Coronavirus in Basel

28. Februar 2020 12:51; Akt: 28.02.2020 12:51 Print

«Die Kinder waren bei mir zum Spielen»

Wenige Stunden bevor bekannt wurde, dass eine Betreuerin einer Kita in Riehen mit dem Coronavirus infiziert ist, hütete eine Seniorin betroffene Kinder.

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Eine Kita in Riehen bleibt für die nächsten beiden Wochen geschlossen. Eine Betreuerin wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Kinder, die mit ihr Kontakt hatten, kommen für 14 Tage in Quarantäne. Eine Seniorin aus der Nachbarschaft ist besorgt, denn sie hatte Kontakt zu betroffenen Kindern. Auf Rat ihres Hausarztes bleibt sie jetzt zu Hause. Nachbarn versorgten sie über den Briefkasten, sagt sie. Andere Nachbarn zeigen sich unbeeindruckt. Fall 9: Der Kanton meldet einen ersten Coronavirus-Patienten. Dabei handelt es sich um einen 49-jährigen Mann. Fall 8: In steckte sich die Betreuerin einer Kindertagesstätte wahrscheinlich in Mailand an. Kinder, die mit ihr Kontakt hatten, müssen 14 Tage in Quarantäne. Zusätzlich zu diesem Fall meldete einen Verdachtsfall. Für einen jungen Mann mit Wohnsitz ausserhalb des Kantons fiel der Test im Universitätsspital positiv aus. Sechster Fall: In war eine 30-jährige Frau infiziert, die bis vor einer Woche in Mailand war. Sie wird im Triemlispital behandelt. Fall 5: Ein 26-jähriger Mann in wurde mit dem Coronavirus infiziert. Der Patient kam von einer Geschäftsreise nach Verona zurück. Auch im Kanton mit dem Virus angesteckt. Die infizierten Kinder waren mit ihren Familien aus Italien im Oberengadin in den Ferien. Der zweite Fall einer Erkrankung mit dem Coronavirus betrifft einen 28-jähriger Informatiker, der aus Mailand zurückkam. Er wurde am 27. Februar in positiv auf das Virus getestet. Der erste Fall von Coronavirus in der Schweiz: Am 26. Februar wurde im ein 70-jähriger Mann positiv auf das Virus getestet. Der Erkrankte hatte an einer Versammlung in Mailand teilgenommen. Richard Neher ist Professor am Biozentrum der Universität Basel und Experte für die Verbreitung von Viren. Für ihn ist klar, dass sich die aktuelle Epidemie nicht mehr aufhalten lässt. In den nächsten Tagen rechnet er mit einer schnellen Zunahme der Anzahl Erkrankungen. 36 Barttypen – doch welche davon sind mit Atemschutzmasken kompatibel? Die US-Gesundheitsbehörde CDC zeigt auf, welche Styles am sichersten sind. Um sich vor einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus zu schützen, setzen viele Menschen auf Masken, wobei man zwischen Hygiene- und Atemschutzmasken unterscheiden muss. Die einfachen (Bild) sind nach zwei bis drei Stunden durchgefeuchtet. Daher müssen sie dann spätestens ausgetauscht werden. Nur so können sie leisten, wofür sie gedacht sind: die Übertragung von Erregern durch Sekrettröpfchen zu verhindern. Schutz für den Träger bieten sie jedoch nicht. Anders : Je nach FFP-Schutzklasse schützen sie vor ungiftigen Stäuben (FFP1), vor giftigen Stäuben (FFP2) oder vor giftigen und gesundheitsschädlichen Stäuben, Rauch und Aerosolen (FFP3). Um sich vor dem Virus Sars-Cov-2 zu schützen, wird zu FFP3 geraten. Momentan sind die Masken fast überall ausverkauft. Bei Sars-Cov-2 (Bild) handelt es sich um ein Virus, nicht um ein Bakterium. Der Unterschied? Während Bakterien Einzeller mit eigenem Stoffwechsel sind, die sich selbst reproduzieren können, bestehen Viren nur aus einer Eiweisshülle, in der sie ihre Erbsubstanz aufbewahren. Um sich zu vermehren, sind sie auf einen Wirt (Zellen) angewiesen. Unterschiede gibt es auch hinsichtlich der Behandlung: Gegen Bakterien verwendet man Antibiotika, die die Zellwand zerstören oder die Vermehrung hemmen. Gegen Viren werden spezielle Medikamente, sogenannte Virostatika, eingesetzt, die das Eindringen des Virus in einen Wirt verhindern oder das Erbgut des Virus zerstören. (Im Bild:Sars-Cov-2-Partikel) Ersteres beschreibt den Moment der Ansteckung, in dem der Erreger in den Organismus eindringt und diesen im Folgenden stört. Das verrät auch der lateinische Ursprung. Das Wort «infectio» bedeutet so viel wie Vermischung, Verunreinigung, Vergiftung. Die Inkubation (von lateinisch «incubatio») beschreibt dagegen die Zeit, die zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome vergeht. Während dieser vermehren sich die Keime und die Erkrankung etabliert sich im Körper. Bei Covid-19 geht man von einer Inkubationzeit von bis zu 14 Tagen aus. In seltenen Fällen kann sie aber auch bis zu 24 Tage dauern. Der lateinische Ursprung ist auch die Erklärung dafür, warum es beispielsweise infizieren heisst und nicht infiszieren, wie häufig zu hören ist. Auch heisst es Desinfektion und nicht Desinfikation. Bei Ersterem handelt es sich um ein Anzeichen einer Krankheit. Das heisst um eine für eine bestimmte Krankheit charakteristische Erscheinung. Der Ausdruck stammt vom Griechischen «sýmptoma», was Zusammenfall, vorübergehende Eigentümlichkeit bedeutet. Auch der Begriff Syndrom stammt aus dem Griechischen. Konkret vom Ausdruck «syndromé», der «das Zusammenlaufen, Zusammenkommen» bedeutet. Und tatsächlich beschreibt ein Syndrom exakt das: ein Krankheitsbild, das sich aus dem Zusammenkommen von verschiedenen Symptomen ergibt. Ersteres beschreibt eine zeitlich und örtlich in besonders starkem Masse auftretende und ansteckende Erkrankung. Darunter fällt etwa Bei einer Pandemie handelt es sich dagegen um eine Epidemie besonders grossen Ausmasses, die ganze Landstriche und Länder erfasst. Ihre Bezeichnung stammt aus dem Griechischen von «pan» für «alle, jeder» und «demos» für «Volk». (Im Bild: Spanische Grippe, die von 1918 bis 1920 grassierte) Heisst es nun ? Erlaubt ist beides: Ein Virus kann sowohl ein Neutrum als auch maskulin sein. Allerdings empfiehlt der Duden den sächlichen Artikel. Der Ausdruck Virus stammt aus dem Lateinischen, wo «virus» Schleim oder Gift heisst. Das lateinische Substantiv ist ein Neutrum, was den sächlichen Artikel im Deutschen erklärt. Beim kommt es auf die Kombination von Einseifen, Reiben, Abspülen und Trocknen an, sonst bringt es nichts. Das heisst: Die Hände nass machen, dann einseifen, am besten mit Flüssigseife. Die Hände reiben, bis es schäumt. Dabei Handrücken, Fingerzwischenräume, Fingernägel und die Handgelenke nicht vergessen. Anschliessend gut abtrocknen. Es heisst und nicht Karantäne, wie manch einer schreibt. Der Begriff leitet sich vom französischen Wort «quarantaine» ab, was eine Zeitspanne von 40 Tagen bezeichnet. So lange dauerte früher die Hafensperre für Schiffe mit seuchenverdächtigen Personen.

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«Ich bleibe jetzt einfach zu Hause», sagt die Dame am Telefon. Die 71-Jährige wohnt in der Nachbarschaft der Kindertagesstätte Neumatten in Riehen und hatte am Donnerstag direkten Kontakt mit betroffenen Kindern. Stunden bevor bekannt wurde, dass eine Betreuerin positiv auf das Coronavirus getestet worden war. «Sie waren bei mir zum Spielen», erzählt die 71-Jährige. Ihre Nachbarin hatte die Kinder für ihre Schwester von der Tagesstätte abgeholt.

Jetzt ist die Rentnerin sehr verunsichert. «Ich habe die Hotline angerufen, aber da kam ich nicht durch. Jetzt hat mir der Hausarzt geraten, die nächsten neun Tage nicht unter die Leute zu gehen. Jetzt muss ich einfach abwarten.» Die Pensionärin ist selbst ehemalige Leiterin einer Kindertagesstätte. Sie hätte die Kita schon früher geschlossen, sagt sie. Lebensmittel habe sie ausreichend zu Hause. Und sonst helfen die Nachbarn. «Sie stellen mir, was ich brauche, in den Briefkasten», erzählt sie.

Weitere Nachbarn zeigen sich unbeeindruckt

Am Freitagmorgen schien die Stimmung vor Ort dagegen entspannt zu sein. «Ich habe deswegen nicht mehr Angst», sagt eine Seniorin aus der Nachbarschaft. «Ich sehe das Risiko, als ältere Person an einer normalen Grippe zu sterben, höher», zeigt sich auch eine andere Frau unbeeindruckt. Auch andere Nachbarn, die am Freitag rund um die Kita anzutreffen waren, zucken nur mit den Schultern und sehen keinen Grund zur Panik. In der Tagesstätte selbst hält ein Mitarbeiter die Stellung. Er darf jedoch keine weiteren Auskünfte geben.

(lha/lb)