Tierquälerei

08. November 2018 05:46; Akt: 08.11.2018 08:30 Print

Schüler kickten Igel wie einen Fussball

Auf einem Kleinbasler Spielplatz wurde ein Igel von Schülern beinahe zu Tode gequält. Eine Frau rettete das Tier. Nun ermittelt die Jugendanwaltschaft.

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Ein Igel wurde letzte Woche auf dem öffentlichen Spielplatz beim Geissliweg in Kleinbasler Quartier Kleinhüningen Opfer von minderjährigen Tierquälern, die das Tier beinahe zu Tode getreten haben. Eine Mutter und ihre Tochter haben gesehen, wie mindestens ein Jugendlicher der Dreiergruppe nach dem Igel getreten hat. Die 32-Jährige war schockiert. «Er holte aus wie ein Fussballspieler», erzählt sie.

Zunächst habe sie gar nicht gesehen, wer oder was das Ziel des Tritts war. Dann habe sie aber realisiert, dass es bei dem Zugang zum Spielplatz geschah, den der in der Genossenschaft bekannte Igel als Zugang nutzt. Und sie fürchtete, dass es der Igel sein könnte, gegen den die Schüler kickten.

«Danach sah ich den Igel zitternd am Boden liegen. Ich dachte, das kann nicht sein. Ich bin so erschrocken, dass ich den Tränen nah war», erzählt sie betroffen. Im Kinderwagen habe sie das verletzte Tier zum Tierarzt gebracht. Der Vorfall wurde der Polizei und der Schule, die die jungen Tierquäler besuchen, gemeldet.

Lunge in Mitleidenschaft gezogen

Der behandelnde Tierarzt Till Suter von der Praxis am Riehenring rettete dem stachligen Gesellen wohl das Leben. «Der Igel hat ein stumpfes Trauma erlitten. Wir hatten den Verdacht auf Risse und Blutungen in der Lunge», sagt er. Die Symptome seien hoch akut gewesen: Er habe stark gehechelt.

Es gelang ihm aber schliesslich, das Tier zu stabilisieren. «Wir gaben ihm Sauerstoff und konnten die Schmerzen und einen bevorstehenden Infekt behandeln», so Suter weiter. Inzwischen habe sich das Tier soweit erholt, dass es auf die Igelstation des Tierschutz beider Basel verlegt werden konnte. Dort wurde er auf den Namen Sorbet getauft. «Wir sind sehr happy», sagt Suter erleichtert.


Igel Sorbet erholt sich im Basler Tierheim. (Video: 20 Minuten)

Polizei eingeschaltet

Laut der Mutter nahm die Polizei den Sachverhalt noch am Abend des Vorfalls auf und befragte Zeugen. Kriminalkommissär Peter Gill bestätigt gegenüber 20 Minuten, dass eine Anzeige wegen Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz bei der Staatsanwaltschaft eingegangen ist.

«Da Hinweise auf eine jugendliche Täterschaft vorliegen, ermittelt nun die Jugendanwaltschaft», so Gill weiter. Mehr Informationen könne er über ein hängendes Verfahren nicht preisgeben.

Wohl nur milde Strafe zu erwarten

Eine allzu schmerzhafte Strafe haben die minderjährigen Täter jedoch kaum zu befürchten. Laut der Stiftung Tier im Recht seien zwei Jugendliche, die im Kanton Aargau einen Igel ebenfalls getreten, dann aber auch noch mit Benzin übergossen und angezündet haben sollen, zu je zwei Tagen unentgeltlicher Arbeit verurteilt worden.

Ein 15-Jähriger, der 2015 eine Katze mit einem Hammer erschlagen und mit einem Video von der Tat im Internet geprahlt hatte, kam laut dem «Blick» mit einer Geldstrafe von 240 Franken davon.

Der Grund für die milden Strafen sei die in erster Linie «korrigierende» Ausrichtung des Jugendstrafrechts, so die Stiftung. Es werde erzieherischen Massnahmen mehr Bedeutung zugemessen als der blossen Bestrafung der Tat.

(las/lha)