Basler Kult-Wirt hört auf

22. Juli 2019 05:07; Akt: 22.07.2019 10:28 Print

«Bier hat mich eigentlich gar nicht interessiert»

6000 Exponate rund ums Bier umfasst die Sammlung des Basler Wirts Mario Nanni. Weil er sich in den Ruhestand verabschiedet, drohte die Kollektion zu verschwinden.

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Seine Sammlung ist Mario Nanni sprichwörtlich über den Kopf gewachsen. Sogar an der Decken hängen in der etwas versteckten Bierstube zum Pinguin die Bierkrüge aus aller Welt. «Sein Lokal ist für jeden Bierliebhaber ein Muss», schrieb ein Besucher auf Tripadvisor. Hunderte Flaschenbiere aus aller Welt hat er im Sortiment und jedes wird im dazu passenden Glas serviert. «Die Auswahl ist absoluter Wahnsinn», schreib der gleiche Gast.

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Ende August schliesst die vermutlich einzige Bierstube ohne Offenausschank für immer. Nanni verabschiedet sich in den Ruhestand. Mit ihm droht auch seine beeindruckende Sammlung von Bier-Utensilien zu verschwinden. Etwa 6000 Krüge, Fässer, Spiegel, Pins und andere Bier-Devotionalien umfasst sie.

Sammlung wurde zum Selbstläufer

«Eigentlich hat mich Bier gar nicht interessiert», sagt Nanni. Der 69-Jährige ist bis heute kein Bierliebhaber und meidet bittere Sorten. Trotzdem setzte er 1980 voll auf die Karte Bier, als er im Pinguin zu wirten begann. Damit war er seiner Zeit weit voraus. Über Jahrzehnte hatte er damit ein Alleinstellungsmerkmal, das ihm Bekanntheit bis über die Landesgrenzen hinaus brachte. Für seine Verdienste als Bier-Botschafter hat Nanni 2007 den Ehrenorden des schweizerischen Brauereiverbands erhalten.

Dabei fand Nanni eher zufällig zum Bier, als er eine leere Vitrine mit ein paar Bierkrügen bestückte. «Meine Gäste haben dann angefangen, weitere Gläser und Biergegenstände zu bringen.» Die Sammlung hat sich gewissermassen verselbständigt. Kaufen musste Nanni nur das wenigste.

Gäste brachten ihm passende Souvenirs von Reisen mit. So bekam er zum Beispiel auch immer wieder Gegenstände mit einem Pinguin-Motiv drauf. Andere reisten sogar extra zu ihm, um ihm ein Sammlerstück zu überbringen. So auch der Chef der mongolischen Brauerei Chinggis, der ihm persönlich einen gewidmeten Porzellankrug überreichte, worauf Nanni besonders stolz ist.

Reif fürs Museum

Nanni, der sich auch als Beizen-Historiker verdient machte, träumte jahrelang davon, aus seiner Sammlung ein Museum zu machen. Daraus wurde aber nichts. Jetzt könnte sein Wunsch unverhofft Wirklichkeit werden. Der frisch gegründete Verein Bier Kabinett Basel möchte die Sammlung übernehmen. «Wir suchen nun Mitglieder, Gönner und Sponsoren und vor allem eine geeignete Lokalität in Basel», erklärt Präsident Michel Wiederkehr.

Im Kabinett sollen dereinst themenbezogene Ausstellungen, Führungen, Degustationen, Vorträge oder andere bier-kulturelle Aktivitäten stattfinden.

Der Verein wurde quasi in letzter Minute gegründet. Hätte sich niemand gefunden, der die Sammlung übernimmt, wäre sie in ein Archiv nach Vevey verschwunden. Die künftigen Pächter des Pinguin hatten nämlich kein Interesse daran: sie machen aus dem Lokal eine Fasnachtsbeiz.

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MARIO P. SVEN. am 22.07.2019 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BASLER KULT-WIRT HÖRT AUF.

    Es ist immer sehr schade, wenn so ein traditionelles Lokal wie das legendäre BIER-Haus dicht macht. Es sollte doch möglich sein, so ein spezielles Unternehmen unter neuer Führung weiter zu betreiben; und somit auch die eindrückliche BIER-Sammlung weiterhin den Bier-Fans zu präsentieren. Ich verstehe den Kult-Wirt aber auch: Nach rund 4O Jahren wirten hat man(n) irgendwann genug... Alles Gute für die Zukunft!

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  • Heini Hemmi am 22.07.2019 05:59 Report Diesen Beitrag melden

    Kulturgut

    Auch Wasser wird zum guten Tropfen, braut man es ein, mit Malz und Hopfen.

  • Luzern am 22.07.2019 08:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alte Garde

    Beneidenswert seine Gäste. Kenne kein Restaurant, in welchem vier Jahrzehnte derselbe Wirt anzutreffem war. Gratuliere und wünsche ihm einen wunderbaren, weiteren Lebensverlauf.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul Meier am 23.07.2019 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Na endlich

    Nicht schade drum. Der Wirt war einer der unfreundlichsten die ich je gesehen habe. Die Worte "Bitte" und "Danke" waren absolute Fremdwörter für Ihn. Die Preise für das was im Gesamtpaket geboten worden, waren zu hoch.

    • Daniel Kern am 23.07.2019 14:42 Report Diesen Beitrag melden

      Harte Schale, weicher Kern

      Ja er war ein richtiger Beizer. Wer sich wie Paul von dem harten Kern irritieren liess, verpasst einen leidenschaftlichen Beizer, der auch mal dem Kunden die Autoschlüssel wegnahm weil er zu viel getrunken hat. Also ich mochte dieses ruche aber charismatische und interessante Pinguin mitsamt Nanni sehr. Danke für die vielen schönen Abende !

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  • bieromantiker am 22.07.2019 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    salli

    vielleicht lags auch am speziellen oder nicht vorhandenen Service

  • CoxyLemmy. am 22.07.2019 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    UND NOCH 2 SPRÜCHE...

    Zwei Sprüche, die der Basler Wirt vielleicht noch nicht hat: "Mein Psychiater sagt, ich sei nicht theraBIERbar...". UND: "Ab morgen TRINKE ich nicht mehr -- aber auch nicht weniger...!"

  • alfmir am 22.07.2019 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    noch nicht vergessen....

    Logisch, hat ja bei der damaligen "Fümoar" Mitglieder Abzocke genug verdient...

  • Giannini Rico am 22.07.2019 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Restaurant Pinguin

    ich kenne Mario Nanni nun schon fast 30 Jahre, ich kenne keinen Wirt der die Bierkultur so zelebriert wie er. Er wurde, wenn ich das so sagen darf, ein guter Freund, mit dem ich manch interresante und unterhaltsame Stunden im Lokal verbrachte. Auch ausserhalb der Öffnungszeiten erlebten wir so einiges. Ich wünsche Mario alles Gute und Gesundheit für seinen Ruhestand. Liebe Gruess Rico