Strafgericht BS

23. Juli 2019 04:53; Akt: 23.07.2019 07:38 Print

«Wieder und wieder hat er mich vergewaltigt»

Ein Obdachloser soll sich bei einer psychisch und physisch angeschlagenen Frau in der Wohnung eingenistet haben und sie über mehrere Monate hinweg brutal vergewaltigt haben.

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Am Montag stand der 53-jährige Mann aus Bulgarien, der laut eigenen Aussagen 2017 in die Schweiz eingereist ist, vor der Dreierkammer des Basler Strafgerichts. «Ego Warrior» stand gross gedruckt auf seinem T-Shirt und genau so führte sich der Beschuldigte ab dem Moment auf, in dem er von zwei Polizisten mit Fussfesseln ins Gericht gebracht wurde: Er pöbelte, schrie und gestikulierte und wurde aufgrund seines renitenten Verhaltens zweimal aus dem Saal verwiesen.

Der Mann soll 2017 in einem Zeitraum von mindestens drei Monaten eine körperlich wehrlose Frau immer wieder vergewaltigt haben. Dabei ging er derart brutal vor, dass sein Opfer nach einer sexuellen Attacke mit der Sanität ins Spital gebracht werden musste und ihr ein künstlicher Darmausgang gelegt wurde, so die Staatsanwaltschaft.

In Kirche kennengelernt

Das sichtlich angeschlagenen Opfer, erzählte während des Prozesses, wie es dazu gekommen ist, dass sie den Mann, der auf der Strasse lebte, in ihre Wohnung gelassen hatte. Sie lernten sich über eine damals gute Freundin kennen, die in ihrem religiösen Eifer eine Bleibe für den Mann suchte. In der Matthäuskirche machte diese Freundin die beiden miteinander bekannt. «Er machte stets einen sehr freundlichen Eindruck, gesundheitlich war er angeschlagen und er hat mir in Gesprächen seine Not geschildert», so die Bekannte.

«Ich war so naiv und habe ihm angeboten im Gästezimmer zu wohnen. Ich dachte, wieso nicht einmal eine gute Tat machen. Ich bin sehr gläubig», schilderte das Opfer. Zuhause angekommen sei er aber sogleich über sie hergefallen. Er habe sie an den Armen festgehalten, ihre Hosen abgerissen und sie ins Bett geschleppt. Dann vergewaltigte er sie. «Es hat mich so gegraust. Es tat so weh», erzählte die Frau unter Tränen während des Befragung.

Drei Flaschen Vodka pro Tag

Es folgten Monate des Schreckens und der sexuellen Gewalt. Etwa zehn Mal habe er sie vergewaltigt. Hinzu kamen sexuelle Nötigungen. Nach wie vor gelten erzwungener Oral- und Analsex als Nötigungen. Beim erzwungenen Oralsex hatte sie das Gefühl zu ersticken. «Ich musste auch sein Sperma schlucken.» Um zu vergessen, habe sie getrunken. «Ich habe ohne Probleme drei bis dreieinhalb Flaschen Vodka am Tag getrunken», sagte sie am Montag.

Wieso sie ihren Peiniger denn immer wieder in die Wohnung gelassen habe, wollte der Gerichtspräsident wissen. Bereits in ihrer Kindheit und Jugend sei sie Opfer von Missbrauch und massivem Druck geworden. Traumatisiert und gefangen in alten Mustern habe sie sich nicht getraut, sich zur Wehr zu setzen. «Er drohte mir, dass zehn Bulgaren oder Rumänen kommen und mich zum Schweigen bringen würden», wiederholte sie immer wieder.

Verteidiger fordert Freispruch

Die Staatsanwältin will den Mann fünf Jahre hinter Gittern wissen. Zudem fordert sie einen Landesverweis von zwölf Jahren und eine Verlängerung der Sicherheitshaft bis das Urteil rechtskräftig ist. Einen In-dubio-pro-reo-Freispruch fordert der Verteidiger des Beschuldigten. Er hält es für wahrscheinlich, dass sein Mandant und die Frau eine Paar-Beziehung hatten. «Ich halte es für stark möglich, dass es sich um eine freiwillige, einvernehmliche Beziehung gehalten hat», sagte er . Im Nachhinein habe sie sich in die Vergewaltigung-Geschichte hineingesteigert.

Unklar ist nach wie vor, ob ein psychiatrisches Gutachten über den Zustand des Beschuldigten erstellt wird. Das Gericht wird darüber entscheiden. Das Urteil wird am Dienstagmorgen gesprochen.

(jd)