Rassismus-Debatte an Fasnacht

19. August 2018 20:53; Akt: 20.08.2018 08:42 Print

«Es ist eine Frage des Anstands»

Elisio Macamo leitet das Zentrum für Afrikastudien an der Universität Basel. Wie beurteilt er die als rassistisch kritisierten Logos der Guggenmusiken Negro Rhygass und Mohrekopf?

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Elisio Macamo wuchs in Mosambique auf und leitet an der Universität Basel das Zentrum für Afrikastudien, wo er seit 2009 eine ordentliche Professur hält. «Solche Bilder haben in der Vergangenheit dazu beigetragen, die schlechte Behandlung der Schwarzen zu rechtfertigen», sagt der Soziologe. Macamo verlangt nicht, dass die Guggen ihr Logo ändern, sagt aber: «Wenn es jemandem nichts ausmacht, die Gefühle von anderen zu verletzen, kann ich ihm auch nicht weiterhelfen.» Werden hier die Grenzen des Tolerierbaren überschritten? Um den Auftritt und den Namen der Fasnachtsgesellschaften Mohrekopf-Gugge und Negro Rhygass ist eine Kontroverse entbrannt. Am Freitag haben rund 1000 Teilnehmer an einem Solidaritäts-Marsch für die kritisierten Guggen mitgemacht. Der Anlass war als Umzug behördlich bewilligt. Auf der Wettsteinbrücke kam es zu einer kurzen Konfrontation mit einer Gegendemo, die nach wenigen Minuten aber den Weg frei machte. Kein Verständnis für die Kritik: Dieser Vers, den ein Basler Fotograf aus Solidarität zur Negro Rhygass und Mohrekopf-Gugge gedichtet hat, wurde auf Facebook mehrere tausend Male geteilt, nachdem die Facebook-Seiten der Negro Rhygass und Mohrekopf-Gugge wegen Rassismus gesperrt wurden. Auch Memes kursieren mitterweile, auf denen sich Fasnächtler mit den gebrandmarkten Cliquen solidarisieren. Auch diese Solidaritätsbekundung mit den Opfern der Facebook-Zensur wird auf Facebook eifrig herumgereicht. Am 14. August wurden die Facebook-Seiten der Negro Rhygass und Mohrekopf-Gugge gesperrt. User hatten diese als rassistisch beanstandet, nachdem ein entsprechender Aufruf auf Instagram lanciert worden war. Die Negro-Rhygass feierten am vergangenen Wochenende das «Negro-Fescht». Jetzt bezeichnen Kritiker Logo und Namen des Vereins als rassistisch. Bei Stopp Rassismus sind nach der Veranstaltung Meldungen eingegangen. «Es laufen jetzt Abklärungen, inwieweit da juristisch etwas zu machen ist», so Johann Göttl, Leiter der Beratungsstelle. Der Verein distanziert sich von Rassismus aller Art. Sieht jedoch keinen Handlungsbedarf, da sich Name und Emblem auf eine historische Begebenheit zurückführen lassen. Seit vielen Jahren sei der Verein Mitglied des Fasnachtscomites und des Dachverbandes der Gugge-IG. Der Name sei zuvor nie ein Thema gewesen. «Bitte überlegt euch einen zeitgemässen Auftritt und einen neuen Namen», fordert ein Kritiker auf Facebook.

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Herr Macamo, empfinden Sie den Auftritt der Guggenmusiken Negro Rhygass und Mohrekopf als rassistisch?
Nicht alles, was unhöflich ist, ist rassistisch. Ich halte den Auftritt für wenig rücksichtsvoll. Ich habe volles Verständnis für die Leute, die sich durch solche Bilder beleidigt fühlen. Solche Bilder haben in der Vergangenheit dazu beigetragen, die schlechte Behandlung der Schwarzen zu rechtfertigen.

Die beiden Fasnachtsvereine selbst distanzieren sich von Rassismus und verweisen darauf, dass weder der Name noch der optische Auftritt rassistisch gemeint sind. Spielt es eine Rolle, wie der Sender der Botschaft diese meint?
Klar spielt das eine Rolle. Aber wenn jemand sich durch eine Äusserung von mir beleidigt fühlt, bin ich aus Anstand, und wenn ich gut erzogen bin, verpflichtet, zuzuhören und allenfalls meine Handlung zu überdenken.

Fänden Sie es angebracht, wenn die beiden Vereine ihren Namen oder zumindest ihr Logo ändern würden?
Jeder ist frei, sich so zu benehmen wie er es für richtig hält, solange er nicht gegen das Gesetz verstösst. Dass etwas nicht gegen das Gesetz verstösst, heisst allerdings nicht, dass es gut oder anständig ist. Das ist eine Frage des Anstands. Wenn es jemandem nichts ausmacht, die Gefühle von anderen zu verletzen, kann ich ihm auch nicht weiterhelfen.

(lha)