Aesch BL

12. September 2018 05:44; Akt: 12.09.2018 17:21 Print

«Für die Besichtigung wollten sie 12'000 Fr»

Mit Schnäppchen-Immobilien locken Betrüger ihre Opfer in die Falle. Eine Baslerin hat rechtzeitig Verdacht geschöpft. Den Strafverfolgungsbehörden sind die Hände gebunden.

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Für nur 300'000 Franken war ein Reihenhaus in Aesch auf zwei bekannten Schweizer Immobilienportalen ausgeschrieben. Eine Interessentin aus Basel reagierte auf das Schnäppchen. Eine spanische Ärztin, die darin ein Jahr lang gelebt haben soll, gab sich als Eigentümerin zu erkennen. «Weil ich nicht viel Zeit habe, mich um den Verkauf zu kümmern, habe ich eine internationale Maklerfirma beauftragt», sagte die Frau, die sich als Catalina Arnal ausgab, gegenüber einer Interessentin aus Basel.

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Kurz darauf meldete sich eine Maklerin namens Laura Watson von Partner Real Estate wegen eines Besichtigungstermins. «Für die Besichtigung des Hauses verlangte sie 12'000 Franken», erzählt sie. «Das ist eine Kaution, die Ihr Kaufinteresse unterstreichen soll, und keine Anzahlung», schrieb Watson in einem E-Mail. Da wurde die Baslerin stutzig und begann ein wenig zu recherchieren. Eine Catalina Arnal hatte nie am Krebsforschungszentrum des Universitätsspital Zürich gearbeitet. «Aber die Webseite der Immobilienfirma hat wahnsinnig professionell ausgesehen», sagt sie.

Fiktive Firma, reale Immobilien

Partner Real Estate ist aber nur eine fiktive Firma. Die Webseite ist eine gut gemachte Fassade und die Maklerin Laura Watson ist auch nur ein Alias. Die Webseite wurde am Dienstag von Hostinger, dem Host der Seite, vom Netz genommen, nachdem Meldungen wegen betrügerischen Aktivitäten eingegangen waren.

Die Immobilie in Aesch hingegen ist real und auf Immobilienportalen wie Homegate zur Miete ausgeschrieben. Die Betrüger haben dort Bilder, Grundrisse und Details zur Immobilie gestohlen und auf ihrer Seite recycelt. Der Eigentümer der Liegenschaft hatte davon «keine Ahnung», wie er auf Anfrage sagte.

Vorbereitungshandlung nicht strafbar

Die Immo-Betrüger operieren mit ihrer Betrugsmasche im rechtlichen Graubereich. Der Betrieb der Webseite mit den Fake-Inseraten ist allein noch kein Straftatbestand. «Eine reine Vorbereitungshandlung ist nicht strafbar», sagt Michael Lutz, Kommunikationsbeauftragter der Baselbieter Staatsanwaltschaft. Er mahnt deshalb generell zur Vorsicht bei vermeintlichen Schnäppchen-Angeboten. «Als Käufer in Vorleistung gehen zu müssen, scheint wenig plausibel. Niemand bezahlt Eintritt, wenn er im Supermarkt einkaufen gehen will.»

Wer auf die Masche hereinfällt, hat kaum Chancen, sein Geld je wieder zu sehen. Es ist unklar, wo die Betrüger tatsächlich sitzen. Oftmals benutzen sie sogeannte Money Mules, das sind Personen, die gegen Provision ihr Konto für Transaktionen zur Verfügung stellen. «Die Chance, dass die Drahtzieher zur Rechenschaft gezogen werden, ist oft sehr klein», so Lutz.

Die Betrüger, die mit den Fake-Identitäten Laura Watson und Catalina Arnal operierten, haben auf Anfragen von 20 Minuten nicht reagiert.

Die in Zürich und Genf ansässige Immobilienfirma Partner Real Estate betont, dass sie in keiner Verbindung steht mit den Betrügern, die unter dem gleichen Namen aktiv waren. Die Partner Real Estate AG ist auf kommerziell genutzte Liegenschaften spezialisiert und vertritt in der Schweiz den internationl tätigen Immobiliendienstleister Knight Frank.

(lha)