Brennende Batterien

18. Oktober 2019 04:52; Akt: 18.10.2019 04:52 Print

Pannendienste müssen aufrüsten wegen E-Autos

Auf Schweizer Strassen rollen immer mehr Elektroautos. Wenn sie Feuer fangen, stellt dies Feuerwehren und Pannendienste vor neue Herausforderungen.

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Anfang Oktober geriet in Österreich ein Tesla in Brand. Das Feuer liess sich aber nicht einfach löschen, wie der ORF berichtet. Ein Grosseinsatz der war Feuerwehr nötig. Zudem musste das Fahrzeug zum Abtransport in einem riesigen Container platziert werden.

Dieser wurde mit Wasser gefüllt, um die Batterie des Elektroautos zu kühlen. Der «Südkurier» und die «Stuttgarter Nachrichten» berichten von ähnlichen Fällen mit Elektrofahrzeugen in Deutschland.

Auch in der Schweiz sehen sich Feuerwehren und Pannendienste vor neue Herausforderungen gestellt. Im Jahr 2018 waren hier laut dem Bundesamt für Statistik über 19'181 vollelektrische Fahrzeuge registriert – Tendenz steigend.

Ein Tanklöschfahrzeug ist zu wenig

Zum Löschen eines brennenden Elektrofahrzeugs braucht es wesentlich mehr Wasser. Laut dem Hersteller braucht es rund 11'000 Liter Wasser, um beim Brand eines Tesla Model S die Batterie wieder abzukühlen. Nur haben die meisten Feuerwehrautos nicht annähernd so viel Wasser dabei. «Ein Tanklöschfahrzeug fasst zwischen 2000 und 3000 Liter», sagt Kurt Bopp. Er ist Spezialist beim Schweizerischen Feuerwehrverband (SFV).

Für die Feuerwehr sei das eine Herausforderung, weil die Einsatzleiter entsprechend koordinieren müssten. «In der Stadt steht alle 50 Meter ein Hydrant. Da ist es weniger problematisch. Auf der Autobahn oder auf dem Land ist die Situation aber anders», so der Experte.

Basel-Stadt hat darauf bereits reagiert. Die Feuerwehr habe ein Löschkonzept erarbeitet, das beiden Basler Halbkantonen zur Verfügung stehe, so Sicherheitsdirektor Baschi Dürr. Bei Ersatzanschaffungen von Löschfahrzeugen werde man in Zukunft auf Modelle mit grösserer Löschwasserkapazität setzen.

Folgebrände verhindern

Die eigentliche Herausforderung ist allerdings der Abtransport der Brandfahrzeuge. Das Problem ist, dass sich Brände von Lithium-Ionen-Batterien, die in vollelektrischen Autos verbaut sind, nicht löschen lassen. Durch die Hitze käme es in der Batterie zu einem elektro-chemischen Prozess, durch welchen die Energie im Modul laufend freigesetzt werde. «Das Auto wird in speziellen Containern in Wasser getaucht, damit die Batterie abreagieren kann, ohne dass Folgebrände entstehen», so Bopp. Dieser Prozess könne Tage dauern.

«Wir haben eine Wanne für Personenwagen angeschafft, die beiden Kantonen zur Verfügung steht», erklärte das Feuerwehr-Inspektorat beider Basel auf Anfrage. Zudem habe man isoliertes Einsatzmaterial wie Handschuhe und Zangen zur Verfügung, um die Feuerwehrleute vor Stromschlägen zu schützen.

In Zürich verzichtete die Feuerwehr bisher auf die Anschaffung einer eigenen Wanne. Gefordert seien da die Pannendienste, heisst es auf Anfrage. Ein Spezialist von Schutz & Rettung Zürich schätzt, dass es schweizweit erst rund 30 solcher Behälter gibt.

Ist ein Vakuum-Container die Lösung?

«Wir evaluieren zurzeit Wannen und Container», sagt Roman Gerber, Geschäftsführer von H.P. Gerber, dem grössten Pannendienst in den Regionen Basel und Bern. So ein Container mit integrierter Löschanlage koste bis zu 60’000 Franken. Es gäbe aber noch ungelöste Fragen. Etwa, ob der Container einen Brand wirklich übersteht und wiederverwertbar ist.

Bereits aufgerüstet hat die Schöpfer Autohilfe in Oberentfelden: Sie hat einen Container entwickelt, mit dem E-Autos geborgen werden können. «Die E-Autos kommen. Viele unterschätzen die Gefahr. Eine Batterie lässt sich nicht mehr löschen. Fängt ein solches Auto im Gubrist zu brennen an, gibt es eine Katastrophe», sagt Geschäftsführer Hans Schöpfer.

Dem Schiffscontainer werde der Sauerstoff entzogen. Im Vakuum könne die Batterie nicht brennen. Man habe bereits zwei solcher Container im Einsatz und wolle weitere in der ganzen Schweiz stationieren. Auch eine zweite Pannenhilfe hat bereits einen Container im Einsatz.


Ein Batteriefeuer kann sehr schnell ausbrechen, wie hier im April in einer Tiefgarage in Shanghai. (Video: Twitter/@ShanghaiJayin)

(las/lha/daw)