«Eine Erniedrigung»

23. Juli 2019 16:19; Akt: 23.07.2019 16:19 Print

Vergewaltiger tickt vor Gericht aus

Das Basler Strafgericht verurteilte einen 53-jährigen Obdachlosen, weil er eine Frau brutal vergewaltigte. Der bulgarische Staatsangehörige wird ausgeschafft.

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Der Mann, der bereits während des Prozesses am Montag mit seinem Verhalten negativ auffiel, konnte es auch auch am Dienstag nicht lassen: Er unterbrach den Gerichtspräsidenten während der Urteilsverkündung mehrfach mit Fluchen und Beschimpfungen. «Das ist eine Erniedrigung», schimpfte er und fiel dem Richter bereits in den ersten Minuten ins Wort. Wie am Tag zuvor wurde er aus dem Saal geschickt und verpasste seinen Schuldspuch.

Das Basler Strafgericht verurteilte den 53-Jährigen wegen einem Fall von sexueller Nötigung sowie Hausfriedensbruch und Diebstahl zu einer bedingten zweijährigen Freiheitsstrafe. Der Mann wird aus dem Gefängnis entlassen und der Migrationsbehörde übergeben. Zehn Jahre darf er die Schweiz nach seiner Ausweisung nicht mehr betreten, entschied das Gericht.

Von Schamgefühlen keine Spur

Vom Hauptanklagepunkt der mehrfachen Vergewaltigung wurde er in dubio pro reo freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft wollte den Mann fünf Jahre im Gefängniss wissen, da er eine labile Frau zehnmal vergewaltigt haben soll. Der Mann, der auf der Strasse lebte, hatte sich zuvor in der Wohnung seines Opfers eingenistet.

Der Sachverhalt sei bestritten, sowohl Opfer als auch Täter hätten sich in ihren Schilderungen widersprochen, begründete der Richter das Urteil. «Aufgrund ihres exzessiven Alkoholkonsums waren die Aussagen der Frau nicht verlässlich.» Während sie darauf beharrte, dass sie aus Scham die sexuellen Übergriffe lange nicht angezeigt hatte, zeichnete sich am Prozesstag ein anderes Bild ab: von Schamgefühlen keine Spur. «Sie erzählte detailliert private Dinge auf eine unverblümte Art», so der Richter über eine von vielen Ungereimtheiten.

«Geistig nicht fähig, Lügengebäude aufrechtzuerhalten»

Das Gericht geht nicht davon aus, dass die Frau die Vergewaltigungen erfunden hat. «Sie ist geistig nicht in der Lage, ein Lügengebäude aufrechtzuerhalten.» Dennoch hält es den Standpunkt des Verteidigers für wahrscheinlich, dass die kranke Frau, offensichtlich auf der Suche nach männlicher Unterstützung, und der Mann eine Beziehung hatten.

«Es kann durchaus sein, dass sie erst einvernehmlichen Geschlechtsverkehr hatten und der Beschuldigte im Laufe der Zeit übergriffig wurde.» Ein Szenario sei, dass die leicht zu beeinflussende Frau von ihrem neuen Partner die Vergewaltigungs-Geschichte aufgeschwatzt bekam. Der Richter betonte aber mehrfach: «Es ist nicht so, dass wir ihr nicht glauben. Es spricht sehr, sehr viel dafür, dass sie mehrfach sexuelle Gewalt gegen ihren Willen erlebt hat.»

Ihr Zustand sei erschreckend. «Es ist tragisch wie schlecht es ihr geht.» Die anale Vergewaltigung, nach der die Frau ärztlich behandelt werden musste, sah das Gericht als erwiesen an. Für diese wurde der Mann verurteilt.

(jd)