Strafgericht BS

23. Juli 2019 11:48; Akt: 23.07.2019 12:20 Print

Sorry verweigert, Gefängnis kassiert

Ein 54-Jähriger riss eine Velofahrerin um und beleidigte sie aufs Übelste. Mit einer Entschuldigung hätte sich der Mann eine Strafe ersparen können, doch er blieb stur.

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Der Beschuldigte, ein in Basel wohnhafter Schweizer, hatte am 7. September 2018 eine heute 48-jährige Frau in der Dreirosenanlage in Basel vom Velo gerissen. «Was soll das?», stellte ihn die Frau zur Rede. «Du dumme Sau», gab er ihr zurück, zusammen mit weiteren ehrverletzenden Beleidigungen. Als sie mit dem Handy ein Bild von ihm machen wollte, nahm er ihr das Gerät weg und versuchte es in den Rhein werfen, kam aber nur bis zum Ufer.

Durch den Sturz erlitt die Frau einen Kniebandriss, mehrere Muskelabrisse und eine Prellung und war dadurch zwei Wochen lang komplett arbeitsunfähig. Sie spüre die Folgen der Attacke heute noch beim Gehen, gab die Frau am Dienstag vor dem Basler Strafgericht zu Protokoll.

Der 54-Jährige bestritt seine Tat. Vielmehr behauptete er, die Frau sei in ihn hereingefahren. Das Bild habe sie wohl machen wollen, um es ihren «Freunden zu schicken», damit sie ihn «zusammenschlagen» könnten. Sie wiedersprach dezidiert:
«Er packte mich am Arm und riss mich vom Velo».

Keine diplomatische Lösung

Einzelrichter René Ernst versuchte, die Angelegenheit diplomatisch zu lösen und bot dem Opfer an, dass sie den Strafantrag zurückziehen könne, wenn sich der Mann bei ihr entschuldige. Während sich die Frau bereit zeigte, darauf einzugehen, blieb der Beschuldigte stur: «Gott weiss und ich weiss, dass ich es nicht getan habe», beteuerte er.

Da er sich partout nicht entschuldigen wollte und an seiner Version festhielt, blieb Ernst nichts anderes übrig, als die Aussagen der Beteiligten gegeneinander abzuwägen. Am Ende erachtete er die Version des Opfers als nachvollziehbarer. «Offenbar kam Ihnen die Velofahrerin irgendwie schräg rein. Es hat ihnen den Deckel gelüpft und Sie haben sie runtergerissen», urteilte der Richter.

Vorbestraft und hoch verschuldet

Seine Vorstrafen, unter anderem wegen einfacher Körperverletzung, zeichneten kein wohlwollendes Bild vom Beschuldigten. Richter Ernst attestierte ihm eine «kurze Zündschnur». Deshalb sprach ihn das Gericht in allen Anklagepunkten schuldig und verhängte eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Monaten. Zudem wurden drei bedingte Geldstrafen als vollziehbar erklärt, weil der Mann in der Probezeit delinquiert hatte. Insgesamt sammelten sich so 120 Tagessätze an.

Weil er aber mit rund 164'000 Franken in der Kreide steht, weitestgehend arbeitsunfähig ist und von der Sozialhilfe lebt, wurde die Tagessatzhöhe beim Mindestbetrag von 10 Franken belassen. Um eine Busse von 300 Franken kommt er aber nicht herum. Und auch die Verfahrens- und Urteilskosten von rund 1100 Franken muss er tragen.

(las)