Psychologin warnt

07. Dezember 2019 19:50; Akt: 08.12.2019 11:15 Print

«Babys bedienen bereits ein Smartphone»

Die Basler Psychologin Margarete Bolten warnt davor, Kinder zu früh ans Handy zu lassen. Viele Eltern wüssten gar nicht, was sie damit anrichten.

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Das Handy ist ein wahres Wundermittel. Sogar Kleinkinder lassen sich damit ruhigstellen. Immer mehr Eltern greifen zum Smartphone, wenn das Kind im Tram oder sonstwo, wo es unangebracht ist, schreit. Ein Video oder ein einfaches Game – und das Geschrei hört auf. «Früher gab man dem Kind zum Beispiel einen Schlüsselbund zum Spielen. Heute aber geben die Eltern immer häufiger ihr Handy und spielen Videos ab», sagt Psychologin Margarete Bolten dem «Regionaljournal» von SRF.

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Die Psychologin ist im Universitätskinderspital beider Basel tätig, wo sie immer häufiger mit den Folgen übermässiger Handynutzung bei Kleinkindern konfrontiert ist. Im Interview mit dem UKBB-Blog spricht sie sogar von autistischen Verhaltensweisen, die Kinder durch die intensive Nutzung von Smartphones entwickelt hätten. «Viele Eltern gehen völlig unkritisch mit diesen Geräten um», sagt Bolten. Sie sind auch eine grosse Versuchung für gestresste Eltern. «Das Handy strahlt, das Kind strahlt auch.»

Eltern reagieren schockiert

Viele hätten das Gefühl, dass sie ihre Kinder mit spezifische Apps sogar fördern könnten. Die Psychologin stellt klar: «Die Forschung zeigt auch sehr eindeutig: Eine erhöhte Mediennutzung wirkt sich negativ aus auf die Sprach- und kognitive Entwicklung, die Konzentration, den Schlaf oder auch darauf, ob ein Kind lernt, seine Emotionen selbständig zu regulieren.»

Klärt sie Eltern in der Sprechstunde darüber auf, seien viele schockiert. Das sei auch ihr Ziel. «Ich möchte Eltern aufrütteln», sagt Bolten. In der Sprechstunde treffe sie allerdings die Extreme an. «Zweijährige, die um 20 Uhr mit dem iPad ins Bett gelegt werden und da reinstarren, bis sie vor Erschöpfung einschlafen.» Bolten sagt denn auch: Der Kontakt mit solchen Geräten sei nicht per se problematisch.

Bildschirm sollte die Ausnahme bleiben

Allerdings mahnt sie zur Vorsicht. Die visuellen Reize von Videos und Games auf Smartphones und Tablets seien viel stärker als ein Fernseher. In einem Leitfaden, der in Zusammenarbeit mit dem Basler Gesundheitsdepartement entwickelt wurde, wird dazu geraten, Kinder unter vier Jahren nur ausnahmsweise und höchstens eine halbe Stunde «Bildschirmmedien» auszusetzen.

Wer sich danach entscheide, sein Kind vom Handy fernzuhalten, dem falle dies meistens gar nicht mal so schwer, weiss Bolten. «Es gibt ja auch genügend Möglichkeiten, Kinder sinnvoller zu beschäftigen. Zum Beispiel sie draussen spielen zu lassen.»

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sina am 07.12.2019 20:38 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht

    In ein paar Jahren wird es ganz normal sein, dass 3 jährige eine Brille tragen. Ich weiss, es ist mega anstrengend Eltern zu sein, aber sein Kind an ein Medium zu gewöhnen was massiv süchtig machen kann, kann es ja nicht sein. Man gibt seinem Kind ja auch keinen Alkohol zu trinken, damit man seine Ruhe hat. Und solltet ihr so mit den Nerven fertig sein, dann bitte holt euch Hilfe, damit ihr mal wieder schlafen könnt. Es ist nämlich keine Schande zu sagen, ich kann nicht mehr. Aber es ist eine Schande, seine Kinder einem Suchtmittel auszusetzen. Es gibt übrigens Bücher oder Hörkasetten bzw CDs

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  • Susi am 07.12.2019 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bequemlichkeit

    Das ist halt der bequeme Weg; Film ab und schon muss man die Kinder nicht mehr beschäftigen...!!!??? Das ist leider nicht nur draussen so sondern oft auch Alltag zu Hause

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  • Lehrer am 07.12.2019 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    dafür Profis im Videos schauen

    In der Schule wird dann deutlich, wie schwer sich Kinder damit tun, grundsätzlich normale Bewegungsabläufe mit ihren Händen/Fingern durchzuführen, bsp Instrumente erlernen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Yolanda am 08.12.2019 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Es kommt dicke

    Meine Nachbarin stellt ihre 2 jährige Tochter täglich bis zu 3 Std. mit dem Handy ruhig. Die Kleine hat immer den Nacken gegen unten gebeugt. Und der Fernseher läuft im Hintergrund den ganzen Tag. Die Kleine steht direkt vor den Bildschirm, sie wird nur passiv beschäftigt und legt eine gewisse hyperaktivität an den Tag. Wenn ich was sage, werde ich von oben herab belächelt. Diese Kinder werden, wenn sie gross sind, unserem System den Rest geben.

  • TschickTschickTschickPogodi am 08.12.2019 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mama Smartphone und Papa Smartphone

    Wenn Mama und Papa Smartphone selber nur aufs Handy starren, kann man auch nix anderes erwarten.

  • Jessica am 08.12.2019 13:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tablet im Kindergarten

    Aber das Kindern bereits im Kindergarten der Umgang gelernt wird, ist normal? Wo bleiben den da die sinnvollen Beschäftigungen?

  • Carmen Bürgi am 08.12.2019 13:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig....

    immer öfter sehe ich KLEIN KINDER welche RUHIG GESTELLT werden damit die Mütter in ruhe Shoppen können!!! Das kann es doch nicht sein!!! Wenn Ihr keine Zeit habt für Eure Kinder lasst es besser. Die können sich ja nicht mehr selbst beschäftigen. Wie soll ein Kind soo seine krative oder au die ausdauer erlernen ???? Die Kinder werden es Euch später Danken wenn Ihr Euch für sie Zeit genommen habt. Vielleicht werden sie Euch später im Altersheim auch einfach ein Handy in die Hand drücken!!! ;-)

  • Mami Von am 08.12.2019 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kindern 3, 5 und 7

    Meine Kinder durften bis jetzt nie am Handy spielen oder am Tablet. Sie vermissen nichts und fragen auch nicht danach. Damit bin ich in meinem ganzen Umfeld allein. Was mir auffällt ist, dass meine Kinder sehr viel Fantasie besitzen und gegenüber anderen Kinder in ihrem alter viel Kreativer sind. Sie beobachten viel mehr ihre Umgebung und können dies sehr detailiert wiedergeben. Begreiffen pysikalische zusammenhänge besser und experimentieren damit. Ich bin alleinerziehend und nehme mir die Zeit und Energie. Es lohnt sich hinterher doppelt. Sie sind selbständiger, augeglichener und anständig.