Patientenübernahme aus dem Elsass

22. März 2020 20:59; Akt: 22.03.2020 20:59 Print

«Es ist ein Zeichen der Solidarität»

Die Kantone Basel-Stadt, Baselland und Jura nehmen insgesamt sechs schwerkranke Covid-19-Patienten auf. Noch habe man genügend Intensivkapazitäten, heisst es.

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Die drei Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Jura nehmen jeweils zwei schwerstkranke Covid-19-Patienten aus dem Elsass auf. Wie es in einer Mitteilung heisst, geschieht dies im Sinne humanitärer Tradition und freundnachbarschaftlicher Nothilfe. Die Verlegungen sind in Vorbereitung. Bereits am Samstag wurde bekannt, dass Kliniken in Baden Württemberg (D) mindestens zwölf Patienten aus dem Südelsass übernehme.

Das Département Haut-Rhin richtete am Freitag Nachmittag an die drei Kantone eine dringende Anfrage um Unterstützung, nachdem die Spitalkapazitäten insbesondere für beatmungspflichtige Patienten im Nachbarland ausgeschöpft waren. Wie die Gesundheitsdirektion mitteilt, habe man in Absprache mit den Bundesbehörden zugestimmt.

Das Modell Patientenübernahme könnte auch innerhalb der Schweiz Schule machen. «Für uns wäre es wünschenswert, wenn die Kantone sich untereinander helfen würden», sagte ein Sprecher des Bundesamts für Gesundheit auf Anfrage.

Signal an Frankreich wegen Grenzgängern

«Es ist ein Zeichen der Solidarität», erklärt der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger. In der Region und im Universitätsspital arbeiteten viele Grenzgänger aus dem Elsass und unterstützen das Gesundheitswesen. «Mit der Aufnahme von zwei Patienten unterstützen wir nun das Elsass bei ihrem Engpass», so Engelberger. Die Kantone betonten in ihrer Kommunikation auch, dass dies auch «ein Zeichen des Willens ist, der Coronakrise grenzüberschreitend zu begegnen».

Gerade in Bezug auf die Grenzgänger dürfte dies auch ein Signal an Frankreich sein. Die Spitäler in der Region Basel haben bereits Vorkehrungen getroffen, weil befürchtet wurde, dass Gesundheitspersonal der Grenzübertritt verwehrt werden könnte.

«Sind eine grenzüberschreitende Region»

Die Übernahme elsässischer Intensiv-Patienten wird von Politikern aus allen Lagern begrüsst. Dissens wurde nur vereinzelt auf Twitter laut. «Haben wir nicht genug eigene Patienten?», fragte ein User kritisch.

In den drei Nordwestschweizer Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Jura sind zur Zeit allerdings noch Intensivpflegeplätze mit Beatmungskapazitäten in genügender Anzahl vorhanden; diese werden weiter ausgebaut, hiess es in der gemeinsamen Mitteilung der Kantone.

Basel müsse man als Region betrachten, sagt etwa Eduard Rutschmann, Präsident der Basler SVP und Mitglied der Gesundheitskommission des Grossen Rats. «So lange wir noch in der Lage sind, ist die Patientenübernahme kein Problem.»

Die Präsidentin des Département Haut-Rhin Brigitte Klinkert bedankte sich über Twitter bei ihren Nachbarn für solidarische Geste. «Ja, wir sind wirklich eine grenzüberschreitende Region», schrieb sie. Klinkert hatte persönlich am Freitag an ihre Kollegen in der Schweiz und Deutschland um Hilfe ersucht, weil die Spitäler im Elsass überlastet waren.

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Covid 19 am 22.03.2020 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tessin

    Aber Patienten aus dem Tessin werden nicht übernommen? WOW

    einklappen einklappen
  • Ticinesi am 22.03.2020 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich versteh das einfach nicht

    Im Tessin redet man von dieser absolut schrecklichen Triage und die Basler nehmen Elsässer auf? Hat nicht Frankreich verboten medizinisches Material in die Schweiz zu liefern?

    einklappen einklappen
  • Robin am 22.03.2020 21:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdig

    Italien bräuchte unsere Hilfe dringender und das Tessin auch.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heinrich Böhringer am 23.03.2020 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    respekt

    diese solidarität ist die beste antwort auf die blockade von medizinischem schutzmaterial der deutschen.

  • Miggeli am 23.03.2020 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Echt?

    Verstehe ich nicht, die sollen doch in Paris bei Mr. Macron Hilfe holen. Naja, wenn man uns betr. Flughafen etc. gleich behandeln würde, wärs gerecht.

  • Claudia Burg am 23.03.2020 15:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Danke an die Schweiz und Deutschland dem Elsass zu helfen! Sachsen ûbernimmt auch ein paar Fälle aus Italien

  • Marcelle am 23.03.2020 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vive la France

    Die Geste von Basel resp. Umgebung ist solidarisch. Jedoch möchte ich erwähnen, dass Frankreich seit Jahrzehnten allem hinterher hinkt. Die Franzosen haben das Arbeiten nicht erfunden. Am liebsten ist ihnen die 35 Stunden Woche, dazu kommen Streiks bis zum Abwinken, Kindergeld in schwindelerregender Höhe und dann wundert man sich, warum die Wirtschaft schlecht dasteht und man im Elsass jetzt mit Betten knapp dasteht. Wie sagen die Franzosen so schön, sie hätten das Gewisse "Savoir-vivre", aber in dieser Zeit wäre ein "survivre" wichtiger.

  • Leser am 23.03.2020 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Macht es doch gleich wie Jens Spahn

    Der verschenkte sogar die Ausrüstungen für Medizinisches Personal, nach China. Wie stehen jetzt die Deutschen da. Auf der Homepage des Deutschen Bundestag gibt es eine pdf Datei Drucksache 17/12051 dort wird ab Seite 59 genau das Thema Risikoanalyse Bevölkerungsschutz Bund Pandemie durch Virus Modi-SARS da wird schon das ganze Szenario besschrieben, unter anderm das Coronavirus. Man hatte also seit 2012 Zeit sich auf so ein Szenario vorzubereiten. Das Dokument wirft wircklich ernsthafte Fragen auf? Warum die Regierung NICHT vorbereitet ist für den jetztigen Ernstfall?