K.-o.-Tropfen-Verdacht

22. Februar 2019 05:43; Akt: 22.02.2019 05:50 Print

19-Jährige landet nach Fasnachtsparty im Spital

von Jessica Schön - Der Besuch einer Fasnachtsveranstaltung in Rheinfelden (D) wurde für eine junge Baselbieterin zum Horrortrip. Die 19-Jährige ist sich sicher: «Mir wurden K.-o.-Tropfen verabreicht.»

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Danke an das A***, welches meiner Freundin K.o.-Tropfen ins Glas getan hat»: Mit dieser Überschrift versah Tim ein Foto seiner Freundin Nina im Spitalbett, das er am Sonntag auf Facebook postete. Dort landete die 19-jährige Baselbieterin, nachdem ihr am Rheinfelder Zunftabend, einer Fasnachtsveranstaltung, mutmasslich K.-o.-Tropfen in ein Getränk gemischt wurden. Bis am Donnerstag wurde der Beitrag über 3500 Mal geteilt.

Berichten deutscher Medien zufolge ermittelt die Polizei bereits wegen gefährlicher Körperverletzung. Polizeisprecher Dietmar Ernst bestätigte, dass am Samstag Anzeige erstattet wurde. Ob K.-o.-Tropfen im Spiel waren, ist für die Polizei noch nicht erwiesen. Sie suche nach weiteren Betroffenen, die ein ähnliches Erlebnis gehabt hätten. Nina, die ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist sich aber sicher, dass ihr welche verabreicht wurden.

«Ich konnte nicht mehr sprechen»

Als die ersten Symptome sich bemerkbar machten, war Nina an ihrem zweiten alkoholischen Getränk des Abends. Plötzlich kippte sie mit dem Oberkörper über den Tisch. «Ich habe das zwar schon irgendwie mitbekommen, nahm es aber zuerst als gar nicht so extrem wahr.» Als sie danach die Toilette aufsuchte, wurde ihr vor dem Spiegel schwindlig.

Ihr Freund brachte sie an die frische Luft. Auf dem Weg nach draussen kam dann der emotionale Zusammenbruch: Nina weinte nur noch und brach in Tims Armen zusammen. Sie stellte fest, dass ihr das Reden schwerfiel: «Ich wollte etwas sagen, aber ich konnte nicht. Ich wusste die Worte, aber ich konnte sie nicht aussprechen.» Die Symptome sind typisch für eine Überdosierung des betäubenden Wirkstoffs GHB.

Ihr Zustand verschlechterte sich rapide: Bald konnte sie sich nicht mehr auf ihren Beinen halten und musste sich übergeben. Als Tim versuchte, sie zu stützen, riss sie sich los: «Ich hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, selbst vom Pulli den ich anhatte, fühlte ich mich eingeengt.» Ihr Freund bereut, nicht schon da einen Notarzt gerufen zu haben.

«Vielleicht wäre ich einfach liegen geblieben»

Auch der Heimweg wurde zur Herausforderung. «Ich konnte einfach nicht mehr. Wenn ich alleine gewesen wäre, wäre ich möglicherweise einfach liegen geblieben, vielleicht wäre ich bei dieser Kälte auch nicht mehr aufgewacht.»

Als Tim mit Nina am frühen Morgen das Krankenhaus aufsuchte, vermuteten die Ärzten sofort, dass der 19-Jährigen chemische Substanzen verabreicht wurden. Nachweisen konnten sie diese aber nicht. Dafür begab sich Nina zu spät in Spitalpflege. K.-o.-Tropfen werden innert Stunden abgebaut.

Es dauerte zwei Tage, bis es Nina körperlich besser ging. Dennoch bleibt eine Menge zu verarbeiten: «Wäre ich alleine gewesen, hätte das möglicherweise nicht so gut geendet», sagt sie.

Veranstalter haben Kenntnis

Die Narrenzunft Rheinfelden, die den Fasnachtsabend im Rheinfelder Bürgersaal ausrichtete, hat ebenfalls vom Vorfall erfahren. Am Dienstag veröffentlichte der Verein auf Facebook «aus gegebenem Anlass» einen entsprechenden Post mit Tipps zum Schutz vor K.-o.-Tropfen. Eine weitergehende Stellungnahme zum Vorfall war am Donnerstag nicht erhältlich.