Kontroverse um «Weltwoche» an Uni Basel

01. Oktober 2018 17:03; Akt: 01.10.2018 17:28 Print

«Für mich wäre ein Verbot eine Art Zensur»

Der Studierendenrat möchte, dass die «Weltwoche» nicht mehr gratis in der Uni ausgelegt werden darf. Die Junge SVP zeigt sich schockiert. Studierende sind geteilter Meinung.

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Dem Studierendenrat ist die «Weltwoche» ein Dorn im Auge: Er hat dem Skuba-Vorstand den Auftrag erteilt, das Rektorat davon zu überzeugen, dass künftig keine Gratisausgaben des Blattes mehr ausgelegt werden dürfen. Grund für den Antrag seien die «rassistischen, islamophoben und rechtspopulistischen Inhalte» der Wochenzeitung.

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«Es geht nicht darum, die Meinungsbildung oder die Vielfalt der Medien einzuschränken», so Giuliano Borter, Präsident der Skuba auf Anfrage. An der Uni Basel gebe es viele Studierende mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen. Die Inhalte der «Weltwoche» seien gegenüber manchen Gruppen teils diskriminierend und beleidigend.

«Unduldsamkeit gegenüber Andersdenkenden»

«Der Studierendenrat möchte die ‹Weltwoche› an der Uni nicht komplett verbieten», so Borter. Der Antrag beziehe sich auf Zusatzausgaben, die der Universität gratis zur Verfügung gestellt würden. «Diese Zusatzausgaben sollen verschwinden. Es soll nicht sein, dass bestimmte Medien durch mehr Exemplare eine grössere Plattform erhalten als andere», sagt Borter.

Die Junge SVP Basel-Stadt und Baselland äussern in einer gemeinsamen Medienmitteilung ihr Unverständnis über den Antrag. Die Parteien seien schockiert über die Intoleranz des Studienrates. «Diese Forderung zeugt von Unduldsamkeit gegenüber Andersdenkenden», so die Mitteilung. Sie schockiere insofern, als sie von gebildeten jungen Menschen gestellt werde, von denen erwartet werden könne, dass sie sich auch mit anderen Meinungen als der eigenen auseinandersetzen.

«Die Universität ist ein Ort der Bildung und nicht einer der Zensur wie diese Forderung es darstellt», heisst es in der Mitteilung der Jungparteien. «Wir möchten den Studierendenrat an die Informations- und Medienfreiheit erinnern», so die Jungparteien.

Kontroverse unter Studierenden

Einige Studierende zeigen sich am Montag überrascht über den Antrag. Viele stehen hinter dem Entscheid. «Der Inhalt der ‹Weltwoche› steht nicht im Einklang mit dem, was die Universität Basel vermitteln will», so der Politikstudent Philipp (21). «In einem öffentlichen Institut sollte keine einseitigen politischen Stellungnahmen gratis ausgelegt werden», findet Leonie (25).

Ihr Kommilitone Mario* (30) ist hingegen der Meinung, dass alle Zeitungen in einer öffentlichen Institution gleich behandelt werden sollten. «Für mich wäre ein Verbot eine Art Zensur», so der Naturwissenschaftler.

«Breitestes Meinungsspektrum der Schweiz»

Roger Köppel, Verleger und Chefredaktor der «Weltwoche», findet es absurd, dass man eine Zeitung verbieten will, nur weil ein paar Artikel anscheinend nicht der Meinung des Studierendenrates entsprächen. Das widerspreche der Aufklärung. «Studierende sollen sich doch mit unterschiedlichen Meinungen auseinandersetzen», sagt der SVP-Nationalrat. «Die Weltwoche bietet das breiteste Meinungsspektrum der Schweiz. Rassistische, islamophobe und rechtspopulistische Inhalte haben nichts mit dem Inhalt der Weltwoche zu tun», so Köppel zum Vorwurf des Studierendenrates.

«Weltwoche» liegt schon seit Jahren aus

«Wir haben Kenntnis von diesem Antrag», so Matthias Geering, Sprecher der Universität Basel. Dieser habe jedoch nicht höchste Priorität, da die «Weltwoche» schon seit Jahren in der Universität ausliege. Das Rektorat werde in den nächsten Wochen über den Antrag entscheiden. Wie wahrscheinlich ein Bann der «Weltwoche» ist, kann Geering nicht sagen.

*Name von der Redaktion geändert

(lb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lukas am 01.10.2018 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    Die Toleranz der Toleranten hört genau dann auf, wenn jemand eine andere Meinung hat. In der Regel ist dies relativ rasch der Fall...

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  • Daisydream am 01.10.2018 11:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Intoleranz hoch zwei

    Wer es lesen will, soll es lesen. Wer nicht, der soll es lassen. Problem gelöst. Wenn sowas im Leben von Studierenden Priorität hat, sehe ich schwarz für die Zukunft.

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  • Paulino am 01.10.2018 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Studenten sind ab und zu mal am durchdrehen

    Die Weltwoche ist eine der besten Zeitungen es in der Schweiz noch gibt. Es gibt nur noch ein paar wenige Zeitungen die den Andern nicht abschreiben und dazu gehört die Weltwoche.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Orakel am 01.10.2018 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Wächterrat

    Zuerst dürfen Zeitungen nicht ausgelegt, später dann nicht gelesen werden. Zuständig ist der Wächterrat. Ist das die Zukunft?

  • Andy Honegger am 01.10.2018 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach ja?

    "Unduldsamkeit gegenüber Andersdenkenden" - genau das demonstriert die SVP tagtäglich selber und die Weltwoche eben wöchentlich. Die beiden fordern von allen anderen genau jene Toleranz die sie selber nicht haben.

  • UWE am 01.10.2018 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wissen macht stark!

    Das Gegenteil sollte der Fall sein. Die Weltwoche sollte zur Pflichtlektüre werden. Dies als Ausgleich zur linken Mainstream-Presse!

  • Baslerbebbi am 01.10.2018 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meinungsmonopol !

    Das passt ins Bild, was ich fast täglich schreibe: Meinungsmonopl Schweiz angelehnt an eine Meinungsdiktatur in der EU. Und die Aktion Libero (was "Frei" heissen soll) findet das sicher auch gut.

  • Alt-Studiosus am 01.10.2018 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Auch Meinungsfreiheit hat Grenzen!

    Bin sehr für Toleranz& Meinungsfreiheit, aber was diese Art Beeinflussung"des geistigen Eigentums,"wozu die persönliche Meinung gehört, hört Toleranz ganz klar auf. Wer nur ein ganz klein wenig reflektiert, merkt sehr wohl, was das gratis Auflegen einer derart umstrittenen, tendenziösen Zeitung wie die Weltwoche in einer Lehranstalt, was auch eine Uni ist, bedeutet resp. bewirken soll.Solche Art der Beeinflussung der persönlichen Meinung junger, noch beeinflussbarer Menschen, ist absolut inakzeptabel!So ähnlich begann die"Geschichte" schon im letzten Jahrhundert.Wohin das führte ist bekannt.