögele durfte am Samstag ziemlich erfreut gewesen sein, seine Schuhe während fast zwei Stunden prominent im Abendprogramm platzieren zu können. Die gleiche Platzierung auf einem kleineren Privatsender oder einem Regionalsender wäre mit Sicherheit weniger wert – und damit weniger gefragt.

Die Marke Miss Schweiz droht in einem Teufelskreis zu versinken. Wenn sie nicht mehr beim SF präsent ist, dürften die grossen Sponsoren abspringen. Damit gehen auch die Shootings mit grosser Reichweite verloren. Der Bekanntheitsgrad der Schönheitskönigin sinkt und damit das Interesse der grossen Medien. So wird die Marke für die Sponsoren noch uninteressanter. Und so weiter und so fort. Irgendwann werden sich die Schweizer fragen: Wer ist eigentlich gerade Miss Schweiz?

Was ist Ihre Meinung? Hat die Marke Miss Schweiz nach einem Aus beim Schweizer Fernsehen noch eine Chance? Diskutieren Sie mit.

(Isabelle Riederer/Niklaus Rieg)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roli am 27.09.2011 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant ?

    Das wär doch echt schlimm wenn man das verbannen würde. Der Gehalt und die Wichtigkeit solcher Anlässe ist nicht zu unterschätzen ...... Man nehme das Beispiel wenn in China ein Sack Reis umfällt .... ist das etwa ohne Bedeutung???

  • Hansueli Gantenbein am 27.09.2011 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Bedeutung

    hatte diese Misswahl denn je eine Bedeutung ? Das SF zielt doch schon seit Jahren am "Publikum" vorbei.

  • Georgio am 27.09.2011 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Verschlankung der Aufgaben und Angebote

    Es wird immer von der Politik behauptet, es brauche das SF für die Meinungsbildung zu Abstimmungen usw. Deshalb der Service Public. Und ja, damit bin ich einverstanden. Aber dann soll sich das SF auch darauf konzentrieren. Nachrichten, Infos aus Gesellschaft, Wirtschaft & Politik mit gut recherchierten Hintergrundberichten und ... that's it. Das alles in 3 Sendern in 3 Landessprachen. Dadurch sparen wir massenweise Gebühren und alle anderen Sendersparten haben die privaten / ausländischen sowieso besser im Griff. Ach ja, die Werbung könnte man sich dann auch schenken.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Danny am 03.10.2011 01:07 Report Diesen Beitrag melden

    Bleibt uns Miss France und Miss Italia!

    Ich weiss sogar als Schweizerin, wer Miss France ist oder Miss Italia, Wahlen, die man nicht übersehen kann. Die Wahl der Miss Italia wird an mehreren Abenden übertragen, ein Mega-Event! Jedes hübsche junge Mädchen hat irgendeinmal geträumt Miss Schweiz zu werden und wir haben Spass beim zusehen, also bitte weitermachen!

  • norrin radd am 28.09.2011 18:44 Report Diesen Beitrag melden

    langweilig

    überall werden irgendwelche Misswahlen aus dem Boden gestampft,wems gefällt,bitte. Ich jedenfalls finde solche Veranstaltungen zum einschlafen...

  • Josef am 28.09.2011 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Gejammer

    Ich verstehe das Gejammer wegen der Misswahl nicht. Nur 25%? Wenn man die SF Einschaltquoten anschaut, sieht man, dass nur die Tagesschau und Meteo die höheren Quoten erreichen. Da kann man doch gerade den ganzen Sender privatisieren und uns von den lästigen TV Gebühren befreien.

  • Mirco am 28.09.2011 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Miss Molly

    Ersetzt die Sendung bitte durch die Miss Molly Wahl.

  • Mike am 28.09.2011 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Was für eine Frage...

    Wird???? Es IST bedeutungslos!