Strafgericht BL

17. Juli 2019 05:07; Akt: 17.07.2019 10:43 Print

Zu Oralsex gezwungen, bis sie erbrechen musste

Über Jahre hinweg soll ein Deutscher eine 30 Jahre jüngere, behinderte Frau zu Oralsex gezwungen haben. Gleichzeitig habe er sie in die soziale Abhängigkeit getrieben.

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Als sie sich kennenlernten, war sie 17 und er 46. Die junge Frau, die an einer Entwicklungsstörung leidet, absolvierte zwischen 2010 und 2013 eine Lehre in einer Baselbieter Eingliederungsstätte. Dort traf sie ihn, ihren mutmasslichen Peiniger, der sich am Mittwoch, 17. Juli 2019 vor dem Strafgericht in Muttenz BL verantworten muss.

Was im August 2010 als eine Freundschaft zwischen ungleichen Arbeitskollegen begann, endete in einer psychischen und körperlichen Tortur für die Frau, wie der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft zu entnehmen ist. Die Behörde wirft dem Mann mehrfache sexuelle Handlungen mit Abhängigen sowie mehrfache Ausnützung einer Notlage vor.

Er machte sie sozial abhängig

Der gut 30 Jahre ältere Mann war ihr «kognitiv überlegen», hält die Anklage fest. So sah das mutmassliche Opfer, das aus zerrütteten Familienverhältnissen stammt, den Beschuldigten als «Vaterfigur» an. Dies habe er im Wissen um ihre Behinderung ausgenutzt und sie zu seiner Familie eingeladen.

Zwischen 2011 und 2012 verbrachte sie fast jedes zweite Wochenende am Wohnort des Beschuldigten in Deutschland, mit dessen Frau und Tochter, die für sie zu Bezugspersonen wurden.

Für die Staatsanwaltschaft ist klar, dass der Deutsche ihr vor allem darum eine Ersatzfamilie anbot, um ein Druckmittel gegen sie in der Hand zu haben. Die Rede ist von Abhängigkeit.

Zum Oralsex genötigt

Am gemeinsamen Arbeitsplatz, wo der Deutsche im Rahmen einer IV-Massnahme tätig war, soll er die Frau «praktisch täglich» in den Keller oder die Tiefgarage geführt und sie zu Oralverkehr genötigt haben. Sie habe es gegen ihren Willen über sich ergehen lassen und sich damals niemandem anvertraut, weil sie Angst um ihre Beziehung zur Familie des Mannes sowie um ihre Lehrstelle gehabt habe. Er soll ihr entsprechend gedroht haben.

Beim ersten Mal «drückte er ihr den Penis so weit in den Mund, dass sie würgen und sich anschliessend übergeben musste», heisst es in der Anklageschrift. Nach dem Orgasmus habe er sie gezwungen, sein Sperma zu schlucken. Zudem soll er sie immer wieder mit sexueller Absicht an verschiedenen Stellen des Körpers berührt haben.

(las)