Hooligan-Schlacht in Basel

15. Februar 2020 13:13; Akt: 17.02.2020 07:52 Print

«Am Boden mit Schlägen und Tritten eingedeckt»

Zürcher und Karlsruher Hooligans überfielen im Mai 2018 gemeinsam die Basler Muttenzerkurve. 14 der beteiligten Schläger wird jetzt der Prozess gemacht.

Leser filmten die Strassenschlacht zwischen den Basler und den Zürcher Hooligans am 19. Mai 2018. (Video: Leser-Reporter)
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Die Bilder der Strassenschlacht in Basel schockierten die Schweiz. Am späten Abend des 19. Mai 2018 überfielen Zürcher Hooligans Fans des FC Basel, die nach dem letzten Saisonspiel gegen den FC Luzern friedlich miteinander feierten. Bis ein Mob von rund 40 Anhängern des FC Zürich, des Grasshopper Clubs Zürich und des Karslruher SC mit einer geplanten Attacke die Feier jäh beendete.

An der daraus resultierenden brutalen Strassenschlacht waren bis zu 90 Personen beteiligt. Zehn Zürcher, zwei Karlsruher und zwei Anhänger des FC Basel stehen am Montag wegen ihrer Beteiligung an den Ausschreitungen vor dem Basler Strafgericht. Der Monsterprozess ist auf über zehn Tage angesetzt. Die Anklage zeichnet den Gewaltexzess jener Nacht minutiös nach.

Opfer blieben regungslos liegen

Um ca. 23 Uhr traf der gewaltbereite Mob in Basel ein und versammelte sich einige hundert Meter von den Feierlichkeiten der Basler entfernt. Sie kleideten sich mit weissen T-Shirts mit der Aufschrift «ZKH» ein und bereiteten den Überfall vor. Die Abkürzung steht für «Zürichs kranke Horde», eine berüchtigte Schlägertruppe. «Teils ausgerüstet mit Quarzhandschuhen, Zahnschutz, Bandagen zum Eigenschutz und Sturmmasken bewegte sich der vor Hass strotzende und auf Revanche für vergangene Auseinandersetzungen pochende Mob in Richtung Eventplattform», heisst es in der Anklage.

Die Basler waren völlig überrascht vom Angriff. Diverse Fans wurden niedergeschlagen und sogar «am Boden liegend mit Faustschlägen und Tritten eingedeckt». Laut Anklage blieben mehrere Opfer nach dem Angriff regungslos am Boden liegen.

Von Baslern in die Flucht geschlagen

Die zahlenmässig überlegenen Basler formierten sich aber rasch zum Gegenschlag und konnten den Zürcher Mob zurückdrängen und in die Flucht schlagen. «In der Lehenmattstrasse rannte die Zusammenrottung der sich zurückziehenden Zürcher Anhänger, sofern sie denn trotz der erhaltenen Schläge und Tritte noch zur Flucht fähig war, zu ihren parkieren Autos», schildert die Anklage die tumultartigen Ereignisse, die auch durch Leser-Videos dokumentiert sind.


Zürcher Hooligans werden von Basler Ultras am 19. Mai 2018 in der Redingstrasse zurückgedrängt. (Video: Leser-Reporter)

Die Basler schlugen mit Gegenständen auf die Fahrzeuge der Zürcher ein. Einen Jeep Cherokee beschädigten sie schwer: Mit einem Vauban-Gitter zertrümmerten sie dessen Frontscheibe. Der Lenker setzte rückwärts zur Flucht an und kollidierte dabei mit mehreren parkierten Fahrzeugen.

Einschlägige Vorstrafen

Mehrere der angeklagten Zürcher Hooligans, die mehrheitlich zwischen Anfang 20 und Mitte 30 sind, haben schon einschlägige Vorstrafen. Ein 24-jähriger Syrer etwa wurde schon wegen Landfriedensbruchs und Beschimpfung verurteilt. Das hielt ihn nicht davon ab, weiterhin notorisch zu delinquieren. So attackierte er im August 2018 einen Mann in Zürich auf offener Strasse, weil er eine «Scheiss-Schwuchtel» sei. Im Februar 2019 griff er zudem im Vorfeld des Spiels des FC Zürich gegen den SSC Napoli Polizisten an.

Die Strafanträge der Staatsanwaltschaft sind noch nicht bekannt. Sie wird diese erst im Rahmen der Plädoyers an der Hauptverhandlung stellen. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

(lha)