Feuerwehrleute verunfallt

16. Oktober 2019 19:08; Akt: 16.10.2019 19:17 Print

«Die müssen jetzt Lehrgeld zahlen»

In Rheinfelden mussten zwei Feuerwehrleute nach einem Unfall ihren Ausweis abgeben. Sie waren auf dem Weg zu einer Alarmübung. Ihr Kommandant hat kein Mitleid.

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Nach dem Alarmaufgebot hatten es die beiden Feuerwehrleute eilig und wollten so schnell wie möglich beim Magazin einrücken. In ihren Autos, einem VW Golf und einem BMW, fuhren sie dicht hintereinander und liessen sich auf dem geraden Abschnitt vor der Bahnhofunterführung in Rheinfelden dazu hinreissen, einen Gelenkbus zu überholen.

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In diesem Augenblick nahte ein Auto aus der Gegenrichtung. Der Busfahrer erkannte die Gefahr und bremste sofort ab. Dem Golf reichte es gerade noch zurück auf seine Spur, der BMW kam zu spät und kollidierte mit dem entgegenkommenden Auto und dem Bus. Verletzt wurde niemand, der Unfall hat aber gravierende Folgen für die beiden Feuerwehrmänner. Die Kantonspolizei Aargau verzeigte beide und kassierte noch an Ort und Stelle ihre Führerausweise.

In ihrer Mitteilung vom Mittwoch hält die Kapo fest: «Trotz des alarmmässigen Aufgebots waren sie als Lenker ihrer Privatautos nicht berechtigt, von den Verkehrsregeln abzuweichen.»

Standpauke vom Kommandanten

Marc Leber, der Kommandant der beiden 25-Jährigen, hat gar keine Freude am Zwischenfall. «Wenn ihr einrückt, seid ihr Zivilpersonen, es gelten die normalen Regeln», das sage er seinen Leuten immer wieder. Auch wenn im Brandfall eine rasche Einsatzbereitschaft der Feuerwehr im Interesse der Bevölkerung ist, mahnt Leber, der beruflich Staatsanwalt ist, zur Vorsicht. «Die paar Sekunden sind nicht entscheidend.»

Mit den beiden Verkehrssündern, werde es nochmal eine Aussprache geben, sagt Leber. «Die müssen jetzt Lehrgeld zahlen.» Er hoffe auch, dass der Unfall und die Folgen Signalwirkung hätten.

Leber, der auf über 30 Jahre Feuerwehr-Erfahrung zurückblicken kann, mahnt auch bei Blaulichtfahrten zur Vorsicht. «Ich halte mich auch dann immer an die Geschwindigkeitsbegrenzung», sagt er. Denn mit einem Unfall unterwegs zu einem Brand wäre niemandem geholfen.

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leu am 16.10.2019 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja..

    Leber hat eindeutig recht, das sag ich selber als FeuerwehrOffizier. Es ist gut möglich das die Polizei mal ein Auge zudrückt bei einem Alarm (was ich auch gut finde ) nur sollte bzw. Muss es immer im Angemessen Rahmen bleiben. Es gibt ja auch Gesetze bei Blaulicht fahrten und auch da ist immer der Fahrer für die Sicherheit verantwortlich, wieso sollte es ohne Blaulicht anders sein? Ich kenne den Stress nur zugut wenn man mitten in der Nacht zu einem Einsatz muss, aber die Sicherheit geht vor. Ps:Was ist das Erste auf einem Schadenplatz? Eigensicherheit

  • Minnie Mouse am 16.10.2019 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Regeln gelten für andere

    Tja, wer bei einer durchgezogenen Linie überholt, ist schon ein bisschen dämlich - Aufruf zum Einsatz hin oder her! Die beiden können froh sein, dass nicht mehr passiert ist!

  • Feuer Wehrler am 16.10.2019 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geschätzte Kollegen

    Für die beiden, relativ jungen Feuerwehr-Angehörigen auf's erste schwer zu verstehen, jedoch das einzig richtige, denn andere zu gefährden ergibt (wie in diesem Fall) höchstens noch ein Blaulichteinsatz mehr. Ich musste auch etwas älter werden um dies zu verstehen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • beni am 17.10.2019 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausnahme Polizei

    polizisten verletzen jede regel - keiner tut was dagegen. rasen mit blaulicht, alle mittwl sind recht! die parken wo sie wollen und behindern fussgänger und rillenden verkehr. darauf angesprochen folg die ausrede: einsatz. trottoirs, strassen, verbote: man erlaubt sich einfach alles!

  • Jens Hauser am 17.10.2019 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gibts überall

    Ich kenne einen Feuerwehr Maschinisten, wohlbemerkt Stabsmitglied, welcher bei jedem nur achso kleinen Einsatz mit dem TLF mit Vollgas und allem drum und drann losbraust... Beim letzten mal war an einer Tankstelle bei einem Fahrzeug etwas Diesel ausgelaufen. TLF Maschinist fuhr mit 70 durchs Dorf, bei einer unübersichtlichen Stelle hätts fast geknallt...

  • Meret (Feuerwehroffizierin) am 17.10.2019 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist ganz einfach...

    Nun, es ist ganz einfach. Meinen Feuerwehrleute gebe ich mit: Beeile Dich beim An- und Umziehen, beeile Dich auf dem Weg zum Auto. Aber nimm lieber den Lift, weil Du auf der Treppe in der Hektik stürzen könntest und fahre auf der Strasse streng nach Gesetz. Wenn Du einen Unfall baust, fehlst Du uns im Einsatz. Lieber Du kommst 30 Sekunden später an, aber Du kommst an!

  • Jangdebang am 17.10.2019 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht nur die Feuerwehr...

    ...sondern auch die Polizei rast öfter einmal über dem Limit daher. Auch diese sollten sich eine Standpauke anhören müssen und mit entsprechenden Konsequenzen sanktioniert werden.

  • Steff R. am 17.10.2019 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    ehemaliger Seeretter

    Wir hatten auch stets den Pager auf Mann. Bei Alarm hiess es; innert 10 Minuten im Bootshaus sein, Schiff klar machen zum Ausrücken. Klar, im Notfall zählt jede Sekunde, doch es wurde uns eingbläut, dass dies kein Grund ist, die StVO zu übertreten. Somit gibt es eine zweite Interventionstruppe, die sich in Bereitschaft am Bootshaus hält um die Rettungskette an Land zu koordieniern und garantieren, oder als Zweitintervention parat ist. Es ist suboptimal, wenn aus einem Blaulichteinsatz zwei oder mehrere werden und dadurch zusätzliches Gefahrenpotential entsteht.