Getöteter Igel

02. April 2019 19:29; Akt: 02.04.2019 19:29 Print

«Es gibt Menschen, die Freude am Quälen haben»

Warum töten Menschen ein Tier auf grausame Weise? Der forensische Psychiater Ralph Aschwanden gibt Einblick in die Köpfe von Sadisten.

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In der Nacht auf den 31. März wurde in Reinach BL auf einem Spielplatz ein Igel grausam getötet. Laut Zeugen wurde er mit Steinen und Bierflaschen erschlagen und dann einem Anwohner in den Briefkasten gelegt.

Der forensische Psychiater Ralph Aschwanden kann sich zwei Szenarien vorstellen: «Wenn das Tier noch gelebt hat, als es so zugerichtet wurde, geht es in Richtung Sadismus. War es bereits tot, hatte jemand einen Groll gegen den Besitzer des Briefkastens», sagt er.

Feiglinge, die einem Psychopathen nachlaufen

«Es gibt Menschen, die Freude am Quälen verspüren», so Aschwanden weiter. In der Jugend übe man an Tieren und gehe dann irgendwann auf Menschen über. «Ein rücksichtsloses Ausleben des Sadismus geht meist mit einem Fehlen von Einfühlungsvermögen und Gewissensbissen einher», sagt er.

«Agieren die Täter in einer Gruppe, sind es meistens unsichere Feiglinge, die einem psychopathischen Alphatier in der Gruppe zu imponieren versuchen», erklärt Aschwanden. Deshalb dürfe man nicht alle verteufeln.

Viele glauben nicht, dass es solche Menschen gibt

Die Psychopathen, die bei solchen Taten die Rädelsführer sind, leben laut Aschwanden im Hier und Jetzt und scheren sich nicht um Konsequenzen. Für sie zähle nur die momentane Lustbefriedigung. Wiederholte Taten würden bei ihnen keine Belastung aufbauen, sie suchten nur den nächsten Kick, oft in der Kriminalität.

«Häufig geben Menschen der bösen Umwelt die Schuld daran. Das mag für die Feiglinge um den Psychopathen stimmen, die den Mut nicht finden, für das einzustehen, was sie richtig finden», hält Aschwanden fest. Aber die Psychopathen, geboren ohne die schützenden Gefühle wie Angst, Scham und Gewissensbisse, gebe es wirklich.

Zwar seien nicht alle Menschen ohne diese schützenden Gefühle automatisch Gewaltverbrecher. Aber wenn die Psychopathen zusätzlich am kriminellem Verhalten, noch schlimmer an sexuellem Sadismus Freude hätten, entstünden «wahre Monster», so der Psychiater.

War der Anwohner das Ziel oder nur Kollateralopfer?

Aschwanden erachtet es als wichtig, dass abgeklärt wird, wer genau was getan hat. Es könne sein, dass der Anwohner, dem der Igel in den Briefkasten gelegt wurde, rein zufällig gewählt wurde, nachdem die Tat vollbracht war.

«Andererseits könnte jemand das Tier bereits tot aufgefunden und aus Rache bei der Person deponiert haben», sagt er. Da der Jagdaufseher Anzeige erstattet hat, wird sich die Baselbieter Staatsanwaltschaft des Falls annehmen.

(las)