Strafgericht BS

15. Januar 2019 18:13; Akt: 31.01.2019 09:28 Print

«Der Biss in den Penis war Notwehr»

Ein 60-jähriger Schweizer Geschäftsmann wurde der Vergewaltigung seiner Ex-Freundin schuldig gesprochen. Die Chinesin wehrte sich mit den Zähnen gegen ihren Peiniger.

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Das Gericht folgte auf ganzer Linie den Aussagen des Opfers und schenkte der Version des Beschuldigten keinen Glauben. (Bild: bs.ch)

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M.K.* schüttelte am Dienstagnachmittag nur immer wieder den Kopf. Gerichtspräsidentin Katharina Giovannone hatte ihn soeben der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung schuldig gesprochen. Das Basler Strafgericht sah es als erwiesen an, dass der Geschlechtsverkehr mit seiner Ex-Freundin im Februar 2016 gegen deren Willen geschehen war. Auch der Oralverkehr am Morgen danach, der für den Mann schmerzhaft geendet hatte, sei erzwungen gewesen.

Die Beziehung zwischen ihm und der 36-jährigen Chinesin war zum Tatzeitpunkt schon seit zwei Wochen beendet. Sie wohnte noch bei ihm und er forderte dafür sexuelle Gefälligkeiten ein. Sie sei ihm ausgeliefert gewesen. Die ehemalige Sexarbeiterin hatte praktisch kein soziales Netz in der Schweiz und hoffte wohl, dass sie den Schweizer einst heiraten könnte. Als er die Beziehung aber beendete, «stand sie vor dem Abgrund», führte Giovannone aus.

K. bestritt die Tat bis zuletzt und zeigte weder Reue noch Einsicht. Vor den Schranken des Gerichts behauptete er gar, ein Feminist zu sein. «Seit Jahren aber hatten Sie nur Beziehungen zu altersmässig und finanziell massiv unterlegenen Frauen», so die Gerichtspräsidentin. Genauso wenig Gehör fand denn auch seine Behauptung, seine Ex-Freundin habe ihn zum Sex gezwungen. «Das ist fast nicht möglich», so Giovannone.

Biss war ein bisschen Genugtuung

Für seine Tat muss der finanziell gut gestellte Geschäftsmann vor allem finanziell bluten. Die Freiheitsstrafe von 15 Monaten wurde bedingt ausgesprochen. Bezahlen muss er aber eine Genugtuung über 7500 Franken an das Opfer und Gerichts-, Verfahrens- und Anwaltskosten in der Höhe von über 21'500 Franken. Die Genugtuungsforderung von Y., die 12'000 Franken verlangt hatte, reduzierte das Gericht, weil sie sich mit dem Biss in seinen Penis ja schon ein wenig Genugtuung verschafft habe.

Der Biss hat keine strafrechtlichen Konsequenzen für die Chinesin. «Es war im Ergebnis eine einfache Körperverletzung, aber es war Notwehr», so Giovannone.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, K.s Verteidiger Christoph Dumartheray hat Berufung angemeldet. Nach wie vor gelte die Unschuldsvermutung, betont er.

*Namen der Redaktion bekannt

(lha)