Strafgericht BL

18. Dezember 2017 16:19; Akt: 18.12.2017 16:43 Print

«Bombe im Haus, bald alle tot»

Eine Angestellte erfand vor zwei Jahren eine Bombendrohung bei Möbel Pfister in Pratteln. Sie hatte am Tag zuvor den Tresorraum leer geräumt und wollte damit von ihrer Tat ablenken.

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Hunderte Menschen wurden am 28. Dezember 2015 aus dem Media Markt und Möbel Pfister in Pratteln evakuiert, nachdem um 13 Uhr eine Bombendrohung eingegangen war. Beim Grüssen Center kam es zu chaotischen Szenen. Die Polizei konnte aber nichts finden. Dafür wurde am Tag darauf bemerkt, dass über 100'000 Franken aus dem Tresor verschwunden waren.

Es dauerte nicht lange, bis die Ermittler der Täterin auf die Schliche kamen. Die Administrationsleiterin der Möbelhaus-Filiale hatte die Bombendrohung erfunden, um davon abzulenken, dass sie in die Kasse gegriffen hatte. Am Montag musste sich die Frau vor dem Baselbieter Strafgericht unter anderem wegen Schreckung der Bevölkerung, Diebstahl und falschen Alarms verantworten.

Pleite wegen Spielsucht

Die 37-Jährige ist geständig. «Es war eine Kurzschluss-Reaktion», wiederholte sie während der Verhandlung. Die Folgen ihrer Tat – etwa der Einsatz von 60 Rettungskräften oder die Absperrung des gesamten Grüssen-Areals – seien ihr zu keinem Zeitpunkt bewusst gewesen.

Sie hatte den Diebstahl wegen finanziellen Problemen begangen. Die Kaderangestellte war zum Tatzeitpunkt spielsüchtig und pleite. 250 Mal fand sie 2015 den Weg in diverse Schweizer Casinos, wo sie sich gerne bis zu acht Stunden aufhielt. Ein grosser Gewinn im Grand Casino Basel sei ihr persönlicher Anfang vom Ende gewesen.

Sie knackte den Jackpot von 114’000 Franken und sei endgültig in die Sucht abgerutscht. «Da denkt man, das hat einmal geklappt, das wird bestimmt wieder klappen. Ab diesem Moment handelte ich aus extremer Dummheit.» Ein gerichtliches Gutachten attestiert ihr eine Spielsucht mit einer moderaten Rückfallgefahr.

Einen Tag nachdem sie den Tresor ausgeräumt hatte, habe sie Panik bekommen, weil der Geldtransporter unterwegs gewesen sei, um das Geld zu holen. Mit der Drohung wollte sie das Fehlen des Geldes vertuschen. «Bombe im Haus, bald los, alle tot», habe ein Mann mit gebrochenem Deutsch gedroht, erfand sie.

Einen namhaften Teil der Beute hatte sie vor der Festnahme bereits verzockt. Von den gestohlenen rund 101'000 Franken konnte die Staatsanwaltschaft nur knapp 60'000 Franken sicherstellen.

Gerichtspräsident Adrian Jent hielt den Finger auf den Fakt, dass die Beschuldigte trotz zahlreichen Chancen das Diebesgut nicht zurückgelegt hatte. «Sie sprechen von Gewissensbissen, gingen dann aber doch mit dem Geld ins Casino. Das ist schon sehr speziell», so Jent.

Teilbedingte Haftstrafe und Therapie gefordert

Die Staatsanwaltschaft fordert eine Strafe von drei Jahren, wovon sie eines absitzen müsste. Zudem solle sie eine Behandlung für ihre Spielsucht und Bewährungshilfe in Anspruch nehmen. Der Verteidiger stellt eine gute Prognose aus. Sie habe wieder eine Festanstellung gefunden, spiele nicht mehr und bewege sich in einem soliden sozialen Netz. Eine unbedingte Strafe halte er für «sehr taff», 20 Monate bedingt für angebracht.

Am Dienstag wird sich zeigen, wie hoch die Strafe ausfällt und wie tief die Angeklagte in die Tasche greifen muss. Denn: Die beiden Shops, die von der Evakuierung betroffen waren, fordern eine horrende Summe und machen Umsatz- und Gewinneinbussen geltend. Auf 45’000 Franken besteht die Möbel Pfister AG. Die Ikea AG behauptet, sie habe während des Polizei-Einsatzes rund 98’000 Franken Verlust verzeichnet.

Die Verteidigung bezeichnete die Forderung der Ikea AG als nicht sachgerecht. Zudem habe sie erst im Juni Strafantrag gestellt und die Frist somit nicht eingehalten.


(lha/jd)