SMS nach Bluttat

28. August 2019 07:10; Akt: 28.08.2019 09:50 Print

«Hoi ihr Lieben, habe ein Kind getötet»

Im März tötete eine 75-jährige Frau den 7-jährigen Ilias M. in einem Basler Quartier. In den Gerichtsurteilen kommen nun neue Details ans Licht.

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Die tödliche Attacke auf den 7-jährigen Ilias M.* im Basler Gotthelf-Quartier erschütterte im März die Schweiz. Auf dem Heimweg von der Schule wurde der Bub auf offener Strasse von einer Frau niedergestochen und tödlich verletzt. Die 75-jährige, den Behörden bekannte Frau stellte sich später der Polizei. Sie hatte das Opfer scheinbar zufällig ausgewählt.

Wie neue Details aus den Gerichtsurteilen, die CH Media vorliegen, zeigen, handelte die 75-Jährige vorsätzlich. So fanden die Ermittler auf dem Handy der Frau ein SMS, das sie einen Tag vorher verfasst hatte und sich darin im Voraus der Tat bekannte.

«Stelle mich der Polizei und übernehme die Verantwortung»

Zwar löschte sie die Nachricht wieder, jedoch folgte kurz nach der der Tat ein neues SMS, das an zahlreiche Personen versandt wurde. Darin heisst es: «Hoi ihr Lieben. Habe ein Kind getötet, damit ich mein Eigentum zurückbekomme. Stelle mich der Polizei und übernehme die Verantwortung, sofern ich nicht als Staatsfeind umgebracht werde.»

Während eines Anrufs bei Telebasel erklärte die Frau, die sich offenbar als Opfer eines Komplotts sah, damals: «Ich wurde aus meiner Wohnung geschmissen, habe gar keinen Zutritt mehr zu meiner Wohnung. Bei den Behörden hört mir ja auch keiner zu. Irgendwie musste ich mir ja Gehör verschaffen.» Kurz darauf stellte sie sich der Staatsanwaltschaft.

Keine Spur der Reue

Drei Wochen später machte sie in einer Vernehmung jedoch plötzlich eine Affekthandlung geltend. Der Bub sei auf einmal vor ihr gestanden. Dann habe sie zugestochen. Für das Basler Appellationsgericht ist das Motiv der Frau dennoch klar. So bestehe dieses «zur Hauptsache aus einem subjektiven Unrechtsgefühl, welches sie auf diverse behördliche Fehlleistungen zurückführt, die teilweise mehrere Jahrzehnte zurückreichen.»

Zudem zeige die Frau laut dem Gericht keine Spur der Reue, sei empathielos und wolle keine Verantwortung übernehmen. Die Tötung des Kindes sehe sie weiterhin «als legitimes Mittel, um auf ihre persönliche Situation aufmerksam zu machen».

*Name der Redaktion bekannt

(mon)