Sechseckige Eierablage

13. August 2019 11:35; Akt: 13.08.2019 12:00 Print

«Bin fasziniert, will aber keine Ungezieferzucht»

Insekteneier, die auf den Blättern einer Balkonpflanze in Riehen abgelegt wurden, faszinieren Hobbygärtner. Die Eier stellen selbst Experten vor ein Rätsel.

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Die Fotos einer Insekteneier-Formation, die Hobbygärtnerin Beatrice Jauslin-Morgenthaler auf ihrem Balkon fotografiert hat, lassen nicht nur halb Riehen, sondern auch Experten rätseln. «Bin einerseits fasziniert, wie geometrisch perfekt die Eier abgelegt worden sind. Andererseits habe ich absolut keine Lust auf eine Ungezieferzucht auf meinem Balkon», schreibt Jauslin-Morgenthaler in einem Facebook-Post mit den Fotos der hexagonal gelegten Eier.

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Der Post weckt das Interesse zahlreicher User, einige spekulieren über den Ursprung der Eier. «Wanzeneier», lautet der erste Tipp. «Schmetterlinge», kommentiert eine andere Userin. Mit Hilfe von Google versuchen die Riehener, dem Rätsel um die Eier auf die Spur zu kommen. «Grüne Reiswanze. Nur keine Panik und Hysterie», so ein weiterer Kommentar.

Auch über die Frage, ob man die Eier entfernen oder sie an Ort und Stelle lassen sollte wird diskutiert. «Die Insekten haben alle ihre Berechtigung», mahnt eine Userin. Eine andere warnt vor übelriechenden Stinkwanzen und rät zur vorsichtigen Entfernung aus der Wohnung.

«Eier am besten einfrieren»

Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei Basel, tippt auf die Eier einer Stinkwanze. Gabi Müller, Biologin und Leiterin der Schädlingsprävention- und Beratung in Zürich, ist sich indes sicher: «Das sind die Eier der Grünen Reiswanze, Nezara viridula.» Zum gleichen Schluss kommt Wanzenspezialist Tim Haye vom Centre for Agriculture and Biosciences International (CABI) in Delémont.

Die Grüne Reiswanze wurde in die Schweiz eingeschleppt. Ursprünglich stammt sie aus dem Osten Afrikas, heute ist die Wanze auf der ganzen Welt zu finden. «Die Formation der Eier ist meist artspezifisch», sagt Haye. Ein Grund für die jeweilige Form ist ihm nicht bekannt. «Bei warmem Wetter schlüpfen die jungen Wanzen meist nach sieben bis zehn Tagen», informiert er weiter.

Auf dem Bild von Jauslin-Morgenthaler sind die Eier schon leicht rot verfärbt, was darauf hinweise, dass die Wanzennymphen bald schlüpfen würden. «Die schlüpfenden Nymphen saugen an den Balkonpflanzen und können diese schädigen», sagt er. Insektizide sind trotzdem unnötig. Vor allem sind die Wanzen sehr robust und mit Gift kaum zu bekämpfen. Haye rät darum, die Eier abzusammeln und einzufrieren, um sie abzutöten. Das Einfrieren garantiert in jedem Fall einen geruchsneutralen Tod der Wanzen.

Wachsende Wanzenplage

Die Grüne Reiswanze und auch die als Stinkwanze bekannte Marmorierte Baumwanze aus China breiten sich in der Schweiz rasant aus. Man spricht von sogenannt invasiven Neozoen, alos gebietsfremden Arten, die sich aggressiv ausbreiten. Die Schädlinge richten vor allem in der Landwirtschaft grosse Schäden an, wo sie Gemüsekulturen befallen. Natürliche Feinde hat sie in der Schweiz keine. Allerdings forschen Haye und seine Kollegen bereits an der Bekämpfung der Baumwanze mit der ostasiatischen Samurai-Wespe.

Diese legt ihre Eier in die Wanzeneier. Die Wespenlarven fressen die Wanzeneier dann von innen aus. Während Haye im Labor forscht, ob die Samurai-Wespe nicht selbst eine Gefahr für heimische Arten darstellt, hat sie schon von selbst den Weg in die Schweiz gefunden.

(lb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • cph4 am 13.08.2019 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    sicherheitshalber sofort vernichten

    Die Eier sollten sicherheitshalber dringend vernichtet werden. Lebewesen hin oder her. Für solche eingeschleppten Tiere ist hier diskusionslos der falsche Platz.

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  • Peter Lustig am 13.08.2019 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Da zält der Spruch:

    ''Tötet es, bevor es Eier legt'' wohl nicht mehr. Ich bin da eher altmodisch und hätte die Eier mit dem Feuerzeug verbrannt.. Sorry :-D

  • Marc am 13.08.2019 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wanze gibt Gift ab

    Ich bin der Innenseite meiner Achsel mit so einer grünen Wanze in Berührung gekommen als ich mich hier in Bettingen über die Terassenbrüstung lehnte und die Wanze übersah. Es brannte höllisch und - wie Quallen. Es war vor zwei Wochen und die Stelle ist bis dato immer noch wund. Ich habe dann nach Recherchen gelesen, dass die Wanzen ein Gift absondern. Die Stelle unter dem Arm in den Achseln ist auch noch besonders dünnhäutig und sensibel. Passt vor den Viechern auf.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Vanja am 13.08.2019 19:51 Report Diesen Beitrag melden

    Vernichten....

    und sicher nicht einfrieren, der hat wohl ne Macke! Von wegen Ungezieger-Experte !

    • BeRo am 14.08.2019 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Vanja

      Ich denke mal, eingefroren sind sie tot;-)

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  • Peter S am 13.08.2019 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    Geht gar nicht

    Waaaaas? Eine ausländische Wanze ohne Einbürgerungsgesuch. Also das würde ich sofort im neuen Forderungskatalog der SVP einbeziehen. Grad nach der "Einbürgerung auf Probe". Wo kommen wir denn sonst hin mit diesem ausländischen Ghetto-Ungeziefer, welches das inländische Heidi-Ungeziefer mit blonden Zöpfen und Hirtenhemmli verdrängt!

  • Rebell am 13.08.2019 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mutation der Natur?

    Es gibt so viele Insekten auf der Welt, das man sich wirklich fragt, ob alle überhaupt einen Sinn haben. Der Zweck der Mücken u dergleichen, welche nur Blut Saufen u gefährliche Krankheiten übertragen, erschliesst sich mir nicht, während andere Insekten wie Bienen u dergleichen, sehr nützlich sind u Bestandteil der Garantie ist, welche die Existenz der Natur sichert. Aber Wanzen, Mücken, Zecken & Co., sind u nützt u vielleicht eine unwillkommende Mutation der Natur?

    • Dömsel am 13.08.2019 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rebell

      Wieso soll uns jedes Lebewesen einen Nutzen bringen um eine Daseinsberechtigung zu haben? Welchen nutzen bringen wir den der Weltgemeinschaft?

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  • Mr Spock am 13.08.2019 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Grausam...

    Wir sind brutal, weil wir Tiere essen, aber Tiere pflanzen Eier in in andere Tiere oder Eier und fressen sie bei lebendigem Leib von innen auf... nichts ist grausamer als die Natur. Jetzt könnt ihr wieder damit kommen, dass uns ja genau das als Menschen ausmacht - ändert aber nichts daran, dass es den Rest der Natur nicht schert und weiterhin bei lebendigem Leib gefoltert und gefressen wird... drum habe ich ein gutes Gewissen beim Rind vom heimischen Mezger. Das hatte ein besseres Leben als die hier erwähnten Tiere...

    • kurt am 13.08.2019 17:49 Report Diesen Beitrag melden

      Was Katzen mit Beute anstellen

      Ist an Grausamkeit kaum zu überbieten. Von Kopf abbeissen oder Gliedmassen ausreissen bis zum langsamen töten damit man damit noch spielen kann. Aber die Katzenfreunde negieren die Grausamkeit indem sie behaupten das seien ja nur niedere Arten.

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  • La Roche am 13.08.2019 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Firmenlogo

    Gibt es in Basel nicht eine grosse Pharmafirma, deren Name in blauen Buchstaben in einem solchen Rahmen steht? Ganz klares Guerilla-Marketing!!! ;)

    • Novartis am 13.08.2019 16:49 Report Diesen Beitrag melden

      iwe?

      ich habe keinen Schimmer was sie meinen.

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