Nein zu Verbot von Homo-Heilungen

03. Oktober 2019 04:52; Akt: 03.10.2019 09:15 Print

«Antwort des Bundesrats macht uns sprachlos»

Basel-Stadt und Nationalräte wollen ein bundesweites Verbot für Homo-Heilungen. Der Bundesrat ist dagegen, obwohl es nachweislich Fälle in der Schweiz gibt.

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Die Regierung des Kantons Basel-Stadt verurteilt in einer Stellungnahme Behandlungen, die zum Ziel haben, Menschen von Homosexualität zu «heilen». Zudem will sie sich auf Bundesebene für ein Verbot einsetzen, weil ein solches im Strafrecht voraussichtlich eine «wichtige Signalwirkung» hätte.

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Sollten Konversionstherapien verboten werden?

Auch Stadtentwickler Lukas Ott unterstützt diese Haltung: «Ein Verbot würde den Behörden den Auftrag geben, solche Machenschaften zu untersuchen, und es würde Sanktionen ermöglichen, die es heute nicht gibt», sagt er gegenüber der «bz Basel».

Kein Erfolg, viele Schäden

Die Regierung begründet ihr Ziel damit, dass keine seriöse Studie bisher nachgewiesen habe, dass sich die sexuelle Orientierung von Menschen durch Therapiemassnahmen ändern lasse. Hingegen gebe es eine grosse Anzahl von Untersuchungen, die von schädlichen Nebenwirkungen wie Depressionen, Angstzuständen und Suizidalität berichteten.

Was sich in diesem Zusammenhang hinter dem Wort Therapie verbirgt, ist oft mit viel Leid verbunden. Erst kürzlich geriet EVP-Ständeratskandidatin Elisabeth Augstburger wegen Aussagen über die Heilbarkeit von Homosexualität in die Schlagzeilen. Als 20 Minuten sie mit den Details solcher Behandlungen konfrontierte, ruderte Augstburger zurück.

Bundesrat will kein Verbot

Ein Verbot von «Homo-Heilungen» an Kindern und Jugendlichen auf Bundesebene wird demnächst im Nationalrat bearbeitet. Rosmarie Quadranti (BDP) will mittels einer im Juni eingereichten Motion den Bundesrat damit beauftragen, Konversionstherapien zu verbieten.

In der Zwischenzeit hat sich der Bundesrat zum Begehren geäussert. Die Antwort der Landesregierung lässt sich in zwei Punkten zusammenfassen: Die vorhandenen Mechanismen seien ausreichend, um Kinder und Jugendliche zu schützen. Zudem sei es nicht möglich, die Therapien zu verbieten, weil es keine bereichsspezifischen Gesetzgebungen gebe, in die das Verbot integriert werden könne. Deshalb hat der Bundesrat die Motion zur Ablehnung empfohlen.

Es herrscht Sprachlosigkeit

«Ich bin sprachlos, dass der Bundesrat noch immer keinen Handlungsbedarf erkennt», sagt Roman Heggli, Sprecher der LGBTIQ-Organisation Pink Cross Schweiz. Auch er ist der Meinung, dass ein Verbot eine wichtige symbolische Bedeutung hätte. «Vor allem Eltern, die überlegen, ihr Kind in eine solche Therapie zu schicken, wüssten dann, dass sie etwas Falsches tun», sagt er.

Dass das Gesetz nirgends unterzubringen sei, glaub Heggli nicht. Stattdessen attestiert er dem Bundesrat mangelnden politischen Willen: «Der Entscheid ist wohl den mehrheitlich konservativen Machtverhältnissen geschuldet», so Heggli.

Es gibt Fälle in der Schweiz

Heggli verweist auf einen Fall in Küssnacht am Rigi SZ. Die Zeitschrift «Gesundheitstipp» war im April bei einem «Schwulen-Heiler» bei einer Therapiesitzung anwesend und gab Einblick in seine Praktiken.

Daraufhin verfasste die Gruppe Queerpuzzles, die sich unter anderem für homosexuelle Jugendliche einsetzt, einen offenen Brief Regierung des Kantons Schwyz. Sie verlangt darin, dass dem Mann die Berufsausübungsbewilligung entzogen wird. Damit solche Fälle nicht mehr passieren, hofft Heggli, dass die Motion Quadranti trotz bundesrätlichem Nein im Parlament angenommen wird.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Köbi F. am 03.10.2019 06:24 Report Diesen Beitrag melden

    Alte Schule

    Die Schweiz wird von alten Menschen regiert. Darum erstaunt es mich nicht.

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  • Robert am 03.10.2019 06:36 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Erfolg, viele Schäden

    Aber unser Bundesrat ist trotzdem dagegen? Nicht sehr weit gedacht liebe PolitikerInnen! Leider keine Überraschung aus Bern.

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  • Jess am 03.10.2019 06:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wer zum Verbot nein sagt,

    Lebt im 15.Jahrhundert.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heidi Heidnisch am 03.10.2019 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Alt allein kann es nicht sein

    Alt sein allein ist ja nichts Schlechtes. Aber Unzufriedenheit, Verbissenheit, Ignoranz, Perversität bis hin zu Bösartigkeit, das ist schlimm. Leider findet sich dies auch bei jungen Menschen.

  • Klärchen am 03.10.2019 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wovon geheilt?????

    Homosexualität ist definitiv keine Krankheit, wie jemand auf die Idee kommt, davon geheilt werden zu müssen ist schon mal das erste Thema

  • Stirling am 03.10.2019 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krankheit

    Eine sexuelle Ausrichtung ist keine Krankheit und kann nicht behandelt werden. Also sollte man auch niemanden zu einer "Heilung" schicken. Rückständigkeit und negatives Gedankengut, könnte man eventuell therapieren.

  • Rolihündeler am 03.10.2019 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    Es sollte mittlerweile

    wirklich jedem klar sein, dass die sexuelle Orientierung nicht beeinflusst werden kann, schon gar nicht durch eine Therapie oder sonstige Massnahmen. Es scheint tatsächlich als lebten wir noch in einer Zeit in der man glaubt, das es sich um eine Krankheit handle. Hoffe, dass hier bei den Wahlen endlich etwas frischer Wind nach Bern kommt und die graue Eminenz ihren verdienten Denkzettel erhält.

  • Mike am 03.10.2019 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Lausige Begründung

    "Die Gesetzte würden genügen aber die Therapien können nicht verboten werden weil es keine bereichsspezifischen Gesetzgebungen gebe." Wem bei solchen Aussagen keine klaffende Lücke im System auffällt sollte wirklich nicht Politiker sein.