Allschwil BL

10. September 2018 05:47; Akt: 10.09.2018 05:47 Print

«Für mich ist Mathe eher ein Hobby als Arbeit»

Bibin Muttappillil vertrat die Schweiz an der Informatik-Olympiade in Japan. Der 19-Jährige hat eine einfache Erklärung dafür, warum die meisten Schüler Mathe nicht mögen.

Der Maturand Bibin Muttappillil gewann mehrere Medaillen bei den Mathe-, Physik- und Informatikolympiaden der Schweiz. (Video: 20 Minuten/sis)
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Bronze für Mathematik, Silber für Physik und zuletzt Gold für Informatik. Bibin Muttappillils Leistungen bei den Schweizer Olympiaden können sich durchaus sehen lassen. Der 19-Jährige Allschwiler qualifizierte sich damit auch für die Internationale Informatikolympiade in Japan, bei der er am Wochenende knapp eine Medaille verpasste.

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«Für mich sind Mathe, Informatik und Physik mehr Hobby als Arbeit», sagt er. Schon in der Primarschule machte ihm Mathe viel Spass. Mit 14 Jahren schaute er sich dann Youtube-Videos und Programmier-Webseiten an, weil ihm der gewöhnliche Unterrichtsstoff nicht mehr ausreichte. «Da habe ich dann realisiert, wie einfach es ist, Programmieren zu lernen», erklärt er.

Programmieren brachte er sich selbst bei

Vorher dachte er immer, man müsse studieren, um das alles überhaupt zu verstehen. Mit einem Buch brachte er sich die Programmiersprache «Python» innerhalb von zwei Wochen selbst bei. «Da konnte ich dann schon erste Programmierungen an «Flappy Bird» und «Mario» vornehmen», erklärt der Autodidakt, der in seiner Freizeit gerne Badminton, Volleyball und Videospiele spielt.

«Mathe und Physik werden in der Schule vor allem mit Stress und Druck verbunden. Man lernt auch eher wie man Aufgaben ausrechnet und nicht die Mathematik an sich, bei der es darum geht, wie man etwas überlegt oder Muster erkennt», erklärt der Maturand. Insbesondere das Abstrakte fasziniere ihn.

Mit 17 Jahren an der Uni Basel eingeschrieben

Der Spass an der Sache ist es auch, was ihn antreibt, wie Dominique Meyer, Koordinatorin für Begabung und Begabtenförderung am Gymnasium Oberwil, bestätigen kann: «Ich habe ihm einfach gesagt, was es für Angebote gibt und den Rest hat er praktisch selbstständig erledigt.»

Viele Schüler würden sich an den Zusatzangeboten, wie etwa die Wissenschafts-Olympiaden, auch interessiert zeigen – wirklich aktiv werden jedoch nur die wenigsten. Und das sei auch das Spezielle an Bibin: «Er hat solch einen Durst gehabt, dass er das alles von sich aus angegangen ist und letztendlich ja auch sehr profitieren konnte», erklärt die Mathematikerin.

Mit 17 Jahren immatrikulierte er sich ausserdem an der Universität Basel und besuchte neben dem regulären Schulunterricht einige Vorlesungen.

«Im Matheunterricht ist das Tempo wichtig»

Der normale Matheunterricht ist ihm mittlerweile zu langweilig. Er übt dann Aufgaben für die Olympiaden oder hilft auch mal seinen Mitschülern. Wie er sich erklärt, warum die meisten Mathe nicht mögen? «Das Tempo spielt eine ganz entscheidende Rolle. Wenn es zu schnell ist und man die Grundlagen nicht verstanden hat, kommt man nicht mehr mit – dann macht es natürlich auch keinen Spass mehr», so Bibin.

Als Wunderkind würde er sich nicht bezeichnen. «Ich habe einfach eine schnelle Auffassung, das hilft», erklärt er. Sein Hassfach ist übrigens Französisch. Da könnte er vermutlich besser sein, gibt sich aber einfach keine Mühe, sagt er und schmunzelt.

Die ETH wartet

Zu seinen Erfolgen bei den Schweizer Mathematik-, Physik- und Informatikolympiaden gratulierte ihm auch die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind. Seine Leistungen seien bewundernswert und hätten Vorbildcharakter, steht im Schreiben der Regierungsrätin.

Mitte September will er sein Informatikstudium beginnen. Dafür hat er sich die renommierte Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) in Zürich ausgesucht.

«Für mich ist Mathematik eher ein Hobby als Arbeit»

(sis)