Tourette-Kranker gegen Busfahrer

23. Mai 2019 11:32; Akt: 23.05.2019 13:14 Print

«Beim nächsten Mal bringe ich dich um!»

Weil ein Buschauffeur einem 46-Jährigen, der an Tourette leidet, die Tür vor der Nase zugeknallt haben soll, kam es in Rheinfelden AG zu wüsten Szenen. Nun kam die Sache vor Gericht.

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Ein 46-Jähriger wollte in Rheinfelden AG in einen Bus einsteigen, als der Buschauffeur die Türe schloss. Der Mann wurde eingeklemmt und soll den Fahrer aufs Übelste beschimpft, ihm gar mit dem Tod gedroht haben. Am Mittwoch, 22. Mai, musste der 46-Jährige, der am Tourette-Syndrom leidet, vor dem Rheinfelder Bezirksgericht antraben.

Wie die «Aargauer Zeitung» schreibt, warf ihm die Staatsanwaltschaft Gewalt und Drohung, einfache Körperverletzung und Beschimpfung vor. Der Mann soll den Chauffeur gar mit einem Tennisschläger angegriffen haben.

«Das war mit Absicht»

Der Beschuldigte war sich sicher, dass der Busfahrer die Tür mit Absicht geschlossen hatte. Vor Gericht gab er an, schikaniert worden zu sein. Er habe sich gegen den «aggressiven Chauffeur» «zur Wehr setzen» wollen, wie es in der Zeitung weiter heisst.

«Das machst du nicht noch einmal», soll er dem Fahrer zugerufen haben. Laut einer Zeugin habe der Beschuldigte dem Chauffeur gedroht: «Beim nächsten Mal bringe ich dich um!» Mit dem Vorwurf konfrontiert, sagte er dann bei der Befragung aus, dass wenn er jemanden umbringen wollte, er es vorher nicht ankündigen würde.

Teilweiser Freispruch

Die einfache Körperverletzung konnte dem Beschuldigten nicht nachgewiesen werden, wie die AZ schreibt. Wegen Gewalt und Drohung wurde er aber zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 80 Franken verurteilt.

Das Gericht ging wegen der Erkrankung des Mannes von einem leichten Verschulden aus. «Zuweilen reagiert die Umwelt anders auf das Tourette-Syndrom, als es adäquat wäre», zitiert die AZ die Gerichtspräsidentin.

(las)