Arbeitsmarkt

21. Juli 2015 05:51; Akt: 21.07.2015 05:51 Print

«Bei Lehrlingen beginnt der Fachkräftemangel»

von Lukas Hausendorf - Rekord: In der Region Basel sind knapp ein Monat vor Lehrbeginn noch über 500 Lehrstellen offen. Für Lehrlinge sind goldene Zeiten angebrochen.

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Ein Metzger der Bell in Basel bei der Arbeit: Nachwuchs für diesen Beruf zu finden, ist nicht leicht. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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530 offene Lehrstellen waren im Lehrstellennachweis beider Basel am Montag gemeldet. Dies knapp einen Monat vor Lehrbeginn am 17. August. So viele waren es noch nie. «Der Lehrstellenmarkt ist intakt», sagt Jürg Schneider, Leiter betriebliche Ausbildung im Amt für Berufsberatung Baselland. Intakt vor allem für jene, die einen Ausbildungsplatz suchen. Es gibt aber auch eine Kehrseite: «Bei den Lehrlingen beginnt der Fachkräftemangel», so Schneider.

Die demografische Entwicklung hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass der Angebotsüberhang bei Lehrstellen stetig grösser wurde. «Schulabgänger haben viel bessere Chancen, eine Ausbildung zu finden, die ihnen gefällt», so Schneider. Dass die Zahl der Lehrstellen mit den abnehmenden Schülerzahlen nicht zurückgegangen ist, führt er auf eine «intakte Wirtschaft» zurück, die hungrig ist auf Fachkräftenachwuchs.

Grosse Unternehmen setzen die Messlatte

Diesen Hunger zu stillen wird für die Betriebe aber immer schwieriger. Wer das Interesse der Lehrlinge wecken will, muss sich heute gut verkaufen. «Man muss sich heute anstrengen, um attraktiv zu sein.» Die Messlatte setzten dabei Grossunternehmen. Bei Roche, wo an den Standorten Basel und Kaiseraugst 300 Lehrstellen anbietet, hat man keine Probleme alle zu besetzen. «Grundsätzlich haben wir mehr Bewerber als offene Plätze», sagt Roche-Sprecherin Claudia Schmitt.

Lehrlinge kommen beim Pharmariesen in den Genuss eines ganzen Katalogs von Benefits. Kostenlose sportliche Aktivitäten in firmeneigenen Clubs und Fitnesscenters, ein eigenes Wohnheim für Lehrlinge, ein eigener Kulturpass für Veranstaltungen in der Region, Fahrt- und Mietzuschüsse und für herausragende Lernende sogar Auslandpraktika. Auch die Detailhändler Coop und Migros gehören zu den beliebten Ausbildungsbetrieben der Region.

Von den 70 Lehrstellen, die bei der Migros Basel diesen Sommer im Angebot sind, konnten fast alle besetzt werden. «Unser Image und unsere Bekanntheit helfen sicher», teilt das Unternehmen mit. Allerdings auch hier: Die Ausbildungsplätze in der Gastronomie, wo Bäcker, Konditore und Systemgastronomen gesucht werden, sind weniger gefragt. Das liege vermutlich an den Arbeitszeiten, vermutet man bei der Migros.

Metzger finden ist schwer

Chronisch Mühe neue Fleischfachkräfte zufinden, so heisst der Metzgerberuf heute, hat Bell. Und das obwohl der Basler Fleischverarbeitungsriese viel unternimmt, um für angehende Berufsleute attraktiv zu sein. Sechs Wochen Ferien, Weiterbeschäftigung nach Abschluss und sogar Leistungsprämien würden bei entsprechenden Einsatz semesterweise ausgezahlt, sagt Sprecher Fabian Vetsch. «Gewerbliche Berufe haben es allgemein schwer, Metzger ist in der Gunst der Schulabgänger ein Flop», sagt Schneider. Ein Imagewechsel könnte Abhilfe schaffen. «Es gibt mittlerweile Berufsverbände, die mit Werbekampagnen aktiv um Lehrlinge buhlen», sagt er.

Für kurzentschlossene ist es noch nicht zu spät, sich für eine Lehrstelle zu bewerben. Obwohl schon Mitte August Ausbildungsbeginn ist, werden Verträge in der Regel noch bis Anfrang September unterzeichnet.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realist am 21.07.2015 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und nach der Lehre?

    Lehrstellen gibts genug. Bei den Arbeitsplätzen danach siehts schlecht aus

  • chrigel am 21.07.2015 07:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schule pusht nur studierende...

    das problem beginnt schon viel früher...heute wird ja schon in der schule klar vermittelt, dass es eine verschwendung ist einen handwerksberuf zu lernen. ich selbst habe dies erfahren, wollte umbedingt ein handwerksberuf erlernen und habe mitte 8 klasse ein lehrvertrag unterzeichnet. meine eltern mussten deswegen 3 x zum lehrergespräch weil es meine lehrer als falsch ansahen wenn ich als sekundarschüler mit guten noten"nur"handwerker lerne...man ist halt weniger wert als ein studierter ethnologe ohne job...

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  • Gustave Trebuchob am 21.07.2015 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zustände wie in Spanien

    Irgendwann sind wir dann an einem Punkt angelangt, wo ein Geschichtsstudent keinen Job findet und Metzger macht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • heinz am 25.07.2015 15:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    3 jahre unten durch

    ich realschüler mit eher durchschnitlichen noten habe damals eine lehre als metzger a (mit schlachten) gemacht. es war zwar nicht mein traum aber eine lehre machen war das ziel. es war streng aber verpasst habe ich nichts in der freizeit oder so. 3 jahre unten durch sind mehr wert als faul zuhause sitzen. geschadet hat mir diese körperlich doch recht harte ausbildung bis heute nicht. heute arbeite ich als lokführer und bin rundum zufrieden.

  • willy.s am 25.07.2015 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu hohe anforderungen

    solange für handwerksberufe fast uniabsclüsse gefordert werden gehts nie gut. man sollte auch guten realschüler chance geben,gewerbeschule auf niveau des berufsbild machen,und nicht schon berufsmatur einbinden,dann haben mehr eine chance. wenn ich höre am liebsten bezirksschüler,für einfache berufe werden sie selten einen handwerker finden oder einer der schichtbetrieb macht weis sie können ja auswählen. auch ein realschüler kann auch karriere machen wenn er willen hat.

  • Gehts Los am 23.07.2015 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt

    Eine Lehre anfangen und nach einem halben Jahr abbrechen und keine neue Lehrstelle geschweige Arbeit suchen . Ich finde es schade wen der Ernst des Lebens schon an Anfang aufhört!!!

  • david am 22.07.2015 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    paradox!

    wenn das mit dem fachkräftemangel stimmen würde, wäre es kaum so schwer einen job zu finden! zumal ich einen lehrabschluss habe!

    • Z. Sadka am 23.07.2015 00:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Hast recht

      Gebe dir recht mit einer lehrabschluss note von 5 vor 1.5 jahren bin ich seit 6 monaten auch arbeitslos

    • Gipser am 24.07.2015 18:13 Report Diesen Beitrag melden

      Gebe Deinen Beruf an

      ohne das zu wissen,, denke ich dass du irgendwie einer Sitzenden Tätigkeit warst.

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  • AS am 22.07.2015 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Motivation

    Ich habe zu meiner Zeit eine Lehre als Elektriker gesucht und konnte auch eine Schnupperwoche absolvieren. Am Ende der Woche hiess es dann: "Sie könnten in der Schule Probleme haben!" (Real-Schüler). Die Lehre nicht bekommen. Und nun habe ich die BM bestanden. Es gibt Firmen, die schauen zu genau auf die Zeugnisse und nicht irgendwie auf die Motivation und das allein kann vieles ausmachen!