Vergewaltigung in Basel

05. Februar 2020 14:29; Akt: 05.02.2020 15:45 Print

«Ich weiss, wer die Täter sind»

Am Samstag wurde eine Frau vor ihrer Haustür von zwei Fremden vergewaltigt. Die Polizei fahndet nach den Tätern. Ein Zeuge will die Männer kennen – die Spur führt nach Portugal.

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Am Samstagmorgen wurde eine Frau in der Basler Elsässerstrasse von zwei Männern vor der eigenen Haustür vergewaltigt. Nach dem Verbrechen sagte Kriminalkommissär René Gsell gegenüber 20 Minuten, er gehe davon aus, dass Zeugen die beiden Täter gesehen hätten. Etwa im Tram, wo sie auf ihr Opfer getroffen seien, oder spätestens, als die beiden vom Tatort geflüchtet seien. Videomaterial der Überwachungskameras aus dem Tram und eines indischen Supermarkts wurde bereits beschlagnahmt.

Ein Informant sagt nun zu 20 Minuten: «Ich weiss, wer die Täter sind.» Am Montag sei er zur Polizei gegangen. Er habe alles erzählt, was er wisse, und Fotos der Männer da gelassen. «Ich will, dass sie gefasst werden, und Gerechtigkeit für das Opfer», so der Mann.

Es handle sich bei den Tatverdächtigen um einen 31-jährigen und einen 17-jährigen Portugiesen. Alkohol, Kokain, Puffbesuche und Partys dominierten den Alltag der Männer. «Geld war bei beiden nie ein Problem.» Der 31-Jährige halte sich erst seit kurzem in Basel auf: «Er ist noch nicht einmal einen Monat hier.» Er sei frisch geschieden, seine Exfrau wohne mit den vier Kindern in Portugal. Eltern und Geschwister lebten im grenznahen Frankreich. Mit der Trennung komme er nicht klar.

Abschied von den Kindern

Die mutmasslichen Täter seien Kollegen, hätten sich in der Vergangenheit «per Zufall getroffen». Der 17-Jährige habe keinen festen Wohnsitz, halte sich mal bei seinem Vater ennet der französischen Grenze, mal in Portugal auf. Er sei ein «verwöhntes Kind». Die Nacht vor der Tat hätten die beiden Kumpel zusammen verbracht. Per Livestream hätten sie ihre Facebook-Freunde daran teilhaben lassen: «Sie waren auf Koks und stark betrunken.»

«Nachdem 20 Minuten über die Vergewaltigung berichtet hatte, deaktivierten beide ihren Facebook-Account sofort», so der Zeuge. Der 31-Jährige habe daraufhin einen Fake-Account erstellt, nur um auch diesen kurz darauf wieder zu deaktivieren. Seine Exfrau kontaktierte er laut dem Informanten telefonisch, um sich von seinen Kinder zu verabschieden. Als sie näher auf seine Situation habe eingehen wollen, habe er kommentarlos aufgelegt.

«Ihre Familien leiden unter der Situation»

Das nähere Umfeld der Männer wisse über das Verbrechen Bescheid, sagt der Informant. «Die Familien leiden sehr darunter.» In der portugiesischen Community werde darüber geredet. Die Männer hätten nach der Tat alle Kanäle dichtgemacht: Erreichbar waren sie weder via Social Media noch per Telefon. Der Zeuge sagt: «Sie sind mittlerweile nach Portugal geflüchtet. Ich kann nur hoffen, dass die Polizei schnell reagiert.»

Er fügt an: «Als ich realisiert habe, dass ich die beiden Täter kenne, wurde mir schlecht. Mir ging es nicht gut.» Er habe erst gezögert, ob er damit zur Polizei gehen solle. «Aber dann habe ich Mut gefasst. Ich will, dass dieser Fall gelöst wird.»

Die Basler Staatsanwaltschaft bestätigte, dass diverse Hinweise eingegangen seien. «Das Verfahren ist hängig. Um die Ermittlungen nicht zu gefährden sowie gestützt auf die Strafprozessordnung, können wir zum aktuellen Zeitpunkt keine weiteren Auskünfte zum Fall geben», teilte die Behörde auf Anfrage mit.

(jd)