Anwil BL nur noch elektrisch

10. September 2018 18:54; Akt: 10.09.2018 18:54 Print

«Den Tesla möchte ich nicht mehr hergeben»

Für das «Experiment Anwil» steigt die Gemeinde für eine Woche auf Elektrofahrzeuge um. Das kleine Dorf im Baselbiet lebt vor, wie die Zukunft der Mobilität aussehen könnte.

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Die Gemeinde Anwil steigt vom 10. bis 15. September auf Elektrofahrzeuge um. Damit testet die Genossenschaft Elektra Baselland (EBL), wie sich die Energiestrategie 2050 in die Praxis umsetzen lässt. Insgesamt wurden 120 Anwiler mit einem Elektro-Fahrzeug ausgestattet.

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Anwil sei immer für ein Experiment zu haben. «Wir Ammeler sind ein innovatives Völkchen und freuen uns aufzuzeigen, wie sich unser eindeutiges Abstimmungsresultat zur Energiestrategie 2050 schon heute im Alltag realisieren lässt», so Marcel König, Gemeinde-Vizepräsident von Anwil, bei der Medienkonferenz zum Start des Experiments am Montag.

«Stinkt nicht und macht keinen Lärm»

Tobias Andrist, CEO der EBL, ist überzeugt, dass mit dem Bevölkerungswachstum auch die Mobilität zunimmt. Um den damit verbundenen CO2-Ausstoss reduzieren zu können, müsse in Zukunft auf Elektromobilität in Kombination mit erneuerbaren Energien gesetzt werden. Auch Sabine Pegoraro, Regierungsrätin des Kantons Basel-Landschaft, ist von E-Mobilität begeistert.

«Ich fahre seit drei Jahren Elektroauto und ich geniesse es. Es stinkt nicht und es macht keinen Lärm», sagt sie. Der Umstieg auf Elektromobilität sei wichtig, um Klimaschutzziele zu erreichen. Pegoraro sieht in diesem Bereich Nachholpotential. Sie finde es spannend zu sehen, wie die Bevölkerung auf das Experiment reagiert.

Wie viele CO2-Emmissionen lassen sich einsparen?

Die EBL hat gemeinsam mit Partnern und vielen Privatpersonen weit über 100 elektrische Fahrzeuge organisiert, die den freiwilligen Teilnehmern aus Anwil für fünf Tage zur Verfügung stehen. Fahrzeuge vom E-Scooter bis zum E-Müllwagen prägen ab Montag das Bild des kleinen Dorfes.

Mit dem Experiment möchte die EBL herausfinden, wie viele CO2-Emissionen sich durch den Umstieg auf E-Fahrzeuge einsparen lassen und wie sich der Alltag verändert. Auch welche Belastungen auf das Stromnetz zukommen, wenn viele E-Fahrzeuge zur gleichen Zeit geladen werden, wird getestet.


Cristiano Santoro darf eine Woche lang Tesla fahren.

Familien treten im Effizienzbattle gegeneinander an

Cristiano Santoro tritt mit seiner Familie im Energieeffizienz-Wettbewerb gegen Familie Baumgartner an. Die Familie fährt für fünf Tage einen Tesla. Das geniesst Santoro: «Den Tesla möchte ich nicht mehr hergeben», sagt er. Vor allem ginge es ihm jedoch um die Frage, wie man Energie sparen kann. Obwohl er sich schon lange für das Thema interessiere, gebe es doch immer wieder Möglichkeiten, den Alltag noch effizienter und energiesparender zu gestalten. «Jetzt müssen sich die Kinder zum Beispiel überlegen, was sie essen möchten, bevor sie den Kühlschrank aufmachen. Anstatt fünf Minuten vor der offenen Tür zu stehen», so Santoro.

Die Challenge ist ein weiterer Teil des Experiments. Dabei soll mittels Energiedaten-Management getestet werden, ob und wie sich der heutige Lebensstil durch den technologischen Fortschritt in Mobilität und Wohnen verändern wird. Die beiden Haushalte beziehen Strom aus der eigenen PV-Anlage. Für den Wettbewerb wurden sie zusätzlich mit den neusten technischen Komponenten wie Batteriespeicher und Ladestation ausgestattet. Gewinnen wird die Familie, der es gelingt, den Energieverbrauch am stärksten zu senken.

(lb)