Basel

05. Juni 2018 17:10; Akt: 05.06.2018 17:10 Print

Giftmüll unter Spielplatz lässt Umwelt-Amt kalt

In gut fünf Metern Tiefe im Erdreich des Spielplatzes Ackermätteli liegt seit Jahren Chemiemüll. Im Quartier ist die Verunsicherung gross, ob eine Gefährdung der Kinder besteht.

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Am Dienstagvormittag lud die Tagesschule Ackermätteli zu einer Demonstration , um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

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Rund 60 Schüler haben gemeinsam mit Lehrpersonen der Basler Tagesschule Ackermätteli am Dienstagvormittag mit einer lauten und bunten Aktion gegen Chemiemüll unter ihrem Spielplatz protestiert. «Für einen sauberen Spielplatz» oder «Chemie Stopp» fordern in krakeliger Kinderhandschrift selbstgestaltete Plakate. «Wir wollen wissen, mit welcher Art von chemischen Substanzen wir es zu tun haben, und dafür müssen Bohrungen durchgeführt werden», sagt Lehrerin Gabriela Horni.

Bis heute weiss man nicht, was sich an chemischen Rückständen der ehemaligen Chemiefirma Ciba-Geigy aus den Achtzigerjahren im Boden des Spielplatzes befindet. Das Amt für Umwelt und Energie (AUE) verweigerte bislang die vom Verein Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) geforderten Bohrungen. Mit Paul Svoboda, Monika Schweizer und Nicole Schwarz erschienen am Dienstag gleich drei Vertreter des Amts zum Protest. «Das freut uns natürlich sehr, dass das AUE auf unsere Einladung reagiert hat», sagt Horni.

Greenpeace sperrte Spielplatz

«Die Kinder wurden nach einer vorgängigen Aktion hier von Greenpeace neugierig und haben Fragen gestellt», erklärt sie. Ende April hatte die Umweltschutzorganisation den Spielplatz, in Schutzanzügen gekleidet, abgesperrt, um auf die Chemie-Altlasten im Boden aufmerksam zu machen. Da habe man auf die Idee eines Schüler hin diese Aktion veranstaltet. Dabei wurden auch Lieder gesungen. Etwa, passend zum Thema, ein indianisches Lied an die Erde: «Erde, ich fühle dich unter meinen Füssen, und ich höre dein Herz schlagen.»

Beim Amt für Umwelt und Energie hat man für die Forderungen allerdings wenig Gehör. «Die chemischen Substanzen unter dem Spielplatz sind bezogen auf die Altlastenverordnung momentan nicht untersuchungsbedürftig», erklärte Paul Svoboda, Leiter der Abteilung für Gewässerschutz, vor Ort.

Akutgefährdung unwahrscheinlich

Im Zuge der Lindan-Offenlegung im Jahr 2013 wurden laut Svoboda Bodenproben in Tiefe von 27 Zentimetern entnommen, die eine Akutgefährung der Kinder ausschliesst. «Das hier ist ein sauberer Spielplatz», erklärt der Abteilungsleiter. «Die Wahrscheinlichkeit, dass auf dem Spielplatz eine akute Gefährdung besteht, ist klein», räumt auch Martin Forter, Geschäftsleiter der AefU, ein.

Wirklich wissen tue man das aber erst nach entsprechenden Untersuchungen, moniert er und fügt noch hinzu: «Chemiemüll und Kinderspielplatz passen grundsätzlich schlecht zusammen.»

«Das AUE macht seine Arbeit nicht»

Konkret bemängelt Forter, dass das AUE beim Spielplatz Ackermätteli über keine Daten verfüge, weil sie den dortigen Chemiemüll bisher nicht untersucht hätten. Es sei an den falschen Stellen gemessen worden. Zusätzliche Grundwassermessungen sowie die eigentliche Untersuchung der chemikalischen Substanzen seien unbedingt erforderlich. «Das AUE macht hier seine Arbeit nicht», kritisiert Forter.

Dass im Boden voraussichtlich noch nicht-wasserlösliche Belastungen liegen, kann Svoboda zwar bestätigen, aber würden diese momentan kein Problem darstellen. «Erst wenn es zu baulichen Eingriffen kommt, muss gehandelt werden», erklärt er.

(sis)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Werner Voegeli am 05.06.2018 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Angst Herr Svoboda?

    Ich befürchte, Herr Svoboda muss irgendwann seinen Posten räumen....! Wie viele Jahre war Kölliken kein Thema? Und dann plötzlich eine Total-Sanierung für Millionen. Herr Svoboda hat vor den Kosten Angst; Angst sollte er aber davor haben, dass plötzlich Kinder erkranken.

  • Post it am 05.06.2018 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    Gleiches nicht Gleiches

    Aber wehe ich schmeisse eine Zigi auf den Boden. Das wird sofort geandet. Komische Welt.

  • Eva Krieger am 05.06.2018 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    in einem andern Stadtteil nicht möglich

    Z.B. auf dem Bruderholz, Gellert oder Bachletten hätten man bestimmt keinen Spielplatz ohne Bodensäuberung gemacht aber die Kinder in Kleinhüningen sind ja nicht so wichtig.

Die neusten Leser-Kommentare

  • seneca am 05.06.2018 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schöne neue welt

    bürger werden immer belangt für umweltdelikte, während der staat oder die industrie die natur mit füssen tritt..

  • Bebbi am 05.06.2018 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Basel

    Keine Angst, die Kinder der Verantwortlichen sind nicht betroffen

  • Cavi33 am 05.06.2018 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gefahrenkarten

    Soweit mir bekannt haben alle Kantone vom Bund den Auftrag erhalten eine Gefahrenkarte zu erstellen. Diese sollte auch in Basel längst via Internet abrufbar sein. Wenn der Giftmüll kritisch ist hätte das Umweltamt BS also ein Verbot erlassen. Somit könnte man sich also orientieren, es besteht ja Auskunftspflicht.

    • Freddy Hoffmann am 05.06.2018 19:42 Report Diesen Beitrag melden

      Frei Zugänglich

      Nennt man ein Altlatserkataster. Für alle frei Zugänglich.

    einklappen einklappen
  • kilian k. am 05.06.2018 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Thema wird in und um

    Basel herum, so weit es geht, totgeschwiegen. Der Sportplatz Margelacker in Muttenz etwa gehört in die gleiche Kategorie.

  • Post it am 05.06.2018 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Gleiches nicht Gleiches

    Aber eine Zigi kostet 80 CHF. Komische Welt..