Strafgericht BS

22. Januar 2018 17:44; Akt: 22.01.2018 22:15 Print

«Er vergewaltigte mich – ohne Kondom»

Ein 25-jähriger Spanier lockte nach einem Kleinbasler Quartierfest eine Frau zu sich nach Hause. Ein Nein wollte er nicht akzeptieren. Der Angeklagte bestreitet, dass er sie vergewaltigte.

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Das Opfer und der Angeklagte trafen sich an einem Strassenfest in der Basler Bärenfelserstrasse. (Bild: Google Street View)

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Opfer und Angeklagter trafen sich am 9. September 2017 an einer Latino-Party in der Basler Bärenfelserstrasse. Sie kannten sich bereits flüchtig und beschlossen gegen Mitternacht, mit ein paar Kollegen in die Fass-Bar weiterzuziehen. Als sich das Lokal leerte, wollten die beiden eine andere Party aufsuchen. «Ich habe den Alkohol sehr gespürt, folgte ihm ohne Hintergedanken und realisierte dann, als wir vor einem Wohnhaus standen, dass er mich zu sich nach Hause gebracht hatte», erzählte die 35-Jährige am Montagmorgen vor dem Strafgericht Basel-Stadt.

«He, wir wollten doch an das Fest», habe die zweifache Mutter protestiert. Der 25-Jährige habe jedoch auf sie eingeredet: «Tranquila, ganz ruhig.» Angst habe sie zu diesem Zeitpunkt noch keine verspürt. Der Beschuldigte habe sie dann in die Wohnung gedrängt, gepackt und aufs Bett gedrückt. «Er fasste mich zwischen den Beinen an. Ich sagte ihm, ich will das nicht. Er hat einfach nicht aufgehört.»

Sie versuchte, die Nachbarn zu alarmieren

Als der Spanier sich auf sie stützte, ihr die Hose und den Slip abstreifte, habe sie versucht, ihn zu kratzen und geschrien, dass sie ihn anzeigen werde. Doch die Selbstverteidigungs-Versuche scheiterten. «Ich lag auf dem Bauch, er hielt meine Arme und drückte mein Gesicht in die Matratze. Dann ist er in mich eingedrungen – ohne Kondom», schildert sie.

Als er relativ schnell von ihr abgelassen habe, habe sie ihn gefragt, warum er ihr das antue. Warum sie denn freiwillig mitgekommen sei, habe er ihr vorwurfsvoll an den Kopf geworfen. Sie habe einen Fluchtversuch gestartet, rammte ihm ihr Knie zwischen die Beine und versuchte aus der Wohnung zu stürmen, um bei den Nachbarn zu klingeln.

Doch ihr Angreifer habe sie zurück aufs Bett gezogen und ein zweites Mal vergewaltigt. «Ich fing an, laut zu schreien, weil es ganz fest wehgetan hat.» Um die Schreie zu unterbinden, habe er ihr seine Hand vor ihren Mund und Nase gepresst. «Ich konnte kaum noch atmen.»

«Ich flehte um mein Leben»

Um zu verhindern, dass sie die Nachbarn durch ihre Schreie alarmierte, habe er sie geknebelt, ihr die Augen verbunden und durch das Haus geführt. In einem unbeobachteten Moment habe sie sich die Binde von den Augen gerissen und gesehen, dass sie durch den Kellergang gingen. «Ich dachte, er bringt mich dort um, und flehte um mein Leben.»

In diesem panischen Zustand habe er sie aus dem Haus geführt und noch einige Blocks weit begleitet, um sie dann auf der Strasse zurückzulassen. Die 35-Jährige erstattete gleich nach dem Vorfall Anzeige. Laut medizinischem Gutachten erlitt sie unter anderem Verletzungen im Intimbereich.

Ihr Peiniger bestreitet jegliche Schuld

Der Beschuldigte wies während der Verhandlung jegliche Vorwürfe von sich. Es habe sich um einvernehmlichen Sex gehandelt und er habe den Akt sofort unterbrochen, als er bemerkt habe, dass sie sich seltsam verhalte.

Die Staatsanwältin will den Angeklagten 40 Monate hinter Gittern wissen. Zudem fordert sie eine Busse von 3000 Franken sowie einen siebenjährigen Landesverweis.

Das Urteil wird am Dienstag gesprochen.

(jd)