Penis entblösst

27. Mai 2019 21:26; Akt: 27.05.2019 21:32 Print

«Ich dachte, sie finden es sexuell erregend»

Ein Exhibitionist stand am Montag vor dem Strafgericht Basel-Stadt. Er soll auch sexuelle Handlungen an Kindern vorgenommen haben.

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Es ist der Albtraum jeder Frau: Ein leeres Zugabteil kurz nach Mitternacht und ein Mann, der sich ihr schräg gegenübersetzt, sie anspricht und sein Geschlechtsteil auspackt, um zu masturbieren. In dieses Szenario drängte ein heute 44-Jähriger seine jungen weiblichen Opfer. Am Montag musste er sich für seine Taten vor dem Strafgericht Basel-Stadt verantworten.

Der Beschuldigte sprach vor der Dreierkammer offen über seine exhibitionistische Neigungen. Abstreiten konnte er die Taten schlecht: Er wurde sowohl in der Schweiz als auch im grenznahen Deutschland bereits mehrfach wegen Exhibitionismus verurteilt. Hohe Geldstrafen, laufende Gerichtsverfahren und mehrere Monate im Untersuchungsgefängnis liessen ihn nicht davon abbringen, auf die Pirsch zu gehen und in der Nähe fremder Frauen zu onanieren.

Angeklagt waren 16 Fälle vom März 2015 bis Mai 2016. Seine Opfer fand er meist in stehenden Interregio-Zügen. «Ich suchte Situationen, in denen die Frauen nicht wegkommen, mich sehen müssen und niemand anderes uns beobachtet. Bei Problemen hätte ich schnell aus dem Zug abhauen können», sagte er am Prozess.

«Ich habe Befriedigung gesucht»

Getrieben auf der Suche nach Befriedigung habe er sich eingeredet, dass die Frauen seine Taten gutheissen. «Ich dachte, dass sie es eventuell sogar sexuell erregend finden», so der Beschuldigte.

Angeklagt waren nebst den exhibitionistischen Taten auch sexuelle Handlungen mit Kindern. Die Staatsanwältin hielt in ihrem Plädoyer den Finger auf den Fakt, dass der Beschuldigte bereits mehrfach dafür bestraft wurde. Laut Gutachten weist er eine multiple Störung der sexuellen Präferenz mit pädophilen Komponenten auf.

Im Gegensatz zu seinen erwachsenen Opfern hielt er nicht in Zügen Ausschau nach den Mädchen. «Ich hatte die Idee, ins Kino zu gehen, bin einfach losgegangen und wollte Befriedigung. Ich bin von Saal zu Saal spaziert und habe Plätze neben jungen Frauen gesucht», so der 44-Jährige.

Zehnjährige im Lift bedrängt

De facto waren die «jungen Frauen» Mädchen im Schutzalter. Eine Zehnjährige berührte er am Oberschenkel, eine Dreizehnjährige am Gesäss. In den Augen der Staatsanwältin haben die Berührungen sexuellen Charakter – der Beschuldigte sprach von «Zärtlichkeit».

«Ich habe immer neue Wege gesucht, meine Neigung auszuleben», gab er zu. Kurz nach dem Kino-Vorfall suchte er in einem Tram im März 2015 die Nähe einer Zwölfjährigen. Videoaufnahmen zeigen, wie er sich an das Kind drückt. «Ich habe ihn hinter mir gespürt. Ich habe mich nicht getraut, mich umzudrehen. Ich habe gemerkt, wie er an sich rumfummelt», sagte das Mädchen in der Vernehmung aus. Dabei habe er «Es isch guet, es isch guet» geflüstert. Der Beschuldigte gab an, das Mädchen zärtlich berührt zu haben, bestritt jedoch, sich dabei angefasst zu haben.

«Seine Taten steigerten sich», so die Staatsanwältin. Im März 2016 soll er eine Zehnjährige in einem Lift im Bahnhof SBB in die Ecke gedrängt, sie am Arm gepackt und dabei die Hosen herunter gelassen haben. «Der Beschuldigte tat dies, um an dem Mädchen sexuelle Handlungen vorzunehmen», so die Anklage.

Beim 44-Jährigen handle es sich um einen Hochrisiko-Täter. Die Staatsanwältin forderte demnach unbedingte 18 Monate Gefängnis. Die Anwältin des Beschuldigten forderte eine Aufschiebung einer Strafe zwecks der Weiterführung von therapeutischen Massnahmen.

Am Dienstag wird das Urteil verkündet.

(jd)