Bäume jagen Frauen

10. Juni 2019 18:17; Akt: 11.06.2019 14:33 Print

«Damit wird sexuelle Gewalt verharmlost»

An Pfingsten jagen als Büsche verkleidete junge Männer in Ettingen junge Frauen und werfen sie in den Brunnen. Feministinnen finden den Pfingstblitter-Brauch problematisch.

Die Pfingstblitter auf der Jagd nach jungen Frauen in Ettingen. (Video: Telebasel)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Pfingstsonntag leben junge, ledige Frauen in Ettingen gefährlich. Frühmorgens werden junge Männer bis zur Unkenntlichkeit in Buchenlaub gewandet, um dergestalt nachher Jagd auf die jungen Frauen zu machen. Gerät eine Dame in die Fänge der sogenannten Pfingstblitter, landet sie im Brunnen.

Umfrage
Sexistisch oder ein unschuldiger Bubenstreich – ist der Pfingstblitter-Brauch noch zeitgemäss?

Es handelt sich beim Pfingstblitter um einen althergebrachten Fruchtbarkeitsbrauch. Im 19. Jahrhundert soll er sehr populär und weit verbreitet gewesen sein, hiesst es in der Ettinger Heimatkunde von 1883.

«Wenn ein Fräulein von den Pfingstblittern in den Brunnen geworfen wird, soll es das nächste Jahr schwanger werden», erklärte Markus Christen, Präsident des Kulturhistorischen Vereins Ettingen das Ritual gegenüber Telebasel.

Brauch reduziert Frau auf ihre Fruchtbarkeit

«Problematisch» findet das Anna-Béatrice Schmaltz, die Leiterin der Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» der feministischen Friedensorganisation cfd. «Frauen werden gejagt und zu Handlungen gezwungen – es werden Grenzen ausgelotet.» Dies reproduziere schädliche Geschlechterstereotypen und zementiere Herrschaftsverhältnisse. «Auch die Fokussierung auf Mädchen und und junge Frauen, die dann ein Jahr später schwanger sind, ist auf symbolischer Ebene fragwürdig und verharmlost sexuelle Gewalt», so Schmaltz.

Grundsätzlich seien Brauchtümer positiv, sagt sie. Allerdings findet Schmaltz auch, dass es nicht mehr zeitgemäss sei, einen solchen Brauch unfreflektiert zu feiern. Hier werde ein antiquitiertes patriarchales Geschlechterverhältnis gefeiert, in dem die Frau inaktiv zu sein hat. «Ihre einzige Aufgabe ist passive Fruchtbarkeit.»

«Im Dorf haben viele Freude am Brauch»

Der Kulturhistorische Verein Ettingen hat für die Kritik wenig Verständnis. «Im Dorf ist der Anlass fest verankert und viele haben Freude am Brauch», entgegnet Präsident Markus Christen. Er sagt aber auch: «Ja, es ist grenzwertig.» Würde man den Brauch deswegen abschaffen, gäbe es aber ein riesen Theater im Dorf. In Ettingen selbst sei im Übrigen noch nie Kritik am Pfingstblitter laut geworden.

Zudem seien die Frauen in den allermeisten Fällen Einheimische. «Die sind im Nu zuhause und können sich wieder trockene Kleider anziehen.» Die Faun-Gestalten würden auch nicht jedes Mädchen in den Brunnen werfen. «Wenn eine wirklich nicht will, lassen wir es bleiben», erklärte ein Pfingsblitter gegenüber Telebasel.

Der Brauch wird auch im Katalog der lebendigen Traditionen des Bundesamts für Kultur geführt und gewürdigt. In der Schweiz wird er neben Ettingen nur noch in den Aargauer Gemeinden Sulz und Gansingen zelebriert.

(lha)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • amaso am 10.06.2019 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Probleme

    Problematisch ist, dass wir zunehmend mit Allem ein Problem haben!

  • Dabadee am 10.06.2019 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Feministenübertreibung

    Langsam reichts...

    einklappen einklappen
  • Donna M. am 10.06.2019 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer sucht der findet

    Diese Feministinnen sind für jede normal denkende Frau nur noch peinlich. Auch Schäden sie sich selber, wenn sie so weitermachen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • ..dr Lauch.. am 10.06.2019 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    femi's....

    was ist das?

  • ussocom am 10.06.2019 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich kanns nicht mehr hören

    diese feministinnen sollen sich den echten problemen annehmen. noch belangloser ist ihr aufschrei nur noch beim thema "stimme von männlicher KI".

  • Mona008 am 10.06.2019 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache Bünzli

    Bei uns war es in der Schule Tradition, die die in die erste Oberstufe kamen, wurden im ersten Jahr an einem x beliebigen Tag überrascht, gepackt und in den Pausenhof Brunnen geworfen. Wieso muss man heute aus jeder Mücke einen Elefanten machen? Habt spass solange ihr noch könnt!

  • Fd.R am 10.06.2019 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja aber

    das grösste Problem hierzulande sind die Feministinnen, die überhaupt keinen Bezug zur Realität mehr kennen, sie leben schlicht in einer völlig anderen Welt als der Rest der Schweizer.

  • Lilli am 10.06.2019 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übertriebener Fenimismus

    Ich bin auch eine Frau und kann es langsam nicht mehr hören. Hört auf aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen!