Kälte-Opfer

24. April 2017 17:31; Akt: 24.04.2017 17:34 Print

«Bei mir landen täglich bis zu zehn tote Jungvögel»

Die frostigen Temperaturen bedeuten für junge Vögel oftmals den Tod. Sie sind schwach, erfrieren oder verhungern, weiss Hildi Hof von der einzigen Basler Vogel-Aufzuchtsstation.

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Der Nachwuchs von Amsel, Drosel, Fink und Star kämpft ums Überleben: Das wechselhafte Aprilwetter und die schwankenden Temperaturen hinterlassen auf der Pflegestation Vogelnestli in Riehen ihre Spuren. «Die Singvögel reagierten auf die warmen Tage im März und haben überdurschnittlich früh angefangen, ihre Eier auszubrüten», erklärt Hildi Hof (65), die die Aufzuchtstation Vogelnestli als Einfrau-Betrieb führt.

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Bereits Anfang April seien die Vögeli dann geschlüpft. «Vier Wochen früher als normal», so Hof. Auf die warmen Frühlingstage folgte eine Kältewelle. «Jetzt haben die Jungvögel bereits das Nest verlassen. Sie können keine Wärme speichern und erfrieren jämmerlich oder sind so geschwächt, dass sie von Katzen geschnappt werden», schildert Hof. Hinzu komme, dass die Vogel-Eltern, die die am Boden lebenden Kleinen versorgen, aufgrund des Bodenfrosts kein Futter mehr finden.

Nicht füttern

Für Vogel-Ersatz-Mutter Hof bedeuten diese Konditionen Hochbetrieb. «Ich bekomme täglich bis zu 25 Anrufe von Leuten, die Jungvögel aufgenommen haben und bei mir Rat suchen.» Die Vögelchen überlebten den Transport jedoch äusserst selten. «Die Retter sind toll und füttern die Vögel sofort mit Kuchen oder Honig-Wasser», sagt sie zynisch.

Denn all diese Massnahmen enden oft mit dem Tod der Tiere. «Bei mir landen täglich bis zu zehn tote Jungvögel, weil sie falsch gefüttert wurden oder ersticken.» Die Schnäbel dürften nicht in Wasser getaucht werden, da dies zum Erstickungstod führe, klärt sie auf.

Nur verletzte Vögel in Wohnung nehmen

Im Riehener Vogelnestli finden jeweils zehn Vögel eine vorübergehende Unterkunft. Die Vögeli müssen tagsüber im 15-Minuten-Takt gefüttert werden. Zurzeit hat Hof wieder Kapazitäten, da sie am Wochenende aufgepäppelte Vogelkinder in die Freiheit entlassen konnte. «Man muss sie immer gehen lassen und darf nicht klammern», sagt sie ernst.

Die Aufzuchts-Plätze werden wohl schnell wieder voll sein. Hof mahnt dazu, junge Vögel zum Schutz vor Katzen in Büsche zu setzten und nur verletzte Vögel in Obhut zu nehmen. In diesem Fall sollen sich die Retter umgehend an den nächsten Tierarzt wenden oder das Vogelnestli telefonisch kontaktieren (079 650 64 00).

(jd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Poodel am 24.04.2017 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Kälte und Katzen...

    Die schlimmsten Feinde der Vogelwelt.

    einklappen einklappen
  • Cleo am 24.04.2017 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oje

    Jetzt stört sogar schon Vogelgezwitscher... Oje, arme Gesellschaft... Und ausbaden könnens die Tiere... wie immer...

  • Typhoeus am 24.04.2017 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind die Vogelhäuschen geblieben ?

    Man sieht sie nur noch auf dem Lande oder in dörfliche Vororten. Städte und moderne Klumpenbauten sind kein Lebensraum. Dort verenden die Jungvögel.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Land-Ei am 24.04.2017 23:02 Report Diesen Beitrag melden

    "Sie landen tot"

    Das erinnert mich an den Spruch aus dem Jungelcamp: "Ich will morgens nicht tot aufwachen". Aber im Ernst: TOT kann man nicht landen, wie man sich eine übliche Landung vorstellt. Die Passagiere eines Flugzeugabsturzes sind auch nicht tot gelandet, oder täusche ich mich? Vielleicht Herr Meier, der bei einem Herzinfarkt gestorben ist. Aber ob er "gelandet" ist, dürfte eine andere Frage sein.

  • Piepmatz am 24.04.2017 22:55 Report Diesen Beitrag melden

    Lobenswert

    Erfreulich, dass es solche Menschen gibt, die sich pflegebedürftigen Vögeln annehmen!

  • Kassandra am 24.04.2017 22:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stadttaube

    Gestern Taube gerettet, die vermutlich in ein Auto flog. Wildhüter hat sie abgeholt. Habe Schuhschachtel mit Sand und Stoofwatte gepolstert und Taube getränkt sowie geschwollenes Auge nit kaltem, nassen Wattebausch belegt. Nach 1 h war Auge abgeschwollen. Wildhüter hat sie vernutlich in Tierspital gebracht, da Taubenmutter an So. Abend nicht mehr im Tierpark, wo ich vorher angerufen hatte.

  • Negan am 24.04.2017 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein toter Vogel

    Durch Futterhäuschen, Bruthäuschen und gute Pflanzenstruktur hier rund um uns herum habe ich noch keinen toten Vogel gesehen

  • Mr.Ketchup am 24.04.2017 21:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit Ketchup geht alles

    grillen und gut ist.