Vergewaltigung im Keller

26. Februar 2019 05:47; Akt: 26.02.2019 07:43 Print

«Das ist der absolute Horror jeder Frau»

Ein Kosovare (19) steht vor dem Basler Strafgericht, weil er eine Studentin und eine Touristin sexuell missbraucht haben soll. Statt reuevoll äusserte sich der Mann abschätzig über seine Opfer.

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Ein 19-Jähriger soll zwei Frauen sexuell missbraucht haben. (Bild: 20M)

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«Ich wusste nur, dass ich es hinter mich bringen muss. Dass es weniger schlimm ist, wenn ich mich nicht wehre. Es war aber schlimm», diese Aussage brachte eine slowakische Touristin im Juli 2018 zu Protokoll, nachdem sie in einem Keller von einer Ausgangs-Bekanntschaft vergewaltigt wurde.

Nebst der Vergewaltigung soll der junge Mann, der nicht das erste Mal mit dem Gesetz in Konflikt kommt, 2017 eine Studentin vor ihrer Haustüre zu vergewaltigen versucht haben.

DNA- und Sperma-Spuren führten zu dem heute 19-jährigen Kosovaren. Der Mann stand am Montag vor der Dreierkammer des Basler Strafgerichts und wurde mit erdrückenden Beweisen konfrontiert. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn u.a. wegen mehrfacher Vergewaltigung und sexueller Nötigung angeklagt.

Seit seiner Ankunft in der Schweiz vor vier Jahren hatte er bereits vier Strafverfahren am Hals, so die Staatsanwältin Simone Lustenberger. Darunter ein Verfahren wegen eines Sexualdelikts, für das er als Jugendlicher mangels Beweisen freigesprochen wurde.

Opfer hatte zwei Promille

Die Vergewaltigung soll sich nach einer feuchtfröhlichen Partynacht im Paddy Reilly's Pub in der Waschküche des Beschuldigten in Basel zugetragen haben. Er lernte die stark alkoholisierte Frau, die in Basel Ferien machte, auf der Tanzfläche kennen, so die Anklage.

Zum Zeitpunkt der Vergewaltigung habe die Frau etwa zwei Promille Alkohol im Blut gehabt, sie hatte Todesangst, so die Staatsanwältin. «Das Opfer war in einem dunklen Raum, mit einem Typen, den es nicht kannte, in einem Land, das ihm völlig fremd ist und wird dort vergewaltigt. Das ist der absolute Horror für jede Frau», so Lustenberger.

Die Frau gab nach der Tat an: «Mein einziger Gedanke war, dass ich überlebt habe und von hier weg muss.» Sie war während der Verhandlung nicht anwesend. Die Opfervertreterin gab an, dass ihre Klientin wahrscheinlich noch heute an einer posttraumatischen Belastungsstörung leide.

Vor Mutter nicht über Sex sprechen

Der Beschuldigte selber wollte sich zum Tathergang nicht wirklich äussern. In beiden Fällen sprach er aber von Einvernehmlichkeit, die Frauen hätten sich freiwillig auf ihn eingelassen.

Es sei ihm unangenehm, über Sex zu sprechen, wenn seine Mutter und andere Frauen im Saal anwesend seien, sagte er. Auffallend oft betonte er die Verbundenheit zu seiner Mutter und seinen Schwestern.

Nur knapp einer Vergewaltigung entkommen sei ihm ein anderes Opfer, so die Anklage. Die Studentin schilderte dem Strafrichter, wie der Beschuldigte sie zum «Rummachen» aufforderte, was sie ablehnte. Vor ihrer Eingangstüre, den Schlüssel habe sie schon ins Schlüsselloch gesteckt, habe er sie gepackt und sich auf sie geworfen. «Er liess mich nicht mehr los. Ich habe nicht richtig gecheckt, was passiert, war unfähig zu schreien.» Er fasste ihr stöhnend unter den BH und in die Hose.

«Ich erinnerte mich, wie ich als Kind in einem Selbstverteidigungskurs gelernt habe, dass man dem Täter in die Augen greifen muss», so das Opfer. Danach habe er von ihr abgelassen.

Ausschaffung bei Schuldspruch

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Beschuldigten vier Jahre und drei Monate Gefängnis. Zudem soll er zehn Jahre des Landes verwiesen werden. Er habe nicht im Ansatz begriffen, was er den Frauen angetan habe, so Lustenberger.

Sein Verteidiger forderte den Grundsatz «In dubio pro reo» gelten zu lassen.

Das Urteil wird am Donnerstag gesprochen.

(jd)