Basel

08. Mai 2018 07:05; Akt: 08.05.2018 13:42 Print

David Goodall (104) will am Donnerstag sterben

Er sucht in der Schweiz den Tod: Der 104-jährige australische Wissenschaftler David Goodall ist gestern in Basel gelandet.

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David Goodall kam am Montagmittag im Rollstuhl in der Empfangshalle des Euro-Airport Basel-Mulhouse an. Der 104-jährige Wissenschaftler wurde von Journalisten und zwei Kamerateams des australischen Fernsehens erwartet.

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Goodall hat eine Kontroverse losgetreten: Weil Australien die Sterbehilfe verbietet, ist er von seiner Heimatstadt Perth in die Schweiz gereist. Hier möchte Goodall mithilfe der Organisation Eternal Spirit sterben.

«Ich bin froh, angekommen zu sein», sagte er im Interview mit der «Aargauer Zeitung». «Noch mehr werde ich mich aber freuen, wenn ich weitere Schritte meiner Reise gemacht habe und im Hotel bin oder dann den Arzt treffe.»

Schwieriger Abschied

Am Donnerstag, an Auffahrt, will Goodall sein Leben in einer Klinik der Schweizer Organisation Eternal Spirit in der Nähe von Basel beenden. Von seiner Familie hatte er sich in Frankreich verabschiedet. «Es war schon traurig, mich in Bordeaux von meiner Familie zu verabschieden, aber so ist es nun mal», sagte der Wissenschaftler.

Goodall ist nicht unheilbar krank, er klagt aber über einen fortschreitenden Verlust seiner Lebensqualität. Aktive Sterbehilfe, die sogenannte Tötung auf Verlangen, ist in den meisten Ländern verboten. In der Schweiz steht der Zugang zur Sterbehilfe im Prinzip allen geistig gesunden Menschen offen, die über einen längeren Zeitraum beständig den Wunsch zu sterben äussern.

«Jeder über 50 oder 60 sollte frei sein zu entscheiden, ob er weiterleben möchte oder nicht», sagte Goodall bei seiner Ankunft am Flughafen in Basel. Die grosse Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit soll zu Veränderungen in seiner Heimat führen, hofft er. Er zweifle aber daran, dass das bald passiere.

Kritik an australischen Behörden

In einem früheren Interview mit dem australischen Sender ABC hatte Goodall bedauert, dass er wegen des Sterbehilfe-Verbots in Australien nicht zu Hause sterben könne. «Ich möchte nicht in die Schweiz, obwohl es ein nettes Land ist», sagte er. «Aber ich muss das tun, um die Möglichkeit zu einem Suizid zu erhalten, die das australische System nicht erlaubt.»

Die Organisation Eternal Spirit hat das Verhalten der australischen Behörden in seinem Fall scharf verurteilt. Es sei «abscheulich», dass der 104-Jährige nicht in seiner Heimat seinem Leben ein Ende setzen könne, sagte der Mitbegründer von Eternal Spirit, Ruedi Habegger, der Nachrichtenagentur AFP. «Diesem alten Mann sollte erlaubt werden, zu Hause in seinem Bett sterben zu können, so wie man das bei uns in der Schweiz kann.»

Godall arbeitete noch mit 102

Goodall arbeitete an der Edith-Cowan-Universität in Westaustralien. 2016 war er weltweit bekannt geworden, als ihn seine Universität im Alter von 102 Jahren endgültig in den Ruhestand schicken wollte – obwohl er seit seiner offiziellen Pensionierung unentgeltlich arbeitete.

Nach Protesten und Solidaritätsbekundungen von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt nahm die Universität die Entscheidung zurück. Goodall hat Dutzende Forschungsarbeiten veröffentlicht und noch bis vor kurzem für verschiedene Fachzeitschriften gearbeitet.

(hvw/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sonne am 08.05.2018 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Exit

    Wenn ein Tier krank oder unter starker Altersschwäche leider, wird es eingeschläfert. Der Mensch darf das in den meisten Länder nicht selbst entscheiden. ich verstehe seine Entscheidung.

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  • drUwe am 08.05.2018 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finde ich Gut

    Ich finde das viel besser als das man Selbstmord begehen muss!

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  • Stardust am 08.05.2018 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er hat völlig Recht

    Es sollte jedem das Recht zugestanden werden auf eigenen Wunsch würdevoll aus dem Leben zu scheiden. Besonders bei gesundheitlichen Problemen und auch Lebenssatt oder Alter

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hoffnung am 08.05.2018 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Würde Sinn Frieden

    Mein VATER ist STERBENSKRANK, hatnen wirklich schwierigen, herausfordernden Leidensweg zu bewältigen....! An seiner Seite, meine liebe, geduldig ertragende Mutter, welche es auch gar nicht einfach hat...! Er, hat vor mehr als 1 Jahr alle Therapien abgebrochen, wartend im Glauben, dass Gott weiss, WAS ER TUT+VORHAT. Er hat wiederkehrend unerträglich Schmerzen, wird inmobiler, doch Mitmenschen erleben ihn stets fröhlich, versucht sicher auch durch Gespräche/Gemeinschaft Ablenkung zu finden. Er BETET, vertraut+kennt seine ZUKUNFT+freut sich sehr darauf!! Wer Frieden hat, findet Trost im Leid.

  • Sergio Fasano am 08.05.2018 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Der Freidenker meint:

    Es gibt Situationen, da sind aus Vernunft und Emotionalität dem Leben fast keine positiven Werte mehr abzugewinnen. Mein Freund setzte seinem Leben mit Exit ein Ende, nachdem er am unheilbaren Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte und dieser in so fortgeschrittenem, schmerzhaften und entstellendem Stadium war, dass es für ihn unerträglich wurde, trotz allerstärksten Schmerzmitteln. Auf der ganzen Welt sollte jemand in solcher Situation seinem Leben ein würdiges Ende geben dürfen. Und zwar ohne den Segen von Vater Staat einholen zu müssen.

  • marko 33 am 08.05.2018 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz Sterbebett

    Das hoffe ich nicht

  • Helftmir am 08.05.2018 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naund?

    Na und wo liegt das Problem? Seinen Tod selbst zu bestimmen muss doch legal sein. Der Selbstmörder wird auch nicht hinterfragt. Ausserdem hinterlassen SM oft schlimme Spuren, welche andere dann wegräumen müssen.

  • Morto am 08.05.2018 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zombis

    Und was ist mit Personen, die eigentlich Tot sind und mit Maschinen am Leben erhalten werden, weil sich die Angehörigen weigern abstellen lassen?