Meisterfälscher Beltracchi

09. Juni 2017 05:42; Akt: 09.06.2017 05:42 Print

«Es gibt immer einen Grund, mich anzufeinden»

Wolfgang Beltracchi hat während 40 Jahren über 300 Bilder gefälscht – und ging dafür ins Gefängnis. In Riehen zeigt der rehabilitierte Künstler nun seine eigenen Werke.

Meisterfälscher Wolfgang Beltracchi spricht über seine kriminelle Vergangenheit und wie er heute damit umgeht. (Video: rob)
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Wolfgang Beltracchi (66) ist der grösste Kunstfälscher der Nachkriegszeit. Während Jahrzehnten hatte der Deutsche Kunstwerke im Stil namhafter Künstler wie Max Ernst oder Fernand Léger geschaffen und sie mit deren Signatur versehen. Damit täuschte er zusammen mit seiner Frau den internationalen Kunsthandel und verdiente zwischen 20 und 50 Millionen Euro. Als bei einem der gefälschten Gemälde modernes Titanweiss festgestellt wurde, flog der Schwindel auf und Beltracchi wurde im Oktober 2011 wegen gewerbsmässigen Bandenbetrugs zu sechs Jahren Haft, seine Frau Helene zu vier Jahren verurteilt.

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«Dass ich die Bilder gemalt habe, bereue ich sicher nicht. Dass ich die Unterschriften gefälscht habe, hingegen schon», sagte Beltracchi, der seit März 2017 am Vierwaldstättersee wohnt, am Donnerstag in der Galerie Lilian Andrée in Riehen. 22 seiner Werke zeigt der ehemalige Meisterfälscher dort vom 11. Juni bis zum 9. Juli. Bis zu 50'000 Franken kostet ein Bild – und jedes davon ist signiert mit den Lettern «W. Beltracchi».

Bedient er sich wieder bei anderen Künstlern?

Thema der Ausstellung sind die Ballets Russes, ein ursprünglich russisches Ballett-Ensemble der 1920er-Jahre, das Bühnentanz und Kunst auf eine revolutionäre Art vereinte. Beltracchis Bilder wirken dabei wie eine Reise zurück in der Kunstgeschichte: Man hat das Gefühl, alles irgendwo bereits gesehen zu haben.

Hat er sich da etwa wieder bei anderen Künstlern bedient? «Ich benutze Handschriften von anderen Malern aus anderen Jahrhunderten. Aber das hat jeder Maler zu jeder Zeit gemacht», erklärt Beltracchi. Auch wolle er sich nicht dem Diktat der Kunsthändler unterwerfen, das vom Künstler eine klare Linie verlange. Dies vermindere den kreativen Fluss. «Ich male keine Marken.»

An der Art von Galeristen beschimpft

Dass er überhaupt noch malt, passt vielen nicht in den Kragen: «Irgendeinen Grund finden die immer, um mich anzufeinden», sagt er und lacht. Mit «die» meint er beispielsweise die Grossgaleristen, die an der Art 2016, als er zeitgleich im Hotel Ramada in Basel ausgestellt hatte, zu ihm rüberkamen und ihn beschimpften. Und auch in den deutschen Galerien, die dem Galeristenverband angehören – und dies seien fast alle –, darf er gar nicht mehr ausstellen.

Galeristin Lilian Andrée, die seine Ausstellung in Riehen beherbergt, kann dies nicht nachvollziehen. «Ich zeige, was mir gefällt. Und wenn die Qualität stimmt, dann kann ich dahinter stehen», so Andrée. Die Zusammenarbeit mit dem Meisterfälscher habe ihr einiges an Kritik eingebracht. Aber damit kann sie gut leben. «Ich bin schon vor 20 Jahren aus dem Schweizer Galeristenverband rausgeflogen», sagt sie.

(rob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Volkan S. am 09.06.2017 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Differenzieren

    Mal abgesehen vom Betrug, der sicherlich geahndet werden musste, ist er doch ein genial talentierter Maler. Wer kann denn schon verschiedene Stilrichtungen derart authentisch nachmalen, dass sogar Experten sich täuschen lassen? Wenn er die Bilder unter eigenem Namen veröffentlicht hätte, wäre er sicher sehr erfolgreich und international anerkannt worden.

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  • Eva B am 09.06.2017 07:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der beste Maler zur Zeit.

    Richtig! Unter den Malern ist immer Eifersucht vorhanden. Sicher hat schon mancher irgend etwas abgeguckt. Das ist nicht nur bei den Malern so, das kommt überall vor. Die Kunstwerke von Herr Beldracchi sind einzigartig, wunderbar mit Gefühl gemalt. Einfach ein grossartiger Künstler der von Malen und Farben etwas versteht. Übrigens: er ist auch sehr sympathisch mit samt Gattin.

  • segel1100 am 09.06.2017 07:19 Report Diesen Beitrag melden

    freu ich mich wirklich drüber .. klasse

    ;) riehen ist doch immer mal wieder einen ausflug wert ...

Die neusten Leser-Kommentare

  • tipeji am 09.06.2017 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betrüger

    50 Mio. verdient... 6 Jahre Knast... Wie ist das jetzt, musste er das Geld zurückgeben oder kann er mit diesen 50Mio. den Rest seines Lebens geniessen? :)

    • Jaws am 09.06.2017 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @tipeji

      Er wohnt ja am Vierwaldstätter See, kannst dir ja denken ob ers behalten hat oder nicht:-)

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  • LEona am 09.06.2017 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    wirkt irgendwie sympathisch

    bisschen schade dass er mal Gaunaer war, aber ich glaube der hat's inzwischen ganz ordentlich hingekriegt =)

  • Moni am 09.06.2017 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Super Maler

    Er ist einfach Genial.......die Bilder so zu kopieren, dass man den Unterschied nicht sieht...wow kann ich da nur sagen......wenn Er die Bilder als Kopie verkauft ist doch das ok.........

  • Abbas Schumacher am 09.06.2017 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Konrad Paul Kujau war besser...

    Er hat nicht nur einfach Bilder gefälscht, da wurde auch die Leinwand, der Bilderrahmen zu 100% nachgemacht! In seinem Atelier in Stuttgart hat er zudem auch junge Maler in der Kunst des Fälschens ausgebildet. Nach seiner Haftzeit wegen der Fälschung der Hitler Tagebücher, fälschte er die Bilder mit korrekter Angabe mit seiner Unterschrift. Zudem wurde ein Original nur 1x zu 100% gefälscht, weitere Bilder hatten immer ein kleines Detail im Bild, das etwas anders war als das Original.

  • Treki am 09.06.2017 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da muss ich hin

    WB hat ein riesentalent ein Ausnamekünstler, der es noch geschafft hat mit der Geldgier der Kunstszene alle an der Nase herumzuführen