Lörrach (D)

16. Oktober 2019 04:55; Akt: 16.10.2019 04:55 Print

«Die Stimmung gegenüber Schweizern ist schlecht»

Immer wieder sorgen in Lörrach (D) Falschparkierer aus der Schweiz für Ärger. Er wurde von einem Basler sogar ausgelacht, nervt sich ein Einheimischer.

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Auf Schweizer ist man an Lörracher (D) Stammtischen nicht gut zu sprechen. «Die Stimmung ist schlecht», sagt Leser Ralf Keller. Grund dafür ist das respektlose Verhalten von Schweizer Autofahrern im Strassenverkehr.

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Dabei geht es vor allem, um die Schweizer Autofahrer, die ins günstigere Deutschland fahren und dort ihre Autos nicht immer ganz vorbildlich parken. Keller stellte einen jungen Basler Autolenker am vergangenen Samstagmittag zur Rede, als dieser seinen Opel Astra im Parkverbot abstellte. «Als ich ihn warnte, dass er mit 50 Euro Bussgeld rechnen muss, lachte er nur», erzählt Keller.

Der Schweizer habe ihm erzählt, dass er bereits vier oder fünf Busszettel zuhause habe und «immer so parkieren» würde. Bezahle er die Strafzettel nicht, würde auch nichts passieren, soll er behauptet haben.

Schweizer machen sich über deutsche Bussen lustig

Das Verhalten der Schweizer sei mittlerweile Stadtgespräch in Lörrach, meint Keller. «Ich wurde auch schon gefragt, wie viel eine Busse kosten würde, als ich dann mit 15 Euro antwortete, sagten die Personen oft, dass sie für diesen Betrag nicht extra umparkieren.», erzählt er. Es sei auch schon mal spasseshalber gefragt worden, ob das tatsächlich eine Strafe für die Deutschen sei.

Keller ist aufgebracht, «wie soll ich als Lörracher Bürger ruhig bleiben und keine Abneigung gegenüber den Schweizern empfinden oder entwickeln?»

Aber stimmt diese Wahrnehmung auch? Foutieren sich Schweizer Autofahrer wirklich systematisch um die Regeln, sobald sie die Grenze passiert haben? Die Lörracher Stadtverwaltung relativert auf Anfrage: «Das Park- und Zahlungsverhalten von Schweizer Verkehrteilnehmern unterscheidet sich nicht wesentlich von deutschen Verkehrsteilnehmern», sagt Alexander Fessler von der Pressestelle. Aber stimmt es tatsächlich, dass Schweizer nichts zu befürchten haben, wenn sie ihre Parkbussen nicht bezahlen? Dieses Gerücht hält sich zumindest in Deutschland hartnäckig.

Kein grenzüberschreitendes Bussen-Inkasso

Tatsächlich ist an dem Gerücht etwas dran. Denn deutsche Behörden können das Geld nicht in der Schweiz eintreiben und Schweizer nicht in Deutschland. Dies bestätigt auch die Basler Kantonspolizei. Zwar gibt es einen deutsch-schweizerischen Polizeivertrag, der eine Vollstreckungshilfe bei grenzübergreifenden Fällen vorsieht, diese Regelung ist aber noch nicht in Kraft getreten, erklärt Toprak Yerguz, Medienprecher des Basler Justizdepartements auf Anfrage. Die Schweizer seien trotzdem dazu aufgefordert ihre Busse zu bezahlen.

Trotzdem ist man als Schweizer vor dem Inkasso der Busse nicht sicher. Nämlich spätestens wenn man wieder die Grenze nach Deutschland passiert, kann es passieren, dass man von der Polizei angehalten und mit der offenen Forderung konfrontiert wird.

(mhu)