Brutale Vergewaltigung in Basel

02. Februar 2020 20:04; Akt: 02.02.2020 20:04 Print

«Die beiden Täter waren auf einem Streifzug»

Am Samstagmorgen wurde an der Basler Elsässerstrasse eine junge Frau vor ihrer Haustüre vergewaltigt. Der forensische Psychiater Thomas Knecht erklärt, wie solche Kapitalverbrecher ticken.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Samstagmorgen wurde eine junge Frau an der Basler Elsässerstrasse Opfer eines Sexualdelikts. Die beiden Täter sind flüchtig. Die beiden unbekannten Männer sprachen die Frau im Tram an und begleiteten sie anschliessend zu Fuss zu ihrem Wohnort. Als sich die Frau vor ihrem Hause verabschieden wollte, hielt sie einer der Männer fest, während der andere sie vergewaltigte.

Thomas Knecht, war dies eine spontane Tat oder gingen die Täter gezielt auf Opferjagd?
Ich kann fast nicht glauben, dass die Tat spontan war. Sobald es sich um mehr als einen Täter handelt und sie miteinander kooperieren, zeigt sich eigentlich, dass ein Plan bestanden hat. Dass sie sich an die Fersen des Opfers geheftet haben und sie bis nach Hause verfolgten, bestätigt diese Annahme. Die Täter waren auf einem Streifzug und wussten, was sie machen.

Was geht im Kopf solcher Täter vor? Wieso vergewaltigen sie?
Da gibt es verschiedene Motive. Ich müsste die beiden Täter kennen, um genau sagen zu können, was bei ihnen zur Tat führte. Von was wurden sie geprägt? Was für eine Kultur haben sie? Und wie ist ihre Einstellung gegenüber dem anderen Geschlecht? Sie könnten es aufgrund einer Machtprobe, einer sadistischer Veranlagung oder aus sexuellem Notstand getan haben. Wollten sie die Frau demütigen, herausfinden, was das für eine Erfahrung ist? Oder handelte es sich bei den Tätern um Jungfrauen, die mal «probieren» wollen?

Die Frau wurde direkt vor ihrer Wohnungstür vergewaltigt, was macht dies mit einem Opfer?
Der Ort ist meistens weniger wichtig als das menschliche Element.

Wie ist das zu verstehen?
Je nachdem ob ein Opfer von einer fremden Person oder einem Bekannten vergewaltigt wurde, hinterlässt das ein anderes Trauma. War es ein «fremder böser Mann», der plötzlich aufgetaucht ist oder eine dem Opfer bekannte, vertrauenswürdige Person, die sein Vertrauen missbraucht hat?

Ist der Ort, wo die Vergewaltigung stattfindet, nebensächlich?
Nein. Es macht einen Unterschied, ob die Tat zum Beispiel an einem vertrauten, geschützten Ort oder im öffentlichen Raum geschieht. Bei Letzterem ist das Opfer völlig ausgestellt und schutzlos.

Sollte die Frau den Wohnort wechseln und Distanz zum Tatort schaffen?
Oft reaktivieren bestimmte Orte, Gerüche oder andere Daten ein Trauma. Wenn die Frau nicht verkraftet, dass sie den Ort, an dem sie vergewaltigt wurde, täglich sehen muss, dann ist ein Ortswechsel unumgänglich.

Wie kann das Geschehene bewältigt werden?
Es hilft zum Beispiel, wenn Opfer in einer Therapie mit dem Erlebten konfrontiert werden. So lernen sie den Tatort wieder als neutralen Ort zu betrachten, der er sie nicht jedes Mal aufwühlt, wenn sie ihn wieder sehen. Das Ziel der Therapie sollte sein, dass die Betroffenen das Erlebnis als abgeschlossene Akte ihres Lebens zurücklegen können.

(mhu)