10 Jahre FHNW

12. Januar 2016 05:54; Akt: 13.01.2016 18:44 Print

«Arbeitswelt fordert mehr Kompetenzen»

Die FHNW hat innert zehn Jahren ihre Studentenzahl fast verdoppelt. Der Boom sei dem raschen Wandel der Arbeitswelt geschuldet, sagt Direktionspräsident Crispino Bergamaschi.

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FHNW Direktionspräsident Crispino Bergamaschi sieht das Ende des Booms bei den Studierendenzahlen gekommen. (Bild: zvg)

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Wie relevant ist die FHNW für die Bildungslandschaft in der Nordwestschweiz heute?
Crispino Bergamaschi: Ich denke, sie ist sehr relevant. Das hat verschiedene Gründe. Einerseits ist es die einzige kantonsübergreifende Bildungsinstitution in allen vier Kantonen und andererseits sind wir ein wichtiger Player mit über 11'000 Studierenden.

Vor zehn Jahren ging die FHNW aus vier bestehenden Fachhochschulen hervor, was sollte mit dieser Fusion erreicht werden?
Man wollte den Bildungs-, Innovations- und Wirtschaftsraum Nordwestschweiz stärken, indem man die neue Fachhochschule mit starker regionalen Verankerung und nationaler Ausstrahlung in praxisorientierter Ausbildung und anwendungsorientierter Forschung konzipiert. Das ist gelungen. Vor allem die nationale Ausstrahlung bei regionaler Verankerung – die Marke FHNW konnte man etablieren.

Zwei Drittel Ihrer Studierenden kommen via Berufsmatur zu Ihnen. Warum entscheiden sich so viele ausgebildete Berufsleute heutzutage für ein Studium an der FHNW?
Generell machen etwa 20 Prozent der Lernenden die Berufsmatur. Die habe in sich schon das Potenzial an eine Fachhochschule zu gehen. Eine grosse Rolle spielt auch der Druck der Veränderung in der Arbeitswelt, die immer mehr Kompetenzen einfordert, die man sich hier aneignen kann. Wir haben viele Lehrlinge, die eine Berufsmatur machen in der Nordwestschweiz und wir haben eine nationale Ausstrahlungskraft. Das zieht leistungsstarke Menschen mit Berufsmatur an, hier zu studieren.

Mittlerweile zählt die FHNW fast so viele Studenten wie die Universität Basel. Längst haben auch Maturanden ihre praxisnahen Studiengänge entdeckt. Läuft die Fachhochschule der Uni den Rang ab?
In keiner Art und Weise. Wir ergänzen uns komplementär. Studierende mit gymnasialer Matur studieren Fachgebiete, die es an Universität nicht gibt wie Musik, Soziale Arbeit, Kunst oder Pädagogik.

Die Fachhochschule kann noch keine Doktortitel vergeben. Stellen Sie dieses Monopol der Universitäten hierzulande infrage?
Nein, das stellen wir nicht infrage. Wofür wir aber einstehen, ist, dass begabte Absolventen die Möglichkeit haben, in ihrem spezifischen Fachgebiet an einer universitären Hochschule zu doktorieren. Da haben wir mit Uni Basel ein sehr gutes Einvernehmen und kooperieren seit Jahren. Wir haben auch gemeinsam mit der Uni das Institut für Bildungswissenschaften gegründet für Abgänger der Pädagogischen Hochschule. Auch im Bereich Life Sciences sind Doktorate möglich.

Auf dem Dreispitz konnte jüngst der Campus der Künste bezogen werden, in Brugg wurde ebenfalls ein neuer Campus eingeweiht, und in Muttenz befindet sich einer im Bau. Welche weiteren Projekte werden die kommenden zehn Jahre prägen?
Nach Muttenz planen wir kein Bauprojekt mehr, dann ist genug. Jetzt haben wir noch viele Projekte. Inhaltlich werden wir relevante Themen wie Alterung und Digitalisierung der Gesellschaft aufnehmen und mit Schwerpunkten und Projekten angehen.

Nicht nur im Baselbiet, auch in den Trägerkantonen Aargau und in Solothurn stehen klamme Kantonskassen weit oben auf der politischen Agenda. Macht Ihnen das Sorgen für die weitere Entwicklung der Fachhochschule?
Ich habe Verständnis, dass die Kantone ihre Finanzen im Lot halten müssen. Als Staatsbürger leuchtet mir das ein. Wir müssen aber nicht nur auf heute, sondern auch auf morgen schauen. Was macht uns auch noch in Zukunft kompetitiv? Da muss man investieren. Die Veränderung kommt immer schneller. Da lohnt es sich, in die duale Berufsbildung zu investieren. Ich bin deshalb überzeugt, dass es sich lohnt, in die Zukunft der FHNW zu investieren, um zukunftsfähig zu bleiben.

Vor zehn Jahren zählte die FHNW 6162 Studierende, heute sind es mit 11'268 fast doppelt so viele. Wird dieser Boom auch die kommenden zehn Jahre noch anhalten?
Es ist so, dass wir von einer Konsolidierung ausgehen. Dieses schnelle Wachstum wollen wir nicht mehr. Schon in vier Hochschulen haben wir Beschränkung der Studienplätze Musik, Gestaltung und Kunst, Soziale Arbeit sowie Angewandte Psychologie. In den nächsten Jahren werden wir nur noch moderat wachsen. Der Raum ist dann auch ausgeschöpft. Bei rund 15'000 ist etwa die Grenze erreicht. Zurzeit sind die Grenzen eher finanzieller als räumlicher Natur.

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Damian am 12.01.2016 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    Kompetente Chefs

    Ja genau, mehr Kompetenzen. Seit wir so viele gschtudierte und kompetente Chefs haben, hat sich das Arbeitsvolumen verdreifacht, der Gewinn ist um fast 30 Prozent eingebrochen und wir kommen vor lauter Überorganisation nicht mehr vom Fleck. Da lobe ich mir die Chefs, die sich von der Pike an hoch gearbeitet haben und in der Realität leben, statt aus Lehrbüchern zitieren.

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  • Lehrer am 12.01.2016 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    Unsinnige Bildungswege

    Man hat Berufslehren abgewertet und dafür FHs aus dem nichts erschaffen. Diese vermitteln zwar Wissen und Theorie aber häufig leider null Kompetenz. Warum man z.B. den Beruf der Pflegefachfrau/mann nur noch über einen solchen Weg erlernen kann ist genau so unsinnig wie die Abschaffung des Lehrerseminars. Die Folge: Überall fehlen qualifizierte Leute. Wir hatten eines der besten Systeme und haben es selber demontiert anstatt weiter zu entwickeln.

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  • Wischpapier am 12.01.2016 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    die Wirtschaft plaudert gerne

    Ist das die gleiche Arbeitswelt welche einen nach 35 nicht mehr anstellt, unabhängig der Kompetenzen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alina am 13.01.2016 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur Mist

    Meiner Meinung nach, streut die Wirtschaft uns Sand in die Augen. Die Wirtschaftsbosse lügen das sich sich die Balgen biegen, indem sie uns immer wieder weiss machen wollen, es herrsche ein "Fachkräftemangel" (dieses Wort kann ich nicht mehr hören). Die Berufswelt entwickelt sich in eine falsche Richtung. Niemand achtet mehr auf die Bedürfnisse und Interessen der kommenden Generationen. Diese ganze Weiterbildungen sind unnötig, denn es gibt Menschen die gerne einfach nur Maurer sind oder nur Krankenschwestern. Sicher, man muss sich immer weiter informieren, aber dafür bedarf es keiner Uni.

    • illi am 13.01.2016 20:09 Report Diesen Beitrag melden

      Bildung ist wichtig

      @Alina Eine Weiterbildung muss nicht an einer Uni geführt werden. Zudem man sollte das ganze Leben lang lernen, sich bilden. Es schadet nicht und tut dem Gehirn gut.

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  • Kunst , Musik, Psychologie... am 12.01.2016 22:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache NIE Arbeiten!

    Alles Richtungen, die die Wirtschaft nicht braucht und mit deren Studium man NIE ins Schwitzen kommt und mehrheitlich den Linken dient und von den Rechten finanziert wird!

    • ecola am 13.01.2016 20:15 Report Diesen Beitrag melden

      Ich kann's nicht mehr lesen/hören/sehen

      @Kunst, Musik, Psychologie... Und schon wieder die ignorante Geplapper. Es geht nicht nur um die Wirtschaft! Und auch ein Psychologe oder Kunsthistoriker z.B.: arbeiten. Oder denkst du (irrtümlicherweise), dass nur eine physische Tätigkeit eine Arbeit ist?? Solch ein Quatsch! Es gibt Menschen, die für körperliche Jobs nicht geeignet sind und auch solche, die nicht fähig wären eine intellektuell anspruchsvolle Arbeit zu verrichten! Hör auf geistige Arbeit zu entwerten und nur solche, die einen "ins Schwitzen bringt" überzubewerten. Beides hat seine Berechtigung.

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  • Leo am 12.01.2016 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nie wieder

    Schafft die FHs ab. Habe an einer studiert und bekomm jetzt keinen job, da alle immer nur uni-absolventen einstellen wollen. Hätte ich das gewusst hätte ich keine lehre gemacht. Empfehle ambitonierten schülern nur noch gymi und uni um im leben weiterzukommen.

    • L.B. am 12.01.2016 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Leo

      Ich schliesse im Sommer meinen BSc einer FH ab. Meinen Arbeitsvertrag für August habe ich bereits unterschrieben.

    • Ab Schluss am 13.01.2016 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Leo

      Sorry, aber das liegt vermutlich kaum an der FH...

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  • Sandra am 12.01.2016 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Der Name macht nichts besser!

    Früher gingen wir ans Semi, heute ist zwar die Ausbildung schlechter geworden,( fragt mal erfahrene Lehrpersonen über solche frisch ab FH !!) dafür tönt der Name cool. Früher gingen wir an die DMS, heute muss es FMS heissen, denn nur mit Diplom kommt keiner an die FH, das braucht eine Fachnatur. Aber seid ehrlich, ausser der Name und normale Schulweiterentwicklung ist's genau das gleiche!

  • R. Stump am 12.01.2016 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Kompetenz

    Kompetenz, Stringent und wie es alles heisst. Ich kann diese aufgeblasenen FH Worte nicht mehr hören.

    • scola am 12.01.2016 16:10 Report Diesen Beitrag melden

      Nichts Aufgeblasenes

      @R.Stump Aufgeblasen? Für einen gebildeten Menschen haben diese Worte nichts "Aufgeblasenes" an sich. Sie sind normal und werden tagtäglich benutzt (es sei denn, man verfügt über ein mickriges Vokabular)...

    • Heejoo am 12.01.2016 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @scola Genau das

      ist ja das Traurige daran, dass alle "gebildeten" Leute Begriffe wie Kompetenz in den Mund nehmen und keiner weiss aber genau was damit gemeint ist, da "Kompetenz" KEIN wissenschaftlicher Begriff ist!!

    • Soso am 12.01.2016 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @scola Ich finde aber das passt!

      Aufgeblasen meint ja auch, dass der wirkliche Inhalt Luft ist...!

    • scola am 12.01.2016 18:41 Report Diesen Beitrag melden

      Quatsch

      @Heejo Da irrst du dich. Ein gebildeter Mensch ist sich der Definition des Begriiffs "Kompetenz" sehr wohl bewusst. Er versteht, was damit gemeint ist. @Soso Wenn du das so siehst...Traurig...

    • Heejoo am 12.01.2016 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @scola Lesetipp!

      Lies mal die Streitschrift "Kompetenzen machen unmündig" von Jochen Krautz und bilde dich weiter...

    • ronny f. am 12.01.2016 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @scola

      worte wie stringent oder kompetenz braucht es wirklich nicht und ist eine erfindung von unis und hochschulabsolventen. man kann diese wörter auch klar und deutlich sagen.

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