Politiker bietet Schmierfink die Stirn

18. September 2019 18:54; Akt: 18.09.2019 18:54 Print

«Ich dachte, jetzt werden die Leute ausfällig»

Ein Wahlplakat von Christian Egeler (FDP) wurde verschandelt. Er hängte ein leeres Plakat auf und forderte einen konstruktiven Dialog. Dann geschah etwas, was den Politiker überraschte.

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Auf Facebook fragte der Basler Nationalratskandidat Christian Egeler (FDP), was er denn nun nach der x-ten Attacke auf eines seiner Wahlplakate tun soll. Einer der Vorschläge setzte der Politiker schliesslich Anfang September um: Er montierte eine weisse, leere Fläche neben das Plakat, das am Garagentor seiner Mutter am St. Johanns-Rheinweg hängt und forderte den Schmierfinken auf: «Hier kannst du nun schreiben, was dir nicht passt und wie man es besser macht.»

Die Möglichkeit wurde rege genutzt, wie Egeler gegenüber 20 Minuten angibt. «Lieber Herr Egeler, ich bin zwar nicht dieser Künstler, jedoch stört mich ihre kapitalistische Wirtschaftspolitik. Liebe Grüsse», schrieb ein Passant. Und fügte an: «Ihren Kommentar dürfen sie gerne hier äussern».

«Ich beantworte alles»

«Ich bin wirklich positiv überrascht», so Egeler. Er habe nicht damit gerechnet, dass auf dem leeren Plakat tatsächlich ein geregelter und anständiger Dialog stattfinden würde, so Egeler. «Ich erwartete, dass es im beleidigenden Stil weitergeht und die Leute ausfällig würden», führt er aus.

Erst recht, als er einen passenden Stift bereit gelegt habe, nachdem er bemerkte, dass viele Kommentare mit Kugelschreiber verfasst wurden und schwer leserlich waren. «Da habe ich mir gedacht, nun gehts richtig los mit Beleidigungen, jetzt wird geschmiert.»

Doch die hässigen Sprüche würden sich in Grenzen halten und auch die beantworte er beflissen, so Egeler: «Ich achte schon darauf, dass ich jeden zweiten Tag vorbeischaue, alles lese und darauf reagiere.» Teilweise nutzen die Schreibenden die Plakatwand, um ihr Herz auszuschütten. «Seit Jahren suche ich, Juristin, eine Stelle», schreibt eine 45-Jährige und fragt, was Egelers Partei gegen die Alters-Arbeitslosigkeit zu tun gedenke. «Danke für diesen Aushang», schreibt die selbe Frau und unterzeichnet mit einem Smiley.

(jd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hana Snek am 18.09.2019 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seriös

    So muss Politik funktionieren!

  • Fritz am 18.09.2019 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach mal zuhören

    Warum halten viele Politiker uns Wähler für Pöbler die man ignorieren muss. Hört mehr zu und versteht wo den Leuten der Schuh drückt.

  • Tom am 18.09.2019 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Die Idee ist nicht ganz neu, hatten wir schon mal, dass man auf leerer Fläche schreiben konnte. Anstand und Respekt ist wichtig um ein Miteinander leben zu können. Dies betrifft aber auch Kravattenträger, die nur Ihren Hals füllen wollen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Eva B am 19.09.2019 13:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    Herr Engler, das ist eine sehr gute Idee. Nehmen sie aber die wünsche ernst, ändern Sie eventuell sogar ihre Meinung ? Sonst nützt ja der weisse Fleck auf dem Plakat sehr wenig.

  • Herr Max Bünzli am Schreiben am 19.09.2019 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    hat es noch Platz auf dem Zettel zum Notieren alles?

  • Peter am 19.09.2019 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja

    Man möchte im Gespräch bleiben...

  • Betrachter am 19.09.2019 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung

    Dass wäre eigentlich die Aufagbe unserer "Volksvertreter" nachfragen, beobachten..... Meinungen sind immer ein Ausdruck des im MOMENT vorhandenen Wissens und Erfahrungem der Person und der Rest beruht auf Annahmen. Wenn die Annahmen durch Fakten / Erfahrungen ersetzt werden können, verändern sich die Meinungen.

  • mabu69 am 19.09.2019 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dialog

    Dialog ist die Grundlage einer Demokratie und Basis für eine positive Entwicklung. Dialog bedeutet zuhören (lesen) bei Fragen, Sorgen, Ängsten, anderen Meinungen aber dann auch zuhören (lesen) bei der Antwort. Anonyme Beschuldigungen und destruktive Aktionen/Aussagen (sowohl von links wie rechts) bringen Rückschritt ins Mittelalter und keine Readiness für den Rest des 21. Jahrhunderts