1,28 Meter

27. April 2019 20:22; Akt: 27.04.2019 20:22 Print

Linarosa ist die kleinste Velokurierin der Schweiz

Linarosa fährt für Metropol-Kurier Lieferungen von A nach B. Das wäre nicht ungewöhnlich, wäre sie nicht kleinwüchsig. Davon liess sich die Baslerin aber noch nie einschüchtern.

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Linarosa Hadorn fällt auf, wenn sie sich mit ihrem Rennvelo für eine Lieferung durch die Stadt begibt: Mit ihren 1,28 Meter Körpergrösse dürfte sie die kleinste Velokurierin der Schweiz sein. Die Kleinwüchsigkeit von Linarosa gilt als Behinderung. Als kleinwüchsig gilt, wer ausgewachsen weniger als 1,50 Meter misst. Der Verein kleinwüchsiger Menschen Schweiz geht von rund 4000 Betroffenen in der Schweiz aus.

Ihr Handicap hält Linarosa jedoch nicht davon ab, wie ihre Kollegen die rund 70 Kilometer pro 5-Stunden-Schicht zu fahren. Seit Anfang März arbeitet die 21-Jährige im Schnitt zweimal die Woche für Metropol-Kurier in Basel. Der Kurierdienst, der seit 15 Jahren Tag und Nacht in Betrieb ist, beschäftigt etwa 65 Mitarbeitende, quer durch alle Branchen und Altersklassen hindurch. So auch Linarosa.

Spezialvelo und Kondition

Sport war für die quirlige Baslerin schon immer fester Bestandteil ihres Lebens: «Ich war im Schwimm-Fördertraining von Plusport Schweiz und habe dafür auch mehrmals die Woche trainiert», erzählt sie. Und tatsächlich ist ihre herausragende Kondition einer der Gründe, weshalb sie auch trotz ihres kleineren Rennrads mit dem Tempo ihrer Kollegen mithalten kann: «Wir merken absolut keinen Unterschied zwischen Linarosa und unseren anderen Angestellten, was das Tempo angeht», bestätigt auch Kathrin Schüepp, die stellvertretende Geschäftsführerin vom Metropol-Kurier.

Kondition allein macht es jedoch nicht möglich. Ihr Rennvelo ist genau auf die Bedürfnisse der 21-Jährigen abgestimmt. Die individuellen Anpassungen wie das extragrosse Kettenblatt an der Tretkurbel erlauben es ihr, ihre Energie optimal zu nutzen. Mit einem Kindervelo könnte sie ihre Betriebsgeschwindigkeit nicht erreichen.

«Polizisten winken mir zu»

Grosse Einschränkungen im Strassenverkehr merkt Linarosa nicht. Allerdings fällt ihr auf, dass andere Verkehrsteilnehmer Mühe damit haben, sie und ihr Tempo richtig einzuschätzen, wie sie erklärt: «Viele erwarten von einer kleinen Person nicht diese Fahrgeschwindigkeit, wodurch mir öfter der Weg abgeschnitten wird.» Auch darum habe sie sich angewöhnt, besonders vorausschauend zu fahren und für andere mitzudenken.

Auf eine spezielle Kennzeichnung für mehr Sichtbarkeit im Strassenverkehr verzichtet Linarosa. Sie scheint ohnehin genug prominent zu sein, wenn sie als Velokurierin unterwegs ist: «Die Polizisten winken mir mittlerweile schon zu, ich weiss nicht, ob das so gut ist», scherzt sie.

(jes/kom)